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Full text of "Die schwarzen Flüsse Südamerikas. Hydrographische Studie auf geologisch-orographischer, physikalischer und biologischer Gundlage"

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THE UBRARY 

OF 

THE UNIVERSITY 

OF TEXAS 

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o" MUNCHENER 
GEOGRAPHISCHE STUDIEN 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



SIEGMUND GÜNTHER. 



DREIZEHNTES STÜCK: 

DIE SCHWARZEN FLÜSSE SÜDAMERIKAS 



VON 



Dr. JOSEF REINDL. 



MÜNCHEN 
THEODOR ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOF-BUCHHÄNDLER 
1903. 



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DIE SCHWARZEN FLÜSSE 
SÜDAMERIKAS. 

HYDROGRAPHISCHE STUDIE 

AUF GEüLÜGISCHüRüGRAPHISCHER, PHYSIKALISCHER 
UND BIOLOGISCHER GRUNDLAGE. 

VON 

Dr. JOSEF REINDL. 



MÜNCHEN 
THEODOR ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOF-BUCHHÄNDLER 
1903- 



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XHB UBRARY 

fHB UNIVERSmf 

OF TEXAS 



Vorwort. 



Vorliegende Arbeit verdankt ihre Entstehung ein^r 
Anregung meines hochverdienten Lehrers, des Herrn Prof. 
, Dr. S. Günther in München. Sie will versuchen, das 
K Material, das über die „schwarzen Flüsse Südamerikas'' zu 
C verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern ver- 
,^ öflFentlicht wurde, zu sammeln und übersichtlich zusammen- 
zustellen. Dass dieser Versuch kein leichter war, ist ohne 
^'j^ Weiteres klar, wenn man bedenkt, dass sich die wissen- 
. schaftlichen Ergebnisse über diese Frage vielfach wider- 
Y sprechen und dass dieselben in fast zahllosen, in den Sprachen 
^ der verschiedensten Zungen abgefassten Büchern und Ab- 
handlungen zerstreut niedergelegt sind. Gleichwohl glaube 
. ^* ich hoffen zu dürfen, dass mein Versuch kein vollständig 
^vergeblicher und dass die nachstehende Skizze nicht ganz 
<^ohne Wert für die Förderung der Kenntnis von einer der 
'^sonderbarsten geographischen Erscheinungen sein werde. 






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Seinem hochverehrten Lehrer 

Herrn Dr. Siegmund Günther, 

ordentlichem Professor an der technischen Hochschule in München, 

in Ehrfurcht gewidmet 
vom 

Verfasser. 



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Inhalt 



Vorwort und Einleitung. 

A. Geographisch-geologische Situation. 

I. Das Bergland von Brasilien 5 

II. „ „ „ Guayana 10 

III. Die Amazonas-Niederung 14 

B. Meteorologie. 

I. Winde 21 

IL Niederschläge 27 

C. Hydrographie. 

I. Die schwarzen Flüsse des Orinoko-Systems 36 

IL „ „ „ von Guayana 40 

III. „ „ „ des Amazonas-Systems .... 49 

IV. „ „ „ „ brasilianischen Berglandes 82 
V. Zweifelhafte Schwarzwasserflüsse 85 

D. Allgemeines. 

I. Steigen und Fallen der schwarzen Flüsse 87 

IL Sumpf- und Moorbildungen im Gebiete der schw. Flüsse 93 

III. Biologie 97 

IV. Vermischung der Weiss- mit den Schwarzwasserflüssen 10 1 

E. Analogien 105 

F. Farbe iio 



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THE UBRARY 

THE UNrVERSJTY 

OF TEXAS 



Einleitung. 

Die erste Kunde davon, dass auf dem südamerikanischen 
Kontinente Flüsse von „eigentümlich schwarzer Färbung" sich 
finden, brachte uns ein Spanier, Gonzalo Pizarro's Send- 
ung, O r e 1 1 a n a. Im Jahre 1540 fuhr derselbe als der erste 
Europäer den Amazonas hinab, kam bis an die Mündung 
des Rio Negro und beobachtete mit Staunen die fast schwarze 
Farbe dieses Flusses, die auch nach der Mündung in den 
Amazonenstrom noch stundenweit bemerkbar war.^) 

Indes, so interessant Orellana die merkwürdige Er- 
scheinung fand, eine forschende Betrachtung hat er ihr nicht 
gewidmet. Auch aus den folgenden zwei Jahrhunderten sind 
uns eingehendere Nachrichten über dieses eigenartige geogra- 
phische Phänomen nicht bekannt, und nur von Francisco 
Xavier Ribeiro deS. Payo wissen wir, dass er diese Frage 
im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts etwas berührte.^) 
Erst Alexander von Humboldt hat die Aufmerksamkeit 
und das Interesse wieder auf diese rätselhafte Erscheinung 
gelenkt. 



*) R u g e, S. : Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen, Berlin 
1881, S. 455 flf.; Oviedo, Hist. Gener., Madrid 1845, IV, lib. 49. ^) „Es 
ist leicht zu begreifen", schreibt Ribeiro de S. Payo, „dass das dunkle 
Wasser des Rio Negro ihm seinen Namen gab. Obgleich die wahre 
Farbe des Wassers, wenn man es in ein Glas thut, weingelb ist, so 
erscheint es doch bei der grossen Tiefe des Flusses wie schwarze Tinte. 
Ob nun diese Farbe durch aufgelöste mineralische oder vegetabilische 
Substanzen entstehe, dies lasse man dahingestellt/' (v. Eschwege, 
„Brasilien, die neue Welt in topographischer, geognostischer, berg- 
männischer etc. Hinsicht", Braunschweig 1830. IL Teil 3. Abschnitt S. 143- 

Reindl, Schwarze Flüsse. I 



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In seinen „Ansichten der Natur*' schreibt er anlässlich seiner 
Reisen im Orinokogebiete: ,Jn dem oberen Teile des Fluss- 
gebietes, zwischen dem 3. und 4. Grade nördlicher Breite, 
hat die Natur die rätselhafte Erscheinung der sogenannten 
schwarzen Wasser mehrmals wiederholt. Der Atabapo, der 
Temi, Tuamini und Guainia sind Flüsse von kaffeebrauner 
Farbe. Diese Farbe geht im Schatten der Palmengebüsche 
fast in Tintenschwärze über. In durchsichtigen Gefässen ist 
das Wasser goldgelb^*'.) In seiner „Reise in die Aquioktial- 
Gegenden" gibt derselbe Forscher schon ein grösseres Aus- 
breitungsgebiet dieser eigentümlichen Gewässer an. „Um 
den 5. Grad nördlicher Breite*', schreibt er, „fängt man an, 
sie anzutreffen, und sie sind über den Äquator hinaus bis 
gegen den 2. Grad südlicher Breite sehr häufig.*' 2) ^^[)ie 
Mündung des Rio Negro,** sagt er weiter, „liegt sogar unter 
dem 3^ 9' S. B. ; aber ich weiss nicht, ob der Rio Negro 
seine braungelbe Farbe bis zur Mündung behält, da ihm 
durch den Cassiquiare und den Rio Blanco sehr viel weisses 
Wasser zufliesst.**^) 

Humboldt ahnte zwar,*j dass diesen Schwarzwasserflüssen ein 
grösserer Verbreitungsbezirk zukomme, allein ihm selbst war es infolge 
seines kurzen Aufenthaltes in den südamerikanischen Tropenländern nicht 
möglich uns mit weiteren Beispielen von dieser eigenartigen Erscheinung 
bekannt zu machen. Doch da mit Humboldt eine neue Epoche in der 
Erforschung des südamerikanischen Kontinentes begann und an Stelle 
gelegentlicher Beobachtung eine auf wissenschaftlichen Prinzipien ruhende 
Forschung trat, so wurden durch die folgenden Forschungen auch die 
Nachrichten über die Schwarzwasserflüsse reichlicher und sicherer. 
Schon Prinz Max zu Wied -Neuwied, der 1815-1817 einen Teil des 
grossen brasilianischen Reiches bereiste, berichtet nämlich, dass diese po- 
tamologische Erscheinung auch im Osten und Südosten des genannten 
Landes ausgeprägt sei. Von den Flüssen der Provinz Bahia schreibt er 
z.B. : ^) „Unweit Agä erreich tenwir einen Fluss. Die Ufer diesses Flusses sind 

*) Humboldt, A. v.: „Ansichten der Natur". Seite 127 und 128. 
*) Humboldt, A. v. : „Reise in die Äquinotial-Gegenden", Bd. III S. 193. 
^) Humboldt, A. v.: „Reise in die Äquinotial-Gegenden", Bd. III S. 193 
und 194. *) Humboldt, A. v. : „Reise in die Äquinoktial-Gegenden" 
Bd. III S. 195. ^) Prinz Max zu Wied -Neuwied: „Reise nach 
Brasilien in den Jahren 1815— 1817". I. Tl. S. 174. 



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- 3 - 

mit dichten Gebüschen bedeckt und sein Wasser hat eine dunkel-kaffee- 
braune Farbe, wie die meisten Waldbäche und kleinen Flüsse dieses 
Landes. Herr von Humboldt fand das nämliche . am Atabapo, Temi, 
Tuamini, Guainia und anderen Flüssen. Nach seinem Urteil erhalten 
sie diese sonderbare Farbe durch eine Auflösung von gekohltem Wasser- 
stoff, durch die Üppigkeit der Tropenvegetation und die Kräuterfülle 
des Bodens, auf denen sie hinfliesspn.*' Auch zahlreiche Flüsse der 
Provinz Espirito Santo *) sowie der Provinz Minas Geraes ^a) haben 
jene dunkle Färbung, die namentlich bei den in den Ozean mündenden 
Gewässern dem grünen Meerwasser gegenüber auffällig erscheint. „Die 
deutlich sichtbare Vereinigung des grünen Meerwassers mit dem 
dunkelschwärzlichen der Flüsse,'* schreibt Wied- Neuwied, „gab 
der Aussicht auf dem Schiffe einen besonderen Reiz.^b) 

S p i X und M a r t i u s, die 1 8i 7—1 820 Brasilien durchzogen, 
haben uns ebenfalls eine ganze Anzahl solcher Schwarz- 
wasserflüsse kennen gelehrt. „Man findet," berichtet M a r t i u s, 
„unter den Wasseranhäufungen des grossen Amazonasthaies 
viele Gewässer, welche sogenanntes schwarzes Wasser, 
gleich dem des Rio Negro, führen, das in einem Glase 
gesehen alle Nuancen von „Hellgelb zu Bernsteingelb und 
Braun zeigt.'* ^). Auch die Brüder Robert und Richard 
Schomburgk, *) die in der ersten Hälfte des vorigen Jahr- 
hunderts in Süd-Amerika weilten, brachten uns die Kunde, 
dass der Ausdehnungsbezirk dieser „Schwarzwasser" ein 
viel grösserer ist, als der, den uns Humboldt bezeichnete. 
Richard Schomburgk schreibt darüber: „Nach den Er- 
fahrungen, die wir eben sowohl am Takuta, wie am Rupununi, 
dem Demerara, wie Barima, in Bezug auf die Färbung ihrer 
Quellwasser gemacht haben, scheinen fast alle Gewässer 
Guayanas diese auffallende Eigentümlichkeit zu besitzen, und es 
steht demnach wohl zu erwarten, dass sich diese auch bei 
denen des Orinoko herausstellen wird. Alex. v. Humboldt 
beschränkt diese merkwürdige Thatsache auf die Länder- 
strecke zwischen der fünften nördlichen und zweiten südlichen 



') Wied-Neuwied, I. Teil S. 228. ^^)u,^^) Wied-Neu^ 
wied, „Reise etc. etc."; I. Teil S. 301. ") Spix und Martins, III. 
Teil S. 1351. *) Robert Schomburgk war 1835— 1838 allein, 
1840— 1844 mit seinem Bruder Richard in Süd- Amerika thätig. 
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— 4 — 

Breitenparallele, aber die Quellwasser des Barima sind, ob- 
schon sie viel nördlicher liegen, doch noch eben so schwarz, 
als die des Takutu und Rupununi/'^) 

Mit dem Jahre 1853,^) als die Amazönas-Dampfschifirahrt eröffnet 
wurde und dadurch auch die Erforschung des Amazonas und seiner 
gewaltigen Zuflüsse mehr ermöglicht war, wurde unsere Kenntnis über 
die grosse Ausdehnung der sogenannten Schwarzwasserflüsse noch 
bedeutend mehr gefördert. „Eine ganze Anzahl Amazonastributäre, 
wie z. B. der Tapajoz und verschiedene Puruszuflüsse'*, schreibt Ehren- 
reich,*) „zeigen in dicker Schicht tintenschwarze, in dünner hellbraune 
Färbung^ die übrigens den Geschmack des Wassers durchaus nicht alteriert/' 
Namentlich aber wurde durch die Reisen Bates', Chandless', Av6 
Lallemant's, welche zahlreiche andere Schwarzwasserflüsse entdeckten, 
unser Wissen über das Ausdehnungsgebiet dieser Gewässer auf dem 
südamerikanischen Kontinente bedeutend erweitert. 

Die einzelnen Schwarzwasserflüsse werden wir jedoch erst später 
kennen lernen, ebenso ihre Erforscher. Es muss aber hiezu im vor- 
aus schon bemerkt werden, dass nur die dem Dampfer verkehr zu- 
gänglichen genügend bekannt sind und dass wir von einer ganzen An- 
zahl selbst bedeutender Flüsse kaum mehr wissen als ihre Mündung. 

Zuvor aber soll uns noch, da, wie Schichtel treffend sagt, , jedes 
Fluss-System die Funktion des Bodenreliefs und der Niederschlags- 
Verhältnisse ist",*) in den nächsten Abschnitten die Topographie, die 
Geologie und die Meteorologe dieser Flussgebiete beschäftigen. 

A. Geographiseh^geologisehe Situation. 

Die schwarzen Ströme Südamerikas liegen mit kaum 
nennenswerten Ausnahmen auf der grossen „Brasilianischen 
Masse", die sich als eine alte geologische Bildung vom 
Orinoco - Apure im Norden bis zum Uruguay im Süden 
erstreckt.^) Seit der Faltung ihrer archäischen Grund- 
gesteine hat diese gewaltige „Masse" keine Störung in der 
Lagerung ihrer Gesteinsschichten mehr erfahren, und selbst 
die devonischen und karbonischen Ablagerungen, also For- 
mationsgruppen sehr hohen Alters, liegen ungestört über 



*) Schomburgk Richard: II. Teil S. 102. ^) Ehrenreich, 
(Verh. d. Ges. f Erdk. z. Berlin, B. 16 Jahrg. 1889 S. 156. *) Ebenda 
S. 160. *) Schichtel, „der Amazonenstrom", Strassburg 1893 S. 4. 
*) Suess, Eduard, „Das Antlitz der Erde," Prag und Leipzig 1883. ff. 



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— 5 — 

dem stark gefalteten Grundgebirge. ^) Doch da dieses grosse 
Gebiet topographisch in mehrere Teile zerfällt, so wollen 
wir, um Wiederholungen zu vermeiden, sogleich die einzelnen 
Glieder für sich behandeln. 

I. Das Bergland von Brasilien. 

Dieser Teil der „Brasilianischen Masse" liegt südlich des Ama- 
zonas und östlich des Madeira. Die vertikale Gliederung dieses Berg- 
landes ist den hydrographischen Verhältnissen entsprechend eine höchst 
einfache. Das dureh den Paranä, den Paraguay und die Amazonas- 
tributäre reich bewässerte Binnenland ist grösstenteils flach ^) und nur 
allmählich erhebt sich dasselbe nach der Küste zu, um dort ein über 
300000 O km. umfassendes Küstengebirge zu bilden, das, obwohl je 
nach den einzelnen Gebirgskämmen verschiedenartig benannt, doch 
fast in allen seinen Teilen zusammenhängt und sich bei einer mittleren 
Höhe von 300—700 m von der Nordküste herab bis nach Uruguay 
hinein erstreckt. ') Der am Meere hinstreichende Gebirgsrücken ist in 
seiner grössten Ausdehnung unter dem Namen Serra Geral bekannt.*) 
In der Provinz Rio de Janeiro tritt derselbe in Verbindung mit der 
von Norden her kommenden Serra Espinha^o, welche in ihren^üdlichen 
Teilen auch Sera da Matiqueira genannt wird und den bedeutendsten 
Gebirgsrücken Brasiliens bildet, der sich in seinen höchsten Punkten 
fast bis zu 3000 m erhebt. ^) Der Gipfel des Itatiaya erhebt sich 
z B. 2994, der Lapa 2650, der Picos de Sao Matheo 1880 und 
der Itacolumy 1750 m über das Meer.*) Der ganze Gebirgszug 
zeigt namentlich am Ostabhange landschaftlich herrliche Reize und ist 
dicht bewaldet. Da wir nun nicht näher auf die Topographie dieses 
Gebirgsrückens, der übrigens noch zu den besterforschten Teilen Brasiliens 
gehört, eingehen können, so weisen wir auf die einschlägigen Reise- 
berichte eines Tschudi, ') Spix und Martins/) Bescheren/) 



*) Vgl. z. B. die zusammenfassende Darstellung von Sievers, Wilh. 
„Amerika"; Leipzig und Wien 1894 S. 59. ^) Vogel, P. „Reisen 
in Mato Grosso 1887/88''; Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu 
Berlin 1893 N. 4. S. 243. ') Vergl. : Kletke, Berlin 1857 S. 435 mit 
438. *) Sievers, „Amerika", S. 63. *j Kletke, „Reise des Prinzen 
Ad albert von Preussen^', Berlin 1857 S. 435 mit 458. *) Vergl. 
Petermann: Süd Amerika in 6 Blättern. St iel er 's Hand-Atlas N92. 
') Tschudi „Reisen durch Brasilien" Leipzig 1889 2. Bd. ") Spix 
u. Martins, „Reise in Brasilien in den Jahren 1817 bis 1820. HI. Bd., 
München 1823, 1828. *) Beschoren, „Beiträge zur näheren Kennt- 
nis der brasilianischen Provinz Säo Pedro do Rio Grande do Sul", Pet. 
Ergänz.-Bd. 1889—90 N. 96. 



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Hettner/) Lange,*) Breitenbach*) Av^-Lall emant/) Prinz 
zuWied-Neuwied*) etc. hin. Das Bergland des Innern, welches keinen 
hervorragend hohen Punkt aufweist, wird Serra dos Vertentes. d. h. 
Quellengebirge genannt, weil auf ihm die Wiegen vieler südlicher 
Nebenflüsse des Amazonas und vieler Zuflüsse des Paraguay und 
Paranä liegeh. *) Es ist ein 450 m hohes Tafelland mit aufgesetzten 
Tafelbergen und tiefen Flusseinschnitten. ') Nach Norden, Westen und 
Süden fällt die Hochebene zum angrenzenden tieferem Gebiete in Stufen 
ab, welche die zahlreichen Wasserfälle erzeugen, durch die die Schiffahrt 
in das Innere beschwerlich gemacht, ja sogar oft verhindert wird.*) 
Im ganzen schneidet die Linie der Wasserfälle, entsprechend dem 
Stufenabfall des Tafellandes, im Norden den Tocantin in 3—4°, den 
Tapajoz in 4-5", und den Madeira in 8—9" s. Breite.*) Von Süden 
aus erscheint das Gebiet als Gebirge mit zerklüfteten, steilen Gehängen 
und Wänden. **) Die Binnenplateaux (chapadas) sind entweder nur mit 
Steppengras bedeckt oder mit niedrigem Gehölz, sogenannten „Caatingas" 
bestanden.**) Dieselben sind überall kulturfähig und im ganzen gut 
bewässert; nur im Nordosten des Landes trifft man ausgedehnte 
wasserarme, mit dürren Wäldern bestandene Ebenen, sogenannte 
„sertöes'i welche sich nicht zur Kultur eignen und sich nur vorübergehend 
während der Regenzeit mit frischem Grün bedecken. Auffallend kon- 
trastieren mit diesen die mit ewig grünem Urwald (mato virgem 
d. h. jungfräulicher Wald) bedeckten Thäler der zahlreichen Flüsse und 
Bäche und verleihen den sonst so öden, einförmigen Plateaux einige 
Abwechslung und einigen Reiz. '^) 

Welche Formen die Denudation aus der kontinuierlichen Decke 
herausgearbeitet hat, zeigt die anschauliche Schilderung Eh re n r e i c h s **) 
Er sagt : „Die Denudation hat die ursprüngliche Ebene in ein System 
übereinander gelagerter Terrassen verwandelt, deren Ränder, gemeinhin 



') Hettner, A., „Das südliche Brasilien", Zeitschr. der Ges. f. 
Erdk. zu Berlin 1891, S. 85. ^) Lange, H-, „Südbrasilien", 2. Auflage 
Leipzig 1888. ') Breitenbach, „Die Provinz Rio Grande do Sur* 
Sammlung von Vorträgen von Frommel u. Pf äff. *) i. Ave- 
Lallemant, Reise durch Nord -Brasilien*', 2. Bd. Leipzig 1860. 
2. Av6-Lallemant, „Reise durch Süd-Brasilien,'* 2. Bd. Leipzig 1859. 
*) Neuwied, Frankfurt a. M. 1821. •) Sievers: „Amerika", S. 67 
u. 68. ') Clauss, Pet. Mittig. 1886 S. 130: „Bericht über die Schingü- 
Expedition im Jahre 1884". (Mit Karte.) ') Vergl. S ie v ers, „Amerika" 
S. 67-71. •) Suess, „Antlitz der Erde" S 656. **») Sieve r s „Amerika" 
S. 68. ")Griesebach: „Die Vegetation der Erde S. 398. **) Sievers 
„Amerika" S. 201 u. 202. '^) Ehrenreich: Zeitschr. d. Ges. f Erdk. 
z. Berlin 1891, S. 171. 



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mit dem ganz unpassenden Namen von Serras (Bergzügen) belegt und 
demgemäss auf den neuesten Karten als solche dargestellt, bald in steilen 
zerklüfteten Wänden, bald in sanften Gehängenabfallen. Besonders auffällig 
zeigt sich die Denudationswirkung in der Abtrennung zahlreicher kleiner 
Plateaux von der Hauptmasse. Solche isolierte Erhebungen erscheinen 
teils als langgestreckte bastionartige Wälle, teils als mächtig aufragende, 
mittelalterlichen Burgen ähnliche Tafelberge. Sie umgeben entweder die 
Terrassenränder, namentlich den westlichen Hauptabfall zum Thal des 
Cuyaba, wie die vorgeschobenen Forts einer Festung, oder erheben sich 
völlig zusammenhanglos mitten aufder Hochebene selbst." Charakteristisch 
ftir das Plateau sind auch dessen Quellbecken. „Dieselben sind", schreibt 
Clauss, * „muschelförmig in das Tafelland eingesenkt; ihr grösster 
Durchmesser kann 20 km betragen. Die Ausflussmündung ist verhältnis- 
mässig eng,so dass das Becken allseitig umschlossen zu sein scheint; zu beiden 
Seiten der Öffnung fällt das Plateau steil ab, das übrige Gehänge ist 
rings sanft geneigt. Von diesem fliessen die Wasseradern zusammen 
und vereinigen sich zu 40—50 m breiten Flüssen. Dieselben durch- 
schneiden dann das Plateau in 2— 3 km breiten Erosionsthälern. Auf 
der Wasserscheide der dicht aneinander gereihten Becken stehen gewöhn- 
lich Tafelberge, als Überreste einer allseitig arbeitenden Erosion. Die 
Höhe derselben beträgt ungefähr 80 m; sie sind wegen ihrer steilen 
Wände sehr schwer zu besteigen. Oben auf der horizontalen Fläche 
dieser Berge steht wieder der kümmerliche Plateauwald. Der Rund- 
blick von der Höhe orientiert eigentlich nur über die beiden Nachbar- 
becken, auf deren Wasserscheide sich der Berg befindet.'* Herrliche 
und eingehende Berichte über die Topographie dieses Gebietes geben 
uns namentlich noch Vogel,^) Karl von den Steinen, '') 
Severino da Fonseca,*) Castelnau*) u. s. w. 

Ebenso einfach, wie die Oberfläsche dieses Berglandes gestaltet 
ist, sind auch die geognostischen Verhältnisse, wenigstens soweit dieselben 
bisher bekannt geworden. Das ganze Küstengebirge, welches unter 
dem Namen einer Serra do Mar zusammengefasst wird, gehört derUr- 
gebirgstormation an und ist gefaltet. Gneis, Granit und verschiedene 
Urschieferarten bilden die Grundlagen des Gesteins.') In der derselben 
Formation angehörenden Serra do Espinhaco, zumal an dem weiter 
oben genannten Berge Itacolumi in der Provinz Minas Geraes, tritt 



') Clauss: Pet. Mit. 1886. S. 131. ') Vogel, Zeitschr. der 
Ges. f. Erdk. z. Brl. Nr. 3 u.4, Jhrg 1893. ') Steinen, K. v. den: 
„Durch Central-Brasilien^ Leipzig 1886. *) Fonseca, „Viagem ao 
redor do Brazil'^ Rio 1881. *) Expedition dans les parties centrales 
l'Am^rique du Sud", Histoire du voyage. Paris 1850 Bd I. 
•) Fötterle, Pet. Mittig. 1856 S. 189. 



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dann auch ein elastisch biegsamer Glimmerschiefer auf, den man nach 
seinem Fundort Itacolumit genannt hat. *) Er kommt übrigens auch 
auf der Serra do Mar und in Verbindung mit Talk und Eisenglimmer- 
schiefer oder Itabirit noch an vielen Stellen des binnenländischen Hoch- 
plateaus vor. ^) Auch in Rio Grande do Sul ist nach Beschoren") 
und Hettner*) das Küstengebirge noch die Fortsetzung der archäi- 
ischen Sa do Mar; ja selbst in Uruguay treten die Ausläufer dieses 
alten Gebirgszuges noch zu Tage. Hettner schreibt:*) „Der südöst- 
liche Teil von Rio Grande besteht, ebenso wie der grössere östliche 
Teil von Uruguay, wesentlich aus archäischen Gesteinen, Granit, Gneis, 
Glimmer, Hornblende, Chlorit, Thonschiefer und krystallinischem Kalk, 
die nur an vereinzelten Stellen von jüngeren Schichtgesteinen überlagert 
oder von Basalt durchbrochen werden. Die archäischen Gesteine mögen 
das letzte Ende des mittelbrasilianischen Faltengebirges bilden, welches 
hier aber seinen eigentlichen Gebirgscharakter ganz verloren hat. 
Ebenso wie dort an der Küste eigentliche archäische Gesteine beginnen 
und nach Westen etwas jüngere Schiefer folgen, so hat Sellow an den 
Ufern des La Plata eine ältere östliche und eine jüngere westliche 
Gesteinszone festgestellt." *) 

Das Innere des Berglandes von Brasilien gehört nicht allein der 
Urgebirgsformation^ sondern teilweise auch dem* Uebergangsgebirge 
an, und zwar weniger der Gesteinsbeschaftenheit , als der Fossilien 
wegen, die daselbst gefunden werden. *) Unbestimmt aber ist es noch, 
welchen geologischen Zeitaltern die mächtigen Sandsteinablagerungen 
entsprechen, die sowohl im Norden, in den Provinzen Maranchäo und 
Piauhy, als auch im mittleren Brasilien, in Mato Grosso und Goyaz und 
sogar im äussersten Süden auf grossen Flächen vorkommen. Dieselben 
enthalten keine Fossilien und lagern meist über Thonschiefer, der 
wieder selbst das Urgestein bedeckt. ®) Die Meinungen über das Alter 
dieser Sandsteindecke gehen auseinander. Die Mehrzahl der Forscher, 
die den Sandstein des bras. Berglandes in der Natur schon gesehen, 
stellen ihn seines petrographischen Charakters wegen zum „old red", 
wie V. Eschwege, v. Helmreichen, v. Castelnau. Bei dem Fort 

') „Physikalische und geologische Forschungen im Innern Brasi- 
liens" V. J Chr. Heusser u. Claraz, Pet Mittig. 1859 S. 447 u. 
453 "") Fötterle, „Die Geologie v. S. A." Pet. Mittig. 1856 S. 190. 
') B esc hören, „Rio Grande do Sul" Pet. Erg.-Hft 1889/90 Nr. 96. 
*) Hettner, „Das südl. Brasilien". (Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. 1891 
S. 91.) ^j Ebenda: S. 91. *) Siehe auch: „Bu rm eister's Reise in 
Uruguay" 1856, Pet. Mittig. 1857. ') Ammon, L. v., Devonische 
Versteinerungen aus Mato Grosso," Zeitschrft. d. Ges. f Erdk. z. Brl. 
1893 Nr. 5 S 352. **) Suess, Eduard, „Das Antlitz der Erde" S. 657. 



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- 9 - 

do Principe do Beira am Guapore trifft jedoch die Bestimmung d'Or- 
bigny's von Kohiensandstein mit demselben zusammen; in der Provinz 
Piauhy und Maranhäo, beschrieben von Spix und Martins, soll er 
jedoch zum Quadersandstein gehören. Demnach wird wohl der Sand- 
stein auf dem bras. Berglande nicht überall gleichalt erig sein, und schon 
die grosse Lücke zwischen der O.-Sandsteindecke (S. Franzisko-Tocantius) 
und der Westsandsteindecke (Mato Grosso und Goyaz) dürfte, sagt 
Schichtel/) „eher eine Andeutung sein, dass wir es hier mit äusserlich 
ähnlichen, genetisch aber verschiedenen Bildungen zu thun haben." 

Nach Süden fällt die Sandsteindecke steil zur Niederung des 
Guapore, des Paraguay und des Cuyaba ab. Dieser Plateau-Absturz 
bildet die Wasserscheide zwischen Tapajoz und Xingü einerseits und 
dem Guapore- und Paraguay-System andererseits.^) Nach Westen zu 
geht die Sandsteinzone allmählig in die Madeira-Platte über; wie weit 
sie sich aber in der Richtung des Tapajoz und Xingü nach N. erstreckt, 
ist noch unbekannt, weil wir in dem ganzen weiten Gebiete zwischen 
Araquay im O. und dem Madeira im W. nur die Hauptflussläufe kennen, 
die sich schon sehr frühzeitig im Urgebirge bewegen. Der Tocantins- 
Araguay ist nach Castelnau und Ehrenreich schon unter 15 V2® 
S. B. in Gneis und kristallinische Schiefer, der Xingü unter 13V2" S. B. 
nach Claus s, Vogel, von den Steinen in Granit der Arinos nach 
Chandless unter 11® 38' S. B. ebenfalls in Granit und der Madeira 
nach Keller-Leutzinger unter 10" 58' S. B. in Gneis eingebettet. 

Wo das Urgebirge im Berglande von Brasilien nicht von der er- 
wähnten Sandsteindecke überzogen ist, ist es meist von Diluvium be- 
deckt, das grösstenteils aus Verwitterungsprodukten der archäischen 
Gesteine besteht. Dieses angeschwemmte Gebirge ist die Fundstätte 
von Diamanten und Gold, auf deren Verbreitung und Ausbeute wir 
nicht näher eingehen können. Wir weisen deshalb auf die Werke von 
Eschwege,') Helmreichen,*) Clemenijon hin,^) die darüber in 
eingehender Weise Auskunft geben. 

Am Nordrand des bras. Berglandes sind dem Urgebirge nach 
Norden einfallende Thoschiefer aufgelagert, deren Alter am Tocantins 
nach Castelnau devonisch sein soll. Da das Devon auch westlich von 
Monte Alegre auf der Südseite des Amazonas mitten aus den Alluvionen 



') Schichte!, „Der Amazonenstrom" S. 18. — Vergl. auch: 
Suess: „Das Antlitz der Erde"; S. 657. *) Clauss, Pet. Mittig. 1866 
S. 130. ■) Escbwege, W. v., „Pluto Brasiliens". Berlin 1833; — 
„Brasilien, die neue Welt"; Braunschweig 1830, II. Tl. *) Helm- 
reichen, V., „Ueber das geognostische Vorkommen der Diamanten etc. 
Weimar 1846. **) Giemen Qon, „Considerations abr6gees sur la Geognosie 
du District des Diamants du Brasil", Lyon. 



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— lo — 

des genannten Stromes hervortritt, *) so dürfte diese Formation einst 
zusammengehangen haben mit der gleichen devonischen Bildung im 
Norden des Amazonas, die längs einer silurischen Zone dort gegen W. 
bis an den Uatuma, einen kleinen Fluss zwischen Trombetas und dem 
Rio Negro, hinstreicht. Auch Carbonablagerungen sind am Nordrande 
des bras. Berglandes gefunden worden, namentlich am Tapajos, und 
sie breiten sich nach S u e s s wahrscheinlich vom Tocantins bis zum 
Madeira aus.*) Da wir auf diese palaeozoischen Zonen später noch 
zurückkommen, so sehen wir von einer näheren Erörterung vorerst ab 
und betrachten nun zunächst die „brasilianische Masse" im Norden des 
Amazonas. 

II. Die „bras. Masse" nördlich vom Amazonas. 

Das ganze Gebiet am mittleren und oberen Rio Negro, am Ata- 
bapo und Cassiquiare ist nach Wallace ein breites Granitgebiet, das 
sich durch seine Söhligkeit (Horizontalität) auszeichnet '') Diese Eben- 
heit erklärt uns sofort die geringe Strömung und die zahlreichen Bitur- 
kationen und Stromvermischungen der dortigen Gewässer. Von einer 
scharf ausgeprägten Wasserscheide zwischen Rio Negro- und Orinoco- 
system, wie sie Humboldt*) glaubte annehmen zu müssen, kann 
daher nicht die Rede sein, denn am oberen Ynirida, Guainia und Yaubes 
bilden nur gruppenweise Erhebungen die wasserscheidende Schwelle, 
während tiefe Thäler eine Vermischung der dortigen Gewässer, nament- 
lich zur Regenzeit, bewerkstelligen. ^) Höhenmessungen über einzelne 
Punkte in diesem Gebiete sind uns von Humboldt, Wallace, Monto- 
lieu etc. gegeben,*) allein dieselben sind so abweichend von einander, 
dass wir sie lieber nicht anführen, da sie mehr verwirren, als förderlich 
sind. Im grossen und ganzen erhebt sich das ganze erwähnte Gebiet 
nicht viel über 300 m über das Meer und nimmt von Westen nach 
Osten allmählig an Höhe zu. Zugleich wird es im Osten des Rio 
Negro von einer Sandsteindecke überlagert, wodurch die Landschaft 
ein ganz anderes Aussehen als am Guainia, Yaubes und Ynirida erhält. 
Diese Sandsteindecke führt uns auch zugleich auf die Betrachtung des 
eigentlichen Berglandes von Guayana, das ebenfalls „das Mutterhaus" 
zahlreicher schwarzer Ströme ist. 

Schon die Serra Imeri und die Serra Tapiira peco, die westlich- 
sten Ausläufer der Serra Parima, gehören nach den Ergebnissen der 



*) Suess; „Anüitz der Erde"; S. 659 BcJ. II. ^) Ebenda S. 659 
*) Wallace: „Travels on the Amazon and Rio Negro*' 421. ff. S. 
*)Humbdt. etc.: „Ansichten d. Natur". S. 27. ^) Deutsche Rundschau, 
Heft 4, S. 176. *) Schichtel, „Der Amazon^nstrom" S. 21. 
TiU 



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— II — 

bras.-venez. Grenz kommission der Sandsteinformation Guayanas an. ') 
Lange, mit schwarzem Wald bedeckte Bergzüge von teils runden? 
Formen, teils schroffen Felsen, bilden diese Gebirgslandschaft zwischen 
Orinoco- und Rio Negro-System.^) Vom Pacaraima-Gebirge schreibt 
Rieh. Schomburgk,') dass es ein kahler Gebirgszug sei, der von 
Westen nach Osten streiche und bis zu 600 m Höhe habe. Nach den 
Berichten der bras.-venez. Grenzkommission besteht es aus scheinbar 
regellos durcheinandergeworfenen Höhenzügen und hat in seinen 
höheren Teilen Savannen-Charakter. *) Coudreau bestätigt das. ^) 
Östlich vom Rio Branco bis zum Essequibo liegt mit südlicher Streich- 
richtung die Sa. da Lua oder das Mondgebirge, „ein breiter Gebirgszug 
von starken Schluchten durchschnitten und in ebenso viele besondere 
Massive getrennt." *> Diese erwähnten Höhenzüge bilden nun vom Rio 
Negro bis zum Essequibo die Hauptwasserscheide zwischen dem Ama- 
zonassystem im Süden und dem Orinoco- und Essequibosystem im 
Korden. Unterbrochen wird diese Wasserscheide nur zwischen dem 
Mahn und dem Rupununi, auf einem flachen Granitgebiet, wo zur 
Regenzeit eine Wassermischung zwischen diesen zwei letztgenannten 
Strömen stattfindet. ') Südlich der Hauptwasserscheide, zwischen Rio 
Negro im Westen und Trombetas im Osten bis zur Amazonasrinne im 
Süden, ist das Gebiet wenig erforscht. Nur einzelne Flussläufe sind 
bekannt, und diese meist nur oberflächlich. In geologischer Beziehung 
ist auch hier die Sandsteinformation vorherrschend, die dem Medina- 
Sandstein der Niagaragruppe in Nordamerika entsprechen und ober- 
silurisch sein soll. Ausserdem kommt das Devon hier in beträchtlicher 
Entwickelung vor und zwar längs der genannten silurischen Zone gegen 
Westen bis zum Uatuma, einem kleinen Fluss zwischen dem Trombetas 
und dem Rio Negro. *) Das Gebiet nördlich der genannten Hauptwasser- 
scheide wurde durch Brown,") Thurn*®) und Schomburgk*') bereist, 
gleichwohl aber kennt man auch dort nur die Flussläufe und darüber 
hinaus nur einige Routen. Auch hier lagert über dem alten Urgebirge die 
schon erwähnte Sandsteindecke, die M a r t i n ^^) für. cretacisch, gleichalterig 
mit den aufgefalteten cretacischen Sandsteinen der Cordillere von Merida 



') Zeitschrft. d. Gesellsch. f. Erdk. z. Brl. 1887 S. 3. ') Ebenda 
S. 3. ■) Schomburgk, Rieh.; „Reisen in Britisch-Guayana." Bd. I. 
S. 381; Bd. II S. 189. *) Zeitschrft. d. Gesellsch. f Erdk. z. Brl. S. 4. 
*) La France equinoxiale Bd. II S. 7. *) Sievers „Amerika" S. 74^ 
') Rieh Schomburgk, Bd. 1 S. 393. ®) Suess; „Das Antlitz d. Erde;" 
S. 659. •) Proceedings of the R. G. S. of London; Vol. XV. No. 2. 
"j Thurn und Perkins; Proc R. G. S. 1885 m. Karte. **) Rieh. 
Schomburgk; „Reisen in Britisch-Guayana,'* II. Bd. Leipzig 1847. 
") Martin; „N iederland.- Westindien" , Leiden 1888 Bd. IL S. 208. 



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— 12 — 

hält. Der Landschaftscharakter ist hier ebenfalls ziemlich gleichartig. 
„Am meisten", schreibt Sievers,*) „fällt der Wechsel weiter Thäler 
und in Tafelberge aufgelöster Höhenzüge auf, die auch noch dadurch 
einen Gegensatz in die Landschaft bringen, dass sie bewaldet sind, 
während die breiten Thalgründe meist von Savannen eingenommen 
werden, die dann wieder durch Waldstreifen längs der Flussufer unter- 
brochen sind. Auf den Savannen stehen nur vereinzelte Bäume, während 
kurzes Gras den Boden bedeckt, der stellenweise auch ganz von Vege- 
tation entblösst ist. An anderen Stellen sind die Savannen mit den 
Bauten einer Termite in Form einer 2 m hohen Pyramide bedeckt, 
und hier und da weiden Heerden von Rindern und Pferden. In der 
Regenzeit bilden die Savannen weite Überschwemmungsgebiete, über 
die man von der Nordküste nach dem Amazonas gelangen kann. 
Wahrscheinlich ist dadurch die Mythe von dem grossen See Parima 
entstanden, in dessen Fluten sich der Dorado waschen sollte." 

Da im Westen des Essequibo die gewaltigen Sandsteinauflage- 
rungen, welche im Osten davon noch nicht gefunden wurden, besonders 
hervortreten, so kann dieser Strom als eine geologische Scheidelinie 
gelten, die eine Zweiteilung Guayanas in dieser Beziehung bedingt. 
Aber auch in orographischer Hinsicht ist der Essequibo eine Scheide- 
linie. Er bildet die Grenze zwischen dem höheren venezolanischen 
Westen und dem niedrigeren, europäischen Nationen gehörenden Osten. 

Wie oben erwähnt, fehlt im Osten des Essequibo die grosse 
Sandsteindecke und die alte archäische Masse tritt wieder zu Tage. 
Auch in diesem östlichen Teile ist die Hauptwasserscheide nach Süden 
verschoben, ja sie liegt sogar 3 Breitengrade dem Äquator näher, als 
die westliche. Sie beginnt als Sa. Acarai am Essequibo und zieht 
zuerst in nordöstlicher Richtung bis zu den Quellen des Corentyn.^) 
Auf dieser Strecke ist sie einmal unterbrochen, indem im Quellgebiet 
des Trombetas zur Regenzeit eine Verbindung (Bifurkation) zwischen 
Essequibo und Trombetas möglich ist.') Nach Schomburgk*) ist 
dieser Teil von geringer Höhe und dicht bewaldet. Östlich des Coren- 
tyn bildet die Wasserscheide das Tumac-Humac-Gebirge, das Cre- 
vaux^) und Coudreau") zum Teil bereist haben. Dieser Gebirgszug 
besteht aus drei mehr oder minder mit einander und mit der Küste 
gleichlaufenden und deutlich nach Ostsüdost gerichteten Hauptketten, 
welche insgesammt etwa eine Länge von 300 km, eine Breite von 

*) Sievers „Amerika". S. 72. ^) Siehe die Karte von „Britisch- 
Guayana", Rieh. Schomburgk. I. Tl. ^) Coudreau, Bd. II S. 271 
u. 290. *) Rieh. Schomburgk, Bd. II S. 475. ^) Crevaux, „voyages 
dans d'Amerique du Sud/' Paris 1883. •) Coudreau, Bull. S. G. 
Paris 1891 S. 447 ff 



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- 13 — 

loo km und einen Flächenraum von 30000 qkm haben. Die grösste 
(absolute) Höhe übersteigt nicht 800 m und steigt allmählig von Osten 
nach Westen an.*) Nach Velain') ist es ein breiter Granitzug, der 
dicht bewaldet ist. . , 

Südlich von dieser östlichen Hauptwasserscheide bis zum Ama- 
zonas-Alluvialland besteht das Gebiet aus flach einfallenden Thonschie- 
fern, Sandsteinen und Graniten. *) Es sind dies dieselben geologischen 
Schichten, die wir auch südlich der westlichen Hauptwasserscheide zum 
Teil erwähnt haben und die also ununterbrochen fast bis zur atlanti- 
schen Küste reichen. Am Trombetas und an den kleinen Flüssen 
zwischen Trombetas und Paru fand Derby*) auch fossilführende 
Schichten , die anscheinend den versteinerungslosen Schiefern , die 
Crevaux am Yary und Paru fand, aufgelagert sind. Selbst Carbon- 
ablagerungen fehlen hier nicht. '^) Diese streichen an der Nordseite des 
Amazonas gegen Osten wenigstens bis Prainha, erreichen bei Alemguer 
das Strombett selbst und erstrecken sich gegen Westen auch bis min- 
destens an den Uatuma. 

Das Gebiet nördlich der östlichen Hauptwasserscheide senkt sich 
langsam zum Atlantischen Ozean. S i e v e r s schreibt darüber : „Die 
inneren Teile von Französisch-Guayana liegen etwa aoo— 400 m hoch 
und stellen sich als ein ebenes Land mit zerstreuten Gipfeln dar, die 
800 m nicht übersteigen, während die der Küste näheren Landschaften 
auch in ihren Spitzen 400 m nicht mehr erreichen und im Ganzen nur 
100—200 m hoch liegen. Über das südliche Niederländisch - Guayana 
wissen wir nichts näheres, über den Südosten von Britisch-Guayana 
wenig, doch darf man annehmen, dass auch hier ein langsamer Abfall 
des Landes von der Wasserscheide nach den Atlantischen Ocean statt- 
findet. •) Nach Joe st jedoch ist der Übergang vom Hochland in das 
alluviale Küstengebiet in ganz Guayana ein ziemlich unvermittelter, ') 
was auch schon daraus hervorgeht, dass wir bei allen mächtigen 
Flüssen dort, die im Hochland entspringen, um in nördlicher Richtung 
nach dem Atlantischen Ozean zu strömen, den Lauf in ziemlich gleicher 



*) Deutsche Rundschau, Wien, Jahrgang 1894. S. 270. ^) Es- 
quisse, geol. de la Guyane francaise et des bassins du Parou et Jary, 
Bull. Soc. Geogr. 7. Ser. T. 6. 1885. S. 453. ') Crevaux, Voyages, 
S. 205. *) Derby, Contribution to the Geology of the lower Amazonas. 
American Philos. Soc. Vol. 18. 1878— 1880. S. 155 ff. **) Suess „Ant- 
litz der Erde*'. Bd. II S. 659. •) Sievers „Amerika". S. 74. 
^) Joest W.; „Guayana im Jahre 1890." (Verhandig. d. Ges. für Erdk. 
z. Brl. Bd. 18 S. 391.) 

610873 



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- 14 - 

Entfernung von der Küste durch Wasserfälle und Stromschnellen unter- 
brochen finden. Das Küstenland selbst liegt beinahe tiefer als die 
Niveaufläche des Meeres bei Hochflut und täglich sieht man hier, durch 
die 12 Stunden dauernde Flut heft*vorgerufen, die Ströme 15—20 Meilen 
stromaufwärts fliessen. *) Nach den Reiseberichten Schomburgk's, 
Kap 1er s und Joest's ist dieses Gebiet von Urwald und Savannen 
bedeckt und der ganze Verkehr ist dort auf den Wasserweg angewiesen. 
Das Materiel zu den mächtigen Anschwemmungen wurde grösstenteils 
durch die Küstenströmung von der Amazonasmündung hergetragen ; ^) 
allein auch die Ströme Guayanas liefern nach J o e st, zumal zur Regen- 
zeit, dem Meere ebenfalls ganz unberechenbar viel Erdmassen. *) Diese 
Sedimente wurden dem Golf von Darien zu abgelenkt, *) wodurch eine 
eigentümliche Küstenbildung entstand, die Supan als eine Ausgleichs- 
küste bezeichnet.®) Ob diese Alluvialbildung an der Küste Guayanas 
immer noch wächst, muss durch eingehende Forschung erst noch fest- 
gestellt werden, zumal Joest an einzelnen Orten daselbst ein Zurück- 
weichen des Festlandes zu bemerken glaubte; *) doch dürften diese ein- 
zelnen von Joest betrachteten Fälle vorerst mehr auf Sackung oder 
auf andere mechanischen Veränderungen , als auf säkulare Senkungen 
zurückzuführen sein. 'J 

III. Die Amazonas-Niederung. 

Treffend hat Derby*) das ungeheure Thal des Amazonas mit 
der Gestalt einer Flasche verglichen: Der Hals der Flasche ist die 
grosse Mulde, die zwischen dem Berglande von Brasilien und dem 
Hochlande von Guayana liegt; die Seitenwände werden gebildet durch 
die Bodenanschwellungen, die zwischen Amazonas- und Orinocosystem 
einerseits understerem und Paraguaysystem andererseits liegen; den Boden 
der Flasche endlich bilden die Ost-Cordilleren Peru's und Ecuador's. Von 
Westen nach Osten senkt sich diese gewaltige Niederung auf einer 
Strecke von 3000 km kaum 180 m,*) also nur ungefähr 0,04 m per km. 



') Hann, Klimatologie S. 368. *) Hermann Wagner, „Lehr- 
buch der Geographie ," Hannover u. Leipzig 1900 S. 414. *) Joest^ etc., 
Verhandig. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. Bd. 18 S. 393. *) Sievers „Ame- 
rika", S. 45. ^) Supan, Grundzüge der phys. Erdk. S. 578. ®) a.a.O. 
S. 395 ') Sievers, „Amerika^ S. 333. ®) Derby, phys. Geogr. 
u. Geol. Brasiliens. ") Sievers, „Amerika"; S. 81. 



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— ^5 



Einige Höhenmessungen sind von W. nach Ost: 




Ort 


Spixu.Martius*) 


Orton V 


Reissu.Stabel») 




m 


m 


m 


Pebas 




JO5 




S. Antonio 




78 




Loreto 






44 


Mündung d. Javary 


205 


77,6 


56 


S Paulo d. Olivenza 


202 






Tocantins 




42 




Fönte Boa 


195 






Egas (Teff6) 




30 


46 


Manaos 


170 


60 


34 


Serpa 




48 




Obidos 


136 


34,8 


20 


Santarem 


112 


32,6 




Gurupa 


82, 


11,6 





Bei den obigen Zahlenreihen fällt sofort die erhebliche Differenz 
zwischen den Messungen von Orton und Stübel-Reiss einerseits 
und den Beobachtungen von S p i x und M a r t i u s andererseits auf, 
ferner bei den Messungen O r t o n s und Stübel-Reiss' die Zunahme 
der Höhenzahlen an verschiedenen Stellen mit fallendem Fluss. Schuld 
an diesen abweichenden Resultaten ist ohne Zweifel das habituelle 
Luftdruckminimum am oberen Amazonas, das schon H e r n d o n bei 
seiner Thalfahrt konstatierte *) 

Bedeutender als der Abfall von W. nach O. ist die Senkung der 
Amazonastiefebene vom Berglande von Guayana aus zur Stromrinne 
des Amazonas. Die Niederung fällt hier auf einer Strecke von unge- 
fähr 600 km fast 150 m. Nach Coudreau^) liegt z. B. die Konfluenz 
der beiden Quellflüsse am oberen Trombetas 132 m, der Wasserfall 
Porteira 28 m und Oriximina 15 m über dem Meere. Weiter im 
Westen ist dagegen die Senkung von N. nach S. etwas geringer. Die 
Jaryhana-Fälle des Japura liegen nämlich 140 m, Pebas am Amazonas, 
fast unter dem gleichen Meridian, aber 250 km südlicher, 105 m hoch. *) 
Ebenso ist der südliche Teil der westlichen Amazonasniederung flacher 
als der östliche, von S. nach N. einfallende Muldenflügel. So beträgt 



*) Spix u. Martins, Bd. III. Anhang S. 40. ") Amer. Journal 
II. Ser. Bd. 46. S. 203. ») Pet. Mittig., 1887 p. 44. *) Herndon, 
Exploration of the Valley of the Amazon. Washington 1853—54. 
S. 261. ^) Pet. Mittig. 1900 S. 130. ^) Stielersche Karte: „Süd- 
Amerika"; Blatt 90. 



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— i6 — 

die Meereshöhe bei der Mündung des Aquiry in den Purus, 1772 km 
von der Mündung entfernt, 11 1 m, *) bei der Vereinigung des Purus 
mit dem Amazonas 58 m, am Tapajoz dagegen beim Cach. de Maranhao 
173 m, bei Santarem 30 m. *) 

Auch von diesem gewaltigen Tieflande ist nicht viel mehr er- 
forscht als die Ufergegenden der grösseren Flüsse. Urwälder breiten 
sich hier in einer Ausdehnung aus, wie sie in anderen Gegenden der 
Erde nicht mehr gefunden werden. Vom Fusse der Anden bis zum 
Rio Negro und Madeira bedeckt der Wald die ganze Niederung.*) 
Ebenfalls scheint er nach Osten sich ununterbrochen fortzusetzen bis 
zum Trombetas, wo dann ausgedehnte Campdistrikte die Oberherrschaft 
gewinnen. „Die Nähe der Campregion", schreibt Eh renreich, „die 
hier den Urwald an verschiedenen Stellen durchbricht und nach Norden 
zu sich wahrscheinlich bis zu den Savannen des inneren Guayanas er- 
streckt, macht sich allenthalben im Osten bemerkbar. Inmitten der 
hochstämmigen Wälder erscheinen plötzlich weite Lichtungen mit der 
charakteristischen Campflora, den niedrigen, gewundenen, kronleuchter- 
artig sich ausbreitenden Bäumchen mit weicher, dicker, rissiger Rinde, 
steifen, rauhen Blättern, dichten Hecken, stachelicher Bromelien, kleinen 
kugeligen Cacteen, Zwergpalmen und dürren Gräsern."*) Das ganze 
Gebiet zwischen Trombetas und Paru ^) sowie ein grosser Teil der 
Inseln Marajon •) und Mexiana ') gehören diesen Camp-Regionen an. 
Auch Santarem liegt inmitten eines Camp-Distriktes. ®) 

Die Ströme, die sich in dieser grossen Ebene bewegen, werfen 
sämtlich ihre Wassermasse dem Amazonas zu, der die Niederung von 
W. nach O. durchzieht. Sämtliche Klüsse tragen hier denselben Cha- 
rakter emes in unzähligen Schlingen sich windenden Laufes und niede- 
rer, während eines grossen Teils des Jahres vom Hochwasser über- 
fluteter Ufer. Namentlich ftlr die Gewässer westlich vom Madeira und 
Rio Negro sind die fortwährenden Veränderungen des Stromlaufes 
charakteristisch. Ehr eure ich schreibt hierüber: *; „Vom hohen Ufer 
der terra firma, dem Rest jenes alten Meeresbeckens, werden unge- 



*) Schicht el: „Der Amazonenstrom". S. 90. ^) Stieler sehe 
Karte: „Süd-Am."; Bl. 90 u. 91. ') Martins S. 1271, 127a. — Orton 
S* 393; — Bates S. 274; — Ehrenreich, (Verhdlg. d. Ges. f. Erdk. 
z. Brl. 1890 S. 156 ) — Deutsche Rundschau 17. Jhrg. 1895 S. 205. — 
Wallace, Journ. R. G. S. 1858. Bd. 23 S. 212. — Keller-Leu- 
zinger, „Vom Amazonas u. Madeira;" S. 76—78. *) Ehrenreich, 
etc.; Verh. d. Ges. für Erdk. z. Brl. 1890 S. 159. ^) Coudreau, „La 
France equinoxiale". Siehe Karte. •) Bates, S. 91. ') Wallace 
travels S. 86. ®) Griesebach S. 379. — Ehrenreich, a. a. O. 
S. 159 u. 160. •) Ehren reich, a. a. O. S. 163. 



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— 17 — 

heure Massen durch Unterspülung abgeschwemmt und geben an Bie- 
gungsstellen Material für mächtige Alluvialbildungen, die schliesslich die 
Ströme aus ihrer Bahn ablenken und zu neuen Volten nötigen. Es 
entsteht so ein labyrinthisches Kanalsystem, das die Flüsse in ihrem 
ganzen Laufe begleitet, die sogenannten Igarap^s, die aber auch weit 
in die Terra firma eingreifen. Wird nach Bildung einer neuen Biegung 
der Eingang oder Ausgang einer alten verlegt, so bildet sich an ihrer 
Stelle eine bogenförmige Lagune, die durch kleine „Furos" mit dem 
Hauptflusse in Verbindung bleibt. Beiderseits wird ein solcher Fluss 
von einem ganzen System solcher Lagunen eingefasst, wie dies im 
kleinen Massstabe auch bei europäischen Flüssen, z. B. dem mittleren 
Rhein der Fall ist. Derselbe Prozess wiederholt sich bei den Neben- 
flüssen ; es bilden sich Kommunikationen zwischen diesen und den 
Tributären des Parallelstromes, so dass schliesslich ein Fluss mit dem 
andern in Verbindung steht." 

Die geologischen Verhältnisse dieser grossen Niederung sind 
heutzutage so ziemlich aufgeklärt. Schon bei der Betrachtung der 
Bergländer Brasiliens und Guayanas haben wir erwähnt, dass im öst- 
lichen Teile der Niederung sich paläozoische Formationen diesseits und 
jenseits des Amazonas dem Strome nähern. Nach Suess bilden diese 
paläozischen Ablagerungen eine symmetrische Mulde, deren Mitte die 
Carbonschichten einnehmen. ') Eine Ueberflutung mag hier bis zur 
Kreidezeit dann nicht mehr stattgefunden haben; denn bis zur creta- 
cischen Formation besteht hier eine ausserordentliche Lücke in den 
Sedimenten. Zur Kreidezeit aber war die ganze Amazonasniederung 
(auch die Niederung westlich der paläozoischen Mulde, wo ältere For- 
mationsglieder als Kreide nicht zu Tage treten) von einem gemeinsamen 
Kreidemeer überflutet. Es ist ein grober Sandstein, der hier überall 
abgelagert wurde und in der Nähe von Erev6 bis M. Alegre, ^) an den 
Flüssen Mau^-assu, Abacaxis und Canuma,*) am Madeira, Aquiri und 
oberen Purus, *) unterhalb Tunantins am mittleren Amazonas ^) und am 
„Marona Rock", unterhalb der Mündung des Rio Negro*) zu Tage 
tritt. Auch tertiäre Sandsteine sind in der grossen Niederung gefunden 
worden, jedoch nur an einzelnen Orten. Sie scheinen nicht gleichmässig 
über die ganze Niederung verbreitet zu sein. ') 

Ueber die A g a s s i z 'sehe Hypothese, *) dass in der Quartärzeit 
das grosse Thal eine ungeheuere Glazial-Zeit aufzuweisen hatte, dürfen 

') Suess, „Das Antlitz der Erde"; S. 659. ^) Suess etc.; 
S. 638. •) Chandl ess. Journ. R. G. S. 1870 S. 421. *) Jour. R. G. S. 
Bd. 36 Jahrg. 1866. — Pet. Mittig. 1867 S. 262. ') Bates, „Der Natur- 
forscher" etc.'' S. 391. ^) Amazon River, Blatt 6. Hydrographical 
Office. Washington 1890. ') Suess, „Antlitz der Erde"; S. 660. 
*) L. Agassiz, A. Journey in Brazil, Boston 1875 S. 398 ff. 

Rein dl, Schwarze Flüsse. 2 



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- i8 - 

wir hinweggehen, da sie bereits durch die Untersuchungen von Hartt, *) 
K eller- Leuzinger/) Barrington Brown'') u. A. widerlegt 
ist. Auch die Orton'sche*) Annahme der Existenz eines ruhigen 
Binnensees zu dieser Zeit ist schon veraltet und bedarf keiner ein- 
gehenden Erörterung meshr. Dagegen ist eine positive Strandverschie- 
bung, eine Senkung der Schichten in der Quartärzeit, wie die ameri- 
kanischen Geologen sie annehmen, ^) wonach das Meer in die paläozoische 
Mulde eintrat und durch seine Tidenströme die Mündungen der in diese 
Mulde eingehenden Flüsse erweiterte, worauf dann gleichzeitig von W. 
her eine Zuschüttung des Meeresarmes durch die Sedimente des vor- 
handenen Hauptstromes erfolgte, nicht ohne Weiteres von der Hand 
zu weisen. Wenigstens für das Gebiet des unteren Amazonas werden 
die Anschauungen dieser Geologen den dortigen Erscheinungen gerecht, •) 
aber für das ungeheure Flachland westlich der paläozoischen Mulde 
dürfte die Hypothese nicht annehmbar sein, denn hier haben sich der 
Amazonas und seine Nebenflüsse in tertiäre Thone eingegraben, deren 
Lagerungsverhältnisse beweisen, dass sie nicht aus fliessendem Wasser 
abgesetzt sind. H a r 1 1 ') und Brown®) gaben wohl die richtigste Er- 
klärung über die geologischen Verhältnisse des Amazonasthaies seit 
der Kreidezeit. Ausser dem schon erwähnten tertiären Sandstein 
wurden nach Hartt und Brown auch blaue Thone abgelagert, die 
fossilführend sind und durch ihre normale, meist horizontale Lagerung 
auf Absatz an einem ruhigen Wasser, in das zahlreiche Ströme mit 
viel vegetabilischem Material mündeten (häufige Lignit-Streifen zwischen 
den Thonschichten), hinweisen. Brown glaubt, die Thone könnten die 
obersten Glieder einer Schichtreihe sein, die in ähnlicher Weise, wie 
die Schichten unserer Deltas, abgelagert wurde (die Fossilien sind Süss- 
und Brackwasser-Mollusken). Neben diesen blauen Thonen liegen nun 
— aber scharf von ihnen durch unregelmässige (falsche) Schichtung, 
die auf Ablagerung aus fliessendem Wasser hinweist, getrennt — die 

') Hartt, American Journal of Science, 3 Ser. Vol. 4 S. 53. 
^) Keller-Leuzinger, „Vom Amazonas u. Madeira," S. 38 u. 39. 
•)BarringtonBrown, „On the tertiary'' Deposits-on the Solimoes and 
Javary'* River, Quart. Journal. Geol. Soc. London. Vol. 35. 1879 S. 76. 
*) The Andes and the Amazon , 3. Aufl. New- York 1876 S. 551. 
*) Smith, Brazil, Brooklyn 1879, Appendix. — Derby, Proc. Ameri- 
can philos. Soc. Philadelphia Vol. 18. 1878—80. *) Ihre Anschauung 
stützt sich auf den Umstand, dass die sedimentarmen Nebenflüsse des 
Amazonas innerhalb der paläoz. Mulde weite Mündungen haben, die 
in keinem Verhältnis stehen zu ihrer Wassermasse. ') Hartt, Ame- 
rican Journal of Science, 3. Ser. Vol. 4. S. 53.^) Barrington Brown, 
„On the tertiary'* Deposits on the Solimoes and Javary River, Quart. 
Journal. Geol Soc. London. Vol. 35. 1879 S. 76. 



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- 19 — 

bunten Thone, welche ununterbrochen von d«i Anden bis zum Atl. 
Ozean streichen. Ueber diesen Thonen folgen dami endlich jtingere 
Flussablagerungen des Amazonas, wie Sande, feine Thone etc., eine 
Bildung, die dem Laterit Afrikas ähnlich zu sein scheint. Namentlich 
in der grossen Amazonasdepression westlich des Rio Negro und Madeira 
ist die letztere Bildung ausgeprägt. „Ein anstehender Stein ist dort," 
sagt Ehrenreich,*) „eine Naturmerk Würdigkeit." „Der von den 
Anden heimkehrende Bewohner dieses Flachlandes beladet" nach 
Pöppig^) „seinen Kahn mit dem festen Gestein des Gebirges, das 
zum Schleifen von Werkzeugen und zum Mahlen von Mais bis zur 
brasilianischen Grenze verführt wird." 



B. Klimatologisehes. 

Während wir aus dem Innern Afrikas ganzjährige 
meteorologische Aufzeichnungen besitzen, ist dies vom Innern 
Südamerikas nicht in gleicher Weise der Fall, obgleich das- 
selbe civilisierten Staaten angehört. Wir sind deshalb auf 
die Berichte der Reisenden angewiesen, wenn wir uns von 
den dortigen Wind- und Regenverhältnissen eine Vorstellung 
machen wollen. Da aber diese Berichte grösstenteils nur 
auf vorübergehend angestellten Beobachtungen und Mes- 
sungen beruhen, so ist ohne Weiteres klar, dass unsere 
meteorologischen Kenntnisse über diese Gebiete noch auf 
ziemlich schwachen Unterlagen beruhen. 

Das betrachtete Gebiet gehört nach der Einteilung der 
Erde in Klimaprovinzen von Koppen, 3) die vorzugsweise 
auf die Vegatation Rücksicht nimmt, dem Lianen- und dem 
Baobabklima an, einzelne Theile auch dem Camellien und 
Hochsavannenklima. Das Lianenklima, das eigentliche Ur- 
waldklima, ist hauptsächlich in der gangen Amazonasniede- 
rung und auf der Seeseite der Sierra do Mar bis zum 
Wendekreis des Steinbocks ausgeprägt. Die jährliche Regen- 
menge ist hier sehr gross, eine Trockenzeit fehlt oder sie 

*) Ehrenreich, Verhdlg. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. 1890 S. 159. 
^) Pöppig, Reisen in Chile, Peru u. auf dem Amazonas, Leipzig 1831 
S. 340. 'j Koppen, Versuch einer Klassifikation der Klimate vorzugs- 
weise nach ihren Beziehungen zur Pflanzenwelt." Leipzig 1901 S. 23 
bis 29. 

2* 



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20 



ist doch höchstens nur 2 Monate lang. Ebenso fehlt eine 
Jahresschwankung der Temperatur fast ganz. Der Unter- 
schied zwischen dem wärmsten und kältesten Monat beträgt 
nur I bis 6^ C, wie uns Hann in seiner Tabelle „Tempe- 
raturmittel für Guayana und Brasilien** zeigt, i) Hochstäm- 
mige Urwälder von höchst mannigfaltiger Zusammensetzung, 
von Lianen und Epiphyten durchweht, kennzeichnen diesen 
ungeheuren Bezirk. Ein anderer Theil unseres Gebietes 
weist das Baobabklima, das typische Savannenklima, auf, 
das namentlich auf dem bras. Bergland südlich vom Ama- 
zonas bis zum 24 s. B. in seiner westlichen, und bis zur 
San Franciscoquelle in seiner östlichen Ausdehnung dominiert. 
Auch in Venezuela und in Britisch-Guayana herrscht dieses 
Klima vor. Der Temperaturunterschied zwischen dem wärm- 
sten und kältesten Monat ist hier meistens grösser, der 
Regenfall erreicht nicht mehr 2000 mm und eine ausge- 
sprochene Trockenheit stellt sich ein. Savannen (Campos) 
und lichte Wälder, die in der Trockenzeit ihr Laub ab- 
werfen (Caatingas) , bestimmen den Landschaftscharakter. 
Nur in den grossen Flussthälern finden sich Urwälder, die 
mehr den Typus der Lianenregion haben und als regelrechte 
Galeriewälder uns entgegentreten. 

Südlich von der Baobabklimaprovinz folgt in Brasilien 
das Gebiet des Camellienklimas. Die tiefste Monats- 
temperatur erreicht hier noch nicht 2^ C. Immergrüne 
Macquis und fruchtbare Matesträucher herrschen hier vor. 
Die Niederschläge fallen ziemlich reich zu allen Jahreszeiten. 

In Parzellen tritt das Hochsavannenklima im oberen 
Rio-Negrogebiet einerseits und auf einem kleinen Teile der 
Sierra do Mar vom 20 bis 23^/2^ s. B. andererseits auf. Ausge- 
sprochene Trockenheit im Winter und Frühling, häufige und 
heftige Regengüsse im Hochsommer sind charakteristisch. 
Die Blütezeit der Pflanzen fällt in den Spätsommer. 

Was die regelmässigen Temperaturmessungen in den eben be- 
sprochenen Regionen betrifft, so sind dieselben noch äusserst spärlich 

') Hann, Handbuch der Klimatologie. 1897. IL Bd. S. 349—383. 



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— 21 — 

und beschränken sich fast nur auf die Küstengebiete. Nur* von einigen 
wenigen Orten des Innern, wie von Iquitos, Manaos, Cuyaba und San- 
tarem liegen auch ganzjährige Beobachtungen vor. Die Resultate 
hierüber hat bereits Hann in klassischer Weise kritisch verarbeitet 
und in seinem Handbuch der Klimatologie niedergelegt. Die mittlere 
Jahrestemperatur scheint darnach fast nirgends über 2672* merklich 
hinauszugehen und der jährliche Wärmegang ist überall ziemlich gleich. 
Nur im äussersten Nordosten fällt die niedrigste Temperatur noch auf 
den nördlichen Winter, auf Januar und Februar, das Maximum aber in 
die Trockenzeit, auf September und Oktober. Ferner treten vom 8° S. B. 
an der südliche Sommer und Winter in ihre Rechte ein, indem die 
wärmsten Monate hier Dezember bis Februar, die kältesten Juni und 
Juli sind. 

Auch die Jahresschwankung der Temperatur ist im ganzen tropi- 
schen Teile Südamerikas nicht erheblich, selbst im Innern gegen den 
Wendekreis des Steinbocks hin beträgt sie nur 8—9 *. Nur die mittleren 
Jahresminima auf den Hochflächen Südbrasiliens sind nach Hann 
ziemlich schwankend, während aber die Maxim a fast konstant bleiben. 
Selbstverständlich zeigt die Küstenlandscliaft etwas grössere Ab- 
weichungen bezüglich der Jahresschwankungen der Temperatur, die 
sich im südlichsten Teile Brasiliens, wie Hanns Tabelle zeigt, sogar 
bis zu 30" Differenz erhöhen können. 

Unregelmässiger als diese Temperaturverhältnisse sind aber die 
dortigen Wind- und Niederschlagsverhältnisse, die wir infolgedessen 
auch einer eingehenderen Betrachtung unterziehen wollen. Betrachten 
wir nun zuerst die Wind-, dann die Niederschlagsverhältnisse. 

I. Winde. 

Das Gebiet, in dem sich die schwarzen Flüsse Süd- 
amerikas befinden, liegt grösstenteils in den Tropen, wo die 
Winde abhängig sind von den über den Weltmeeren ruhen- 
den Hochdruckgebieten, aus welchen die Passate wehen, 
deren Wandern mit dem Sonnenstande dann noch den Grund 
zur Veränderung der Jahreszeiten gibt. Zwischen beiden 
Passatzonen liegt der Gürtel der Windstillen mit Regen zu 
allen Jahreszeiten. Wenn die Sonne am weitesten nördlich 
steht, so bemerken wir den Nordostpassat auf den Antillen, 
an der Küste von Venezuela und Centralamerika sowie auch 
noch in Guayana, während er über die Küsten hinaus in 
das Innere des Kontinents nicht zu dringen vermag. Dagegen 
überweht dann der Südostpassat von Brasilien her einen 



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— 22 — 

grossen Teil Südamerikas bis zu den Anden und erreicht 
sogar noch die Llanos und den Rand der Gebirge von 
Venezuela, so dass hier im Juni und Juli eine Unterbrechung 
der Regenzeit eintritt. Wendet sich die Sonne südwärts, so 
gewinnt in dieser Richtung das Gebiet des Nordostpassats 
an Ausdehnung, während der Südostpassat zurückweicht. 
Der Nordostpassat überweht dann im Januar den ganzen 
Norden bis gegen den Amazonas, während der Südostpassat 
sich auf die Küsten Südbrasiliens beschränkt und im Innern 
Platz für die veränderlichen Winde der Kalmenregion lässt. 

Da nicht allein die geographische Breite, sondern auch 
die Bodengestaltung von wichtigem Einflüsse auf die Wind- 
richtung ist, so treffen die eben erwähnten Regeln nur der 
Hauptsache nach zu und es können sich daher Verhältnisse 
zeigen, die ganz verschieden, ja oft entgegengesetzt sind 
von dem, was wir allgemein sagten. Betrachten wir die 
einzelnen Gebiete für sich. 

Im Küstengebiet Guayanas weht nach Kappler ') der Wind be- 
ständig aus Osten; „in den ersten Monaten des Jahres hat er eine 
mehr nördliche, in den grossen Regenzeiten eine mehr südliche Richtung. 
In der Trockenzeit herrscht meist Windstille bis gegen Nachmittag, wo 
die Seebrise sich erhebt, die Hitze schnell mässigt und bis 9 Uhr oder 
II Uhr abends anhält. Westliche Winde sind äusserst selten und 
halten nie länger als einige Stunden an. Orkane kommen nicht vor." 

Auch im Innern Guayanas ist die Wirkung des Passats noch stark 
zu verspüren.*) Unter dem Namen „Savannenwind" zeigt er hier seine 
Herrschaft. Schomburgk schreibt darüber:*) „Schon mochten wir 
einige Stunden gefahren sein, als uns plötzlich durch die drückende 
Schwüle ein kühler Windzug entgegen wehte, den die Indianer als den 
erfrischenden Savannenwind willkommen hiessen. Dieser ungemein 
heftige Wind ist im Innern ganz das, was an der Küste die kühle See- 
luft ist, da er, wie jene, täglich aufspringt. Gewöhnlich erhebt er sich 
abends acht als sanfter kühler Nordost, der gegen Mitternacht seine 
grösste Stärke erreicht, wo er gleich einer Windsbraut über die 
Savanne hinfegt, dann gegen Tagesanbruch allmählig abnimmt und mit 
der aufgehenden Sonne plötzlich nach Ost umspringt." Besonders 
häufig sind ausser diesen Savannenwinden im Innern, namentlich am 



') Hann, Klimatologie Bd II S. 358. ') Rieh. Schomburgk, 
Bd. I S. 282. *) Ebenda S. 353. 



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— 23 — 

Rupununi, Mahu, Takutu etc. auch die eigentümlichen Wirbelwinde, die 
plötzlich entstehen und über die Savanne ziehen. „Plötzlich sieht man, 
wie von einem Punkte aus der Staub und die Blätter der Sträuche u. s. w- 
ziemlich in horizontaler Richtung in schneckenförmiger Linie eine 
Strecke über die Ebene hingetrieben werden, bis sich der Anfang immer 
mehr hebt und bald als spirale Säule einen Augenblick über der 
Savanne steht und dann über diese hinjagt, wobei sie gegen die Erde 
hin immer durchsichtiger wird, sich dann in der Mitte scheidet und 
spurlos verschwindet".*) 

Am oberen Rio Negro und im Gebiete der Bifurkation des Orinoco 
und Amazonas ist der Passat nicht mehr zu spüren, während er etwas 
nördlich davon, in den Llanos des Orinoco, noch frei über die aus- 
gedehnten Savannen streicht.^) 

Eigenartige Verhältnisse findet man im Amazonasthal. Während 
man erwarten sollte, dass hier die Windstille des Kalmengürtels aus- 
geprägt wäre, fehlt diese Erscheinung ganz. Vielmehr vereinigen sich 
hier die nördlichen und südlichen Passate zu einer mittleren, genau 
östlichen Windesrichtung und verbreiten die verhältnismässig frische 
Kühle des Meeres in das Innere, indem sie zugleich dem Klima des 
Hauptthalweges eine seltene „Salubrität" verbürgen."*) „Bei Santarem" 
schreibt Bates, „herrscht 5 bis 6 Monate des Jahres mit wenigen 
Unterbrechungen der Ostwind, — der amazonische Handelswind."* 
Auch in Villa Bella lässt ihn derselbe Forscher noch heftig wehen 
dagegen soll er zu Manaos nicht mehr zu spüren sein.®) Schon Griese- 
bach betrachtete als Ursache dieses Ostwindes das Wärmecentrum in 
den weiten Ebenen des oberen Amazonas. ,,Dort werden", schreibt 
er,*) ,^nur unregelmässig wechselnde Luftströmungen und häufige Wind- 
stillen beobachtet, wie in dem Kalmengürtel des Meeres. In diesem 
Abschnitte des Stromlaufes, wo derselbe den Namen Solimoes führt, ist 
der Wald am ausgedehntesten und undurchdringlichsten, von Savannen 
nirgends unterbrochen; das ganze Jahr hindurch fallen die Nieder- 
schläge, der menschliche Organismus wird durch die Wärme und 
Feuchtigkeit der Luft berührt, als befände er sich in einem beständigen 
Dampf bade. Hier liegen die höchsten Isothermen (20® R) in der Nähe 
des Äquators, die erst ostwärts zu den offenen Campos Brasiliens in 
südlicher Breite übergehen. Diesem inneren Wärmecentrum ist es 
zuzuschreiben, dass am unteren Amazonas ein immerwährender Ostwind 
herrscht, welcher den Wasserdampf des Atlantischen Meeres beständig 
erneuert und dem Festlande zuführt." 



') Rieh. Schomburgk Bd. II S. 7. ») Griesebach S. 361. 
") Griesebach S. 378. *) Bates S. 127. ') Bates S. 156. *) Grie- 
sebach S. 378. 



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— 24 — 

Ob Griesebach recht hat? Schon Martius berichtet, dass 
zwischen Manaos und Egas noch sehr starker Ostwind zu spüren sei. 
„Wir waren froh", schreibt er, „mit Anbruch des Tages durch den 
Ostwind begünstigt zu werden, welcher den ganzen Tag anhaltend 
uns an der langen Sandinsel Praya do Perquito vorüber, gegen Abend 
auf die Praya de Goajaratuva brachte."*) Desgleichen beobachtete 
Brown zwischen Manaos und der Javary Mündung die gleiche Wind- 
richtung,^) und Galt,') Rimbach,*) Herndon'') fanden sie im oberen 
Amazonasthal. Da ferner die ganze Ostseite der Anden nach den 
Reiseberichten Monniers,*) Hettners^) u. A. auf eine ausserordent- 
liche wasserdampfreiche östliche Windströmung hinweist, die aber nichts 
anderes sein kann als der Passat, so dürfte die Erklärung G r i e s e - 
bachs für den O -Wind am unteren Amazonas, als entstanden durch 
Aspiration des genannten Wärmecentrums am oberen Amazonas^ 
wenigstens nicht allgemein gültig sein und der O.-Wind am unteren 
Amazonas dürfte z. B. nichts anderes sein als der gewöhnliche 
S.-O.-Passat, der nach O. abgelenkt ist, weil er aus höheren in niedere 
Breiten kommt. 

Wie liegen nun die Windverhältnisse in dem von uns 
zu betrachtenden Gebiete südlich des Amazonas? Da uns 
von den dunklen Zuflüssen des Purus und Madeira keine 
derartigen Angaben vorliegen, so müssen wir uns an die 
Angaben halten , die darüber bei den Hauptströmen 
oder deren grösseren Weisswasserzuflüssen vorhanden 
sind und die im allgemeinen auch hier zutreffend und 
passend sein dürften. Am Purus und Aquiry herrschen 
nach Chandless in der Trockenzeit (Juni bis September) 
abwechselnd warme Winde von N.-W. mit hellem Wetter 
und kühle von S.-O. und O.-S.-O., welche stets von starken 
Regen begleitet sind und dadurch grosse, aber schnell sich 
verlaufende Überschwemmungen hervorrufen.^) Ausserdem 
tritt nach Ehrenreich ^) am Purus gegen Ende der Regen- 
zeit häufig eine oft mehrere Tage anhaltende sogenannte 

') Spix u. Martins S. 1137, 1144- ^) Brown and Lidstone a. a. 
O. p. 449, 489. ') Galt. Iquitos. Proc. R. G. S. 1873. Bd. 17 S. 138. 
*j Rimbach: „Reise im Gebiet des oberen Amazonas*^ (Zeitschr. d. G. 
f. Erdk. z. Brl. 1895 S. 387. '') Her ndon, Exploration of the Valley ofthe 
Amazon, Washington 1853-54 S. 194. *) Monnier, Bull. S. G. 1889 
S. 548. ') Hettner, Zeitschr. d. Ges f. Erdk. 1885 S. 392. *) Chand- 
less, Journ. R. G. S. Bd. 36 S. 108 u. 122. •) Ehrenr e ich, „Verhdlg. 
d. Ges. f. Erdk. z. Brl. 1890 S. 108/' 



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— 25 — 

„Friagem^* ein, ähnlich wie in Mato Grosso, mit heftigem 
Stidwestwind , Nebel und starker Temperaturerniedrigung 
bis auf 1^^ Celsius, eine Erscheinung, welche durch kalte 
Luftströmungen von den Cordilleren herbeigeführt wird, 
wenn nach andauernder Hitze die feuchtheisse Tieflandsluft 
in die Höhe steigt. Auf der Madeira-Platte sind ebenfalls 
zur Trockenzeit (Juni und September), wie am Purus, ab- 
wechselnd warme Winde von N.-W. und kühle von S.-O. 
vorherrschend. „Die beiden Windrichtungen*' , schreibt 
Gibbon,!) „scheinen in fortwährendem Kampfe miteinander; 
manchmal weht es genau drei Tage von S.-O. und dann 
ebenso lang von N.-W.; das ist so häufig der Fall, dass die 
Einwohner sagen, wenn der Wind aus einer Richtung be- 
gonnen hat, erwarten sie ihn drei Tage lang aus derselben." 
Am unteren Abacaxis beobachtete Chandless^) meistens 
den N.-O. oder O.-N.-O., der die Richtung des Flussthaies ver- 
folgte. Da diesen Wind auch Bat es am Tapajoz^) und 
die Xingu-Expedition bei ihrer Thalfahrt auf dem Xingu 
beobachteten, so ist anzunehmen, dass er nichts anderes ist 
als der O. -Passat des Amazonenthaies, der in die weiten 
Thäler der südlichen Amazonasnebenflüsse aufsteigt und hier 
als N.-Wind sich zeigt. 

Am mittleren Tapajoz und im Quellgebiete dieses Flusses sind 
die Windverhältnisse von Mato Grosso massgebend. Die meteoro- 
logische Tafel , die Vogel seinem Reisebericht : „Reisen in Mato 
Grosso 1887/88" nach genauen Beobachtungen zu Cuyaba beigegeben,*) 
sagt, dass die N.-W. -Winde während der Regenzeit, die Südwinde 
während der Trockenzeit ihre grösste Häufigkeit haben. Weitaus 
überwiegend sind die Nord- und N.- West-Winde. Die zu erwarteten 
S.-O.-Winde treten nur in den Monaten Dezember bis April etwas 
häufiger auf. Ähnliche Beobachtungen machte auch Claus s bei seiner 
Xingu-Expedition.*; Er schreibt: „Die Nächte auf dem Plateau waren 
immer klar. Mittags wurde der Horizont rings von mächtigen Cumuli 
umsäumt. Ebenso herrschte in den Nächten, sowie abends und morgens, 
gewöhnlich vollkommene Windstille. Dagegen setzte mit Regelmässig- 

*) Gibbon, Exploration of the Valley of the Amazon ; Washing- 
ton : meteorologisches Journal für Trinidat vom Juni bis August 1852. 
*) Journ. R. G. S. 1870. London. S. 423. ") Bates, S. 238. *) Vogel, 
Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. 1893. *) Pet. Mittig. 1886 S. 170 



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— 26 — 

keit um lo» und ii» ein scharfer N.-O. bis N.-W.-Wind ein, meistens N. 
Er kam in Stössen, die häufig 5 der Beaufortskala erreichten. Dieser 
Wind Hess nachmittags ab und hatte sich um 3 Uhr vollständig jfelegt 
Da in Cuyaba in dieser Jahreszeit der Südwind domiaiert, so darf man 
vielleicht an eine Luftbewegung denken, wdche durch die starke Be- 
strahlung des Plateaus m den wolkenarmen Monaten hervorgerufen 
wird; dann müsste ja die Luft von den Niederungen in N. und S. des 
Plateaus nach diesem zusammenfliessen. Dafür würde auch sprechen, 
dass an einigen bewölkten Tagen, am 21 , 23. und 24. Juli der Nord- 
wind ganz ausblieb." (Siehe auch Clauss: Tafel I: Resultate der 
meteorologischen Beobachtungen in Cuyabä, P. M. 1886 S. 169 ) 

Diese N.-W.-Winde, die wir auch bei der Betrachtung der Wind- 
verhältnisse am Purus und auf der Madeira-Platte kennen lernten, sind 
also nichts anderes als aspirirte Winde, was auch schon der Umstand 
beweist, dass sie nach Norden zu häufiger und länger auftreten, während 
im Süden dasselbe für den S-O. der Fall ist. Dieser letztere Wind 
dagegen ist der Südostpassat, der jenseits des Äquators vom atlantischen 
Meere über den Kontinent bis zur Hylaea und zu den Anden hinweht. *) 

An der Ostküste sind der „viracäo" oder der See- und der „terral" 
oder der Landwind die regel massigsten täglichen Winde.^} Das Vor- 
herrschen der Seewinde aus S.-O, bewirkt jene Feuchtigkeit an der 
Küste und auf der Ostseite der Serra do Mar, dass hier bis zum 
Wendekreis die vegetative Entwickelung niemals unterbrochen wird.*) 
Auch im Staate Sao Paulo sind der „viracäo" und der „terral" noch 
ausgeprägt. Lange*) schreibt, dass von 10 Uhr vormittags bis gegen 
4 Uhr nachmittags der N.-W. vorherrsche, dann sich aber eine süd- 
östliche Windrichtung zeige, die ein bedeutendes Sinken der Temperatur 
bewirke und die Feuchtigkeit in der Atmosphäre erhöhe. Der S.-O.-Wind 
ist der häufigste; während der Wintermonate hat aber der N-W.-Wind 
Neigung, vorzu herrschen Dagegen haben die südlichsten Provinzen 
Brasiliens, südlich vom Wendekreis, ganz andere Windverhältnisse. 
Im Sommer herrschen hier nordöstliche Winde vor, während im Winter 
daneben auch südwestliche und südöstliche Winde zur Geltung kommen.*) 
Am Lagoa dos Patos ist die auffallende Erscheinung, dass die Winde 
immer nur wenige Tage aus einer Richtung wehen und dann in die 
entgegengesetzte umschlagen, so dass es den Segeljachten möglich ist, 
den einen Wind zur Hinfahrt, den andern zur Rückfahrt von Rio Grande 
zu benutzen.*) Wahrscheinlich ist dieser Windwechsel durch wandernde 
örtliche Gebiete niedrigen Luftdrucks bedingt. Die Stürme wehen fast 

*) Griesebach S. 394. ^) Pet. Mittig. 1891 S. 15. ^) Griese- 
bach S. 395. *) Lange, „Aus dem Staate Säo Paulo*' P. M. 1891 
S. 15. ^) Segelhandbuch für den x\tl. Ozean; herausgeg. v. der See warte, 
Hamburg 1885 S. 66 *) Pet. Mittig. 1887. S. 292. 



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— Tq ~ 

immer aus Nordwest und Südwest;') manche auch aus Nordost, welche 
zugleicfi die stärksten sind. So wurde an der Barre von Rio Grande 
ein N.-E.-Wind von 43^ ni und ein S.-W.-wind von 38,5 m Geschwindig- 
keit beobachtet/') Im BinnerfaaMte wird am meisten der Minuano ge- 
fürchtet, ein sehr heftiger, kalter Westwiad, ider in der Regel bei 
klarem Himmel drei Tage lang anhält. Er wird gewöhnüdi irat dem 
Pampero verwechselt, der aber mehr aus Südwesten kommt und eben- 
falls kalt, aber nicht trocken, sondern meist der Vorläufer oder Begleiter 
heftiger Gewitter ist.') 

II. Niederschlagsverhältnisse. 

Wäre die jahreszeiüiche Verteilung der Niederschläge 
in den Tropen nur abhängig von dem Zenitstande der 
Sonne, so würde aus der Hauptregel der normalen tropischen 
Regenzeiten unmittelbar folgen, dass am Äquator und hinauf 
bis zu jenen Entfernungen zu beiden Seiten desselben, wo 
zwischen den beiden Zenitständen der Sonne noch ein 
längerer Zeitraum liegt, sich zwei Regenzeiten im Jahre 
bemerkbar machen, entsprechend den beiden Durchgängen 
der Sonne durch den Zenit. Meistens stellen sich im be- 
treffenden Gebiete auch solche doppelte Regenzeiten ein; 
aber bei den geringen Wärmeunterschieden der doppelten 
Insolationsmaxima sind secundäre Einflüsse leicht im Stande, 
das Auftreten doppelter Regenzeiten zu unterdrücken. 
Namentlich sind es topographische Faktoren, welche den 
theoretischen Voraussetzungen entgegen einen ununter- 
brochenen Gürtel doppelter Regenzeiten nicht recht auf- 
kommen lassen. Das Folgende wird uns lehren, dass auch 
im Gebiete der schwarzen Flüsse Südamerikas die Nieder- 
schlagsverhältnisse nicht so einfach liegen und dass die 
jahreszeitliche Verteilung derselben sich nicht so gleichmässig 
und regelmässig abwickelt, wie man meist annimmt. 

Am Ynirida haben wir z. B. nach Montolieu*) nur eine Regen- 
zeit, die vom März bis Oktober dauert; am Atabapo bei San Antonio 

*) Beschoren, „Beiträge z. näheren Kenntnis der bras. Provinz 
Rio Grande db Sul"; Pet. Erg. 1889— 90 S. 79. ^i H. v. Ihering, „Deutsche 
geogr. Blätter VII S. 168. *) Pet. Mittig. 1887 S. 292. — Pet. Erg. 
1889-90 S. 79 — Ave-Lallemant: „Reise durch Süd-Brasilen" I. Tl. 
S. 468. *) Montolieu, Bul. S. G. 1800 S 290. 



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— 28 — 

de Yavita regnet es fast das ganze Jahr.*) In Yavita mass Humboldt 
den Regen, der am i. Mai (1800) innerhalb 5 Stunden 46 mm und am 
3. Mai sogar 30 mm innerhalb 3 Stunden ergab.') „Am Pimichin", schreibt 
der gleiche Forscher, „regnet es seit mehreren Monaten unaufhörlich und 
Bonpland gingen die Exemplare von Pflanzen, die er mit künstlicher 
Wärme zu trocknen suchte, zu Grunde.** ') Auch am oberen Rio Negro 
sind alle Monate des Jahres reich an Niederschlägen; „es regnet fast das 
ganze Jahr, Dezember und Januar ausgenommen, und selbst in der 
trockenen Jahreszeit sieht man das Blau des Himmels selten zwei, drei 
Tage hintereinander. Da es unauihörlich regnet (der Regen ist fein, 
aber sehr dicht), so können in diesen Wäldern jährlich nicht wohl unter 
2.43 bis 2,71 m Regen fallen.*) In San Carlos*) sah Humboldt zu ver- 
schiedenen Zeiten in 2 Stunden 16 mm; in 3 Stunden 40mm; in 9 Stunden 
106,8 mm Regen fallen. Die Regenzeit findet hier bei nördlicher 
Deklination der Sonne statt und ist normal. 

Abnorm ist dagegen das Fehlen einer Trockenzeit im Fallgebiete 
des Rio Negro. Wallace schreibt darüber:*) „Die regelmässige 
tropische Trockenzeit ist hier fast verschwunden, das ganze Jahr hin- 
durch ein beständiger Wechsel von Regenschauern und Sonnenschein. 
Im Juni, Juli, August und September, wenn der Amazonassommer in 
all seiner Glorie steht, haben wir hier nur wenig besseres Wetter im 
Juni; dann wieder so viel Regen wie immer, bis im Januar und Februar, 
wenn die nasse Jahreszeit am Amazonas beginnt, hier im allgemeinen 
1-2 Monate warmes Wetter herrscht." Die Erklärung dieser abnormen 
Erscheinung ist nicht schwer. Ohne Zweifel steht die aspirirende Wirkung 
der Llanos des oberen Orinoco damit im engsten Zusammenhange. Dies 
bestätigt uns Spruce^), der diese Verhältnisse eingehender untersucht. 
„Die Regenzeit unter dem Äquator und nördlich von ihm zur Zeit des 
Amazonassommers kann uns nicht wundern bei der allgemeinen Ver- 
schiebung der Jahreszeiten nach S. zu über den mathematischen Äquator 
(Napo, Canelos); das „bessere Wetter^^ im Juni fällt auf die nördlichste 
Deklination der Sonne. — Wenn die nasse Jahreszeit am Amazonas 
ihren Höhepunkt hat (März, April), aspiriren die Llanos des Orinoco; 
es müssen sich daher am Rande des Berglandes von Guyana (Negro 
Fälle) und an den Bergen nördlich von ihm Steigungsregen niederschlagen, 
die mit der Höhe jener Berge (dem jetzigen Verlauf der brasilianisch — 
venezuelischen Grenze) abschneiden. 

Gehen wir weiter nach Osten, nach Guayana ! Hier haben wir 
genau das Klima des Innern von dem des Küstenlandes auseinander zu 



*) Humboldt, Bd. III S. 225. *) Ebenda S. 225. '') Ebenda S. 228. 
Ebenda S. 269. *) Ebenda S. 269. *) W a 1 1 a c e, travels S 430. ') Jörn. 



1860 Bd. 36 p. 71. 



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— 29 - 

halten. Das Centralfeid oder die grosse Savanne von Britisch Guayana 
(3®— 4'* N.; 56*— 60* W.) hat nach Appun*) nur eine Regenzeit vom 
April bis August mit durchschnittlich 200-230 cm hohem Regenfall, 
Nordwest- und Westwinden, furchtbaren Gewitterstürmen und gewaltigen 
elektrischen Entladungen. Die Niederschläge sind an manchen Stellen 
zu dieser Zeit geradezu enorm. So betrug z. B. die Quantität des ge- 
fallenen Regens am Takutu nach Schomburgk^) bei einem einzigen 
Regenfalle, der nur einige Stunden dauerte, 75-100 mm, und die an- 
gestellten Beobachtungen desselben Forschers ergaben dort von Ende 
Mai bis Ende August 72 Zoll (1,8 m) Regen. Zu Pirara war infolge der 
mächtigen Regen die Atmosphäre mit Feuchtigkeit so geschwängert, dass 
die Kleidungsstücke der Mitglieder der Schomburgk'schen Expedition 
in den Koffern vermoderten. Eiserne Werkzeuge, die nur wenige Tage 
am Boden gelegen hatten, waren von Rost bis zur Unbrauchbarkeit 
zerfressen, das Silber war oxydirt, die Arsenikseife zersetzt und die 
botanischen Sammlungen zerstört. ') 

Zur Trockenzeit, die vom September bis zum April dauert und 
von O.- und NO.-winden begleitet ist, herrscht in den Savannen Dürre 
und Wassermangel. Nur die Flüsse und Bäche, die mit Galleriewäldern 
begleitet sind, wie dies meistens im Quellgebiete der schwarzen Flüsse 
der Fall ist, empfinden nicht die sengende Hitze, ihre Ufer sind auch 
zu dieser Zeit feucht und sumpfig. „Man hat behauptet," schreibt 
Schomburgk, „dass die Vegetation erst einige Tage Regen verlange 
bevor sie von neuem zu treiben beginne; die Ufer des Takutu aber wider- 
sprechen dieser Annahme in der blühendsten Sprache; denn der Monat 
März und die zurückgelegten Tage des April waren fast ohne einen 
Tropfen Regen vorübergegangen und doch waren die Ufer des Flusses 
an vielen Stellen wie mit einem Blütenteppich überzogen.*) 

Während nun die Savannen im Innern nur eine Regen- und 
Trockenzeit besitzen, fallen in den höheren Teilen des Landes unter 
denselben Breiten z. B. am Roraima auch im November und Dezember 
Regen, so dass hier also wie an der Küste,, eine doppelte Regenzeit 
herrscht.*) Daraus erfolgt, dass auch im Innern Guayanas zwei Zenit- 
regenzeiten ausgebildet wären, wenn nicht die unermesslichen Urwälder 
der Küste den Passatwinden zur kleinen Regenzeit deren Feuchtigkeit 
berauben würden. 

An der Küste Guayanas teilen sich die Regen- und Trockenzeiten 
in folgender Weise:*) 



*) Siehe H ann, „Klimatologie*' Bd. II S. 359. '^) Schomburgk, R., 
Reisen etc. Bd. IIS. 143. *) Schomburgk, R., Reisen etc. Bd. II S. 128 
*) Ebenda S. 21. ") Sievers, „Amerika" S. 172. ^) Joest, W., „Guayana 
im Jahre 1890" (Verhandlung der Ges. für Erdk. zu Berlin) Bd. 18 S. 402. 



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— 30 — 

Ende Februar bis Ende Mai kleine trockene Zeit; Ende Mai bis 
Ende August grosse Regenzeit; Ende August bis Ende November trockene 
Zeit; Ende November ^bis Februar nächsten Jahres kleine Regenzeit. 
Freilich benimmt sich, nach Joest, auch hier der Himmel nicht immer 
so, wie es die Meteorologen nach eben genannter Regel feststellten 
Joest schreibt : „Als wir am 7. Februar im Georgetown anlangten, 
hatte es dort 21 Tage hindurch täglich, beinahe unaufhörlich geregnet — 
<las nannte man die „kleine" Regenzeit. Während meines Aufenthaltes 
in Surinam, von Mitte Februar bis Mitte April 1890, musste ich jeden 
Tag „Regen" in mein Tagebuch eintragen. Oft waren es nur kurze 
Schauer, häufig aber strömte der Regen ohne Unterbrechung 24 Stunden 
hindurch. Das war also während der „kleinen trockenen Zeit". Die 
Niederschlagsmengen während der Regenzeit sind an der Küste ebenfalls 
grösser als im Innern. Während z. B. nach den von SchomburgkS 
angestellten Beobachtungen in den Savannen die Höhe des von Ende 
Mai bis Ende August gefallenen Regens 72 Zoll betrug, schwankte sie 
während derselben Zeit an der Küste zwischen 80 und 100 Zoll. In 
•Georgetown -Dem er ara betrug der Regenfall im Jahre 1889: 97,36 engl. 
Zoll (ca. 2400 mm), in Paramaribo in derselben Zeit bei 214 Regentagen 
2276,26 mm. Im Jahre 1890 wurden in Paramaribo sogar 226 Regentage 
verzeichnet mit etwa 2336,8 mm Regenfall.*) Das Aussehen dieses Ge- 
bietes zur Regenzeit schildert Kappler in malerischer Weise.') 
Schwere Regengüsse, wie man sie in Europa nicht kennt, fallen oft 
mehreremale täghch ; leichtere Ladungen halten auch wohl, aber selten, 
tagelang an; alles niedere Land wird unter Wasser gesetzt; die Flüsse 
des oberen Landes treten aus und viele Savannen gleichen Seen, über 
^ie man mit grösseren Ruderbooten fahren kann. Flussfische ziehen in 
die überschwemmten Waldungen ein und leben von Früchten und 
saftigen Beeren. Im Innern des Landes, wo die Ufer steil und bergig 
sind, kann der Unterschied zwischen dem höchsten Wasser der Regenzeit 
und dem tiefsten der Trockenzeit 10—13 ^ betragen. Gegen die Mitte 
<Ies Juli nehmen die Regenschauer ab und fallen nur noch zu gewissen 
Tageszeiten und Nachtstunden.'* 

Anders wiederum, als auf dem guayanischen Schollenlande und 
an der nördlichen Küste von Südamerika finden wir die Regen- und 
Trockenzeiten, sowie die Niederschlagsmengen, im Amazonenthal 
verteilt. In Parä*), an der Mündung des Amazonas, gleicht jahraus 



*) Schomburgk, Rieh., Bd. II S. 143 ^) Dieselben verteilten sich 
in folgender Weise auf das Jahr: Januar 23; Februar 17; März 21; 
April 20; Mai 24; Juni 27; Juli 27; August 15; Septemberj3; Oktober 4; 
November 14; Dezember 21 Regentage. ^} Hann, „Klimatologie'* Bd. II 
S. 358. *) Bates S. aS- 



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- 3' — 

jahrein ein Tag dem andern. Ein kleiner Unterschied besteht zwischen 
der trockenen und der nassen Jahreszeit; in der Regel aber wird die 
trockene Jahreszeit, von Juli bis Dezember, durch Regenschauer unter- 
brochen, die nasse, von Januar bis Juni, durch sonnige Tage, Zu 
Santarem *j, am Einflüsse des Tapajoz in den Amazonas, beginnt die 
Regenperiode Anfang Februar und ist vom April bis Juni am stärksten 
ausgebildet; vom August bis zum Februar verstärkt sich die Heftigkeit 
der Ostwinde; dann herrscht fast vollkommene Dürre und heiterer 
Himmel. Der späte Beginn der Regenzeit in Santarem und der völlige 
Regen mangel während der Trockenzeit beruhen beide wohl auf lokalen 
Verhältnissen, denn Santarem liegt nach Bates^j inmitten eines Camp- 
Distriktes, wo wahrscheinlich die zwischen Tapajoz und Xingu bis zum 
Amazonas vorspringende bewaldete Hochlandszunge den Regenschatten 
wirft. Dass diese eigentümlichen Niederschlagsverhältnisse lokaler Natur 
sind, beweist auch der Umstand, dass weiter oben am Tapajoz, in der 
Nähe der Fälle (4*30* s) Bates') das Klima auch in der Trockenzeit 
feuchter fand und Coudreau*) auf seiner meteorologischen Tabelle, 
worauf er das Wetter am Tapajoz vom 28. August 1894 bis i. Januar 1895 
angegeben hatte, von diesen 127 Tagen 25 Regentage verzeichnete. 
Oktober und November hatten an je 16 Tagen Regen. Da auch Bates^) 
für Villa Bella, am Einflüsse des Parana do Ramos in den Amazonas, 
eine kleine Regenzeit erwähnt, die bereits zu Manaos deutlich hervortritt, 
so dürrte unsere Annahme, dass zu Santarem nur lokale Einflüsse eine 
kleine Regenzeit verhindern, fast zur Gewissheit erhoben sein. Zu 
Manaos liegen auch genauere Aufzeichnungen über die dortigen Regen- 
mengen vor. So bringt das Novemberheft der „Revista do Observatorio 
de Rio de Janeiro" vom Jahre 1891 die Resultate vierjähriger Regen- 
messungen. Darnach beträgt die Jahresmenge 2359 mm. 

Am grössten ist die Feuchtigkeit oberhalb Manaos. Hier regnet 
es fast das ganze Jahr. Die schwersten Regen fallen von März bis 
August. Von St. Paulo am oberen Amazonas erzählt Bates:*) 
„Mein Haus war noch feuchter als das, welches ich in Fonta Boä be- 
wohnte, und es hielt ausserordenthch schwer, meine Sammlungen zu 
bewahren, dass sie nicht durch die Feuchtigkeit litten In St. Paulo war 
es unmöglich, das Salz einige Tage in einem festen Zustande zu erhalten, 
während man in Ega die Körbe, in denen es aufbewahrt wurde, nur gut 
mit Blätter zu umhüllen brauchte. Sechs Grad weiter westlich, nämlich 
am Fuss der Anden, scheint die Feuchtigkeit des Klimas der amazonischen 
Wälder den höchsten Punkt zu erreichen, denn Pöppig fand bei 



*) Griesebach S. 379. ") Bat es S. 200, 203, 204. ') Bates S. 235. 
*) Coudreau, voyage au Tapajoz 1897. 'j Bat es S. 156. *) Bates 
S 404 und 405. 



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— 32 — 

Chinchao, dass der am besten raffinirte Zucker sich in wenigen Tagen 
in Syrup verwandelt und das beste Schiesspulver, selbst in Blechbüchsen 
verwahrt, flüssig wurde. Bei Säo Paulo hielt sich raffinirter Zucker in 
Zinnbüchsen ganz gut und ich hatte keine Schwierigkeit, mein Schiess- 
pulver in Blechbüchsen trocken zu erhalten, obgleich eine Flinte, die 
über Nacht geladen blieb, am Morgen selten abgefeuert werden konnte." 
Ähnliches berichten uns von dieser Gegend Spruce'), Condamine*), 
Orton'), Galt*) u. a. 

So die Verhältnisse im Amazonental. Betrachten wir nun das 
Gebiet südlich der grossen Amazonasrinne. Dieser Teil steht fast ganz 
unter der Herrschaft des Südostpassats, der vom Atlantischen Ozean 
über den Kontinent bis zur Hylaea und zu den Anden hinweht. Da aber 
auch hier die vertikale Gliederung des Landes ihren Einfluss auf die 
Niederschlags Verhältnisse in nicht unerheblicher Weise zur Geltung 
bringt, indem nämlich die Serra do Mar, die sich längs der ganzen 
Südostküste erstreckt, die Feuchtigkeit des Passates aufhält und dem 
Binnenlande so den atlantischen Wasserdampf entzieht, so empfiehlt es 
sich hier, die Küstengebiete und die Campgegenden des Innern streng 
auseinander zu halten. Wie liegen nun die Niederschlagsverhältnisse 
an der Küste ? 

Vom Nordende der Serra do Mar bis gegen Bahia zu ist der 
Küstenstrich sehr niederschlagsreich. Pernambuco hat z. B. nach vier- 
jährigen Beobachtungen eine jährliche Regenmenge von 2752 mm, und 
die Winterregen herrschen hier vor Die Ursache dieser Winterregen 
schreibt Hann dem Umstände zu, dass die Hochebenen im Innern im 
Winter relativ zu kalt sind gegenüber dem Wasser des Ozeans, weshalb 
die kalte Luft aus dem Innern gegen das Meer hin abfliesst und infolge- 
dessen den Passat zum Aufsteigen zwingt.*) Auf den Hochebenen der 
Sierra do Mar im Innern bis ebenfalls gegen Bahia zu herrschen oft 
grosse Perioden der Dürre, weshalb Steppen- und Wüstenbildungen hier 
häufig sind (z. B. die Sertäos von Bahia und Algoas). Namentlich das 
Innere von Ceara leidet in noch höherem Masse an solchen Dürren, weil 
hier der Passat parallel zur Küste weht. 

Weiter im Süden, in Minas geraes, ist der Winter die trockene 
Zeit (vom Mai bis Oktober) und der Sommer (vom November bis April) 
die Regenzeit. Aber auch zur trockenen Jahreszeit sind Strich- und 
Platzregen nicht selten und trübe Tage sehr häufig. Der Sommer 
zeichnet sich dagegen fast durch täglichen Regen und heftige Regengüsse 
aus. In Ouro Preto betrug z. B. die Regenmenge während 27 Tagen 



*) Spruce, Journ R.G.Bd. 31 S. 175. ^) Condamine p. 27. 
')Orton, S. 181. *) Galt, S. 380. *) Hann, Bd. II S 370. 



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— 33 — 

89 Pariser Zoll = 3,296 Zoll per Tag.*) An den Küsten von Espirito 
Santo und in Rio de Janeiro regnet es dagegen das ganze Jahr, im 
Mittel jedoch zumeist im Sommer: die trockensten Monate sind Juni 
bis August. Auch in Sao Paulo sind zwar die Sommerregen noch 
ausgeprägt, aber auch die übrige Jahreszeit zeigt in jedem Monat 
Regenfall,^) so dass hier der Übergang zu den südlichen Provinzen 
Brasiliens südlich des Wendekreises mit Niederschlägen zu allen Jahres- 
zeiten deutlich bemerkbar ist. Dort, im südlichen Parana, in St. Catha- 
rina, in Rio Grande do Sul, sowie im Staate Uruguay regnet es das 
ganze Jahr, das Maximum der Niederschläge fällt jedoch in den Winter, 
von Juni bis September. Auch hier sind es die östlichen Seewinde, 
die die Feuchtigkeit in das Land bringen, so dass sich infolge der Er- 
hebung des Küstengebirges die Niederschläge, wie im Norden des 
Wendekreises, nach dem Binnenlande hin vermindern. Doch auch von 
N. nach S. ist eine Abnahme der Niederschläge bemerkbar, denn 
während Lange in Säo Paulo während seiner Reise für Januar 21, 
Februar 16, März 22, April 19, Mai 13, Juni 4, Juli 10, August 6, Sep- 
tember 22, Oktober 16, November 15, Dezember 24 Regentage ver- 
zeichnen konnte,') kommen in Rio Grande do Sul in Durchschnitt im 
Sommer nur 19, im Herbst 15, im Winter 18 und im Frühjahr nur 
13 Tage mit Regenfall vor.*) 

Wir wenden uns nun gegen das Gebiet westlich der Serra do 
Marl Da letzterer Gebirgszug, wie schon einigemal erwähnt, sich längs 
der ganzen Südostküste erstreckt und infolgedessen die Feuchtigkeit 
des Passates aufhält und dem Binnenlande so den atlantischen Wasser- 
dampf entzieht, so herrschen auf dem Tafellande des brasilianischen 
Berglandes meistens, wo nicht fliessende Wasser den Boden tränken, 
Savannen vor, die auch Campos genannt werden und in denen die 
regelmässige Zenitregenzeit des südhemisphärischen Sommers von den 
regenlosen Monaten des Passatwindes scharf getrennt ist.®) Dennoch 
ist das Binnenland noch feucht genug, zählreichen Strömen das Leben 
zu geben, denn die Luft enthält durch den Einfluss des S.-O. doch noch 
soviel Feuchtigkeit, dass bei der starken nächtlichen Abkühlung über 
dem Plateau selbst in der Trockenzeit Taubildung stattfindet.*) Ausser- 
dem sind hier die Regenzeiten von nördlichen Winden begleitet, welche 
dem südlichen Passat entgegenwehen, und wo beide sich begegnen, 
werden aufsteigende Luftströme erzeugt, die reichliche Niederschläge 



*) Tschudi: „Die Provinz Minas geraes'*, Gotha, Justus und 
Perthes 1862. ^) Lange, „Aus dem Staate Sao Paulo". (Pet. Mittig. 1891 
S. 15. Siehe auch Tabelle.) «) Lange, P. M. 1891 S. 15. '') Be- 
schoren, Pet. Erg.-Hft. Bd. 21 S. 78. ®) Grisebach, S. 395. 
•) C lau SS, Pet. Mittig. 1886 S. 130. 

Reindl, Schwarze Flüsse. 3 



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- 34 — 

veranlassen.') Stets folgen dann die ersten Regen, wo die Wirkung 
der Insolation bei unbewölktem Himmel am grössten ist. Einen Einfluss 
auf die Dauer der Niederschläge übt hier grösstenteils aber nicht die 
geographische Breite, sondern die plastische Gestaltung der Landschaft 
aus. So tritt in Goyaz unter dem sechzehnten Parallelkreise, wo die 
Sonne erst Ende November in das Zenit tritt und im Januar dahin 
zurückkehrt, die nasse Jahreszeit schon im September ein und dauert 
bis zum April.') Ehrenreich beobachtete dort sogar den letzten 
Regenfall erst am ii Juni.*j Besonders aber zeigt sich an den Flüssen, 
die in grossen Thälern und von Urwäldern begleitet dahinfliessen, der 
topographische Einfluss des Landes auf die Regenverhältnisse. Die 
Niederschläge sind hier reicher und grösser als auf den Campos 
und bedingen eine grosse Wasserfülle de Ströme. Die Regen - 
beobachtungen, die Clauss in seinem Bericht über die Xingü- 
Expedition vom Cuyabä-Gebiet gibt,*) dürften auch ein annähernd ähn- 
liches Bild vom Quellgebiet die Xingü und des Tapajoz liefern, da diese 
Erdstriche sich unmittelbar berühren. Nach Clauss beginnt die Regen- 
zeit in Cuyaba mit dem September und hört im Mai auf Vom Juni bis 
August kommen nur ganz ausnahmsweise Regenfälle vor, und diese 
Monate repräsentieren daher die eigentliche Trockenzeit. Die grössten 
Regenmengen fallen nach Clauss in den Monaten Dezember bis März. 
Der grösste Regen fall betrug iii mm innerhalb ^U Stunden am 
13 Februar 1885. Im Jahre 1879—80 betrug die Regenmenge 1732 mm; 
1880—81 1520 mm; 1884—85 1285 mm. Im Gebiete der schwarzen 
Flüsse Maue-assu, Abacaxis und Canuma dauert die Regenzeit vom 
Februar bis incl August, aber auch in der Trockenzeit fand Chand- 
less im oberen Teil des Abacacis häufige Regenschauer, während es 
dagegen am Unterlaufe des Flusses gar nicht regnete ^j Damit wären 
wir bereits in das Gebiet der westlichen Amazonasniederung gekommen, 
wo in der Nähe des Äquators bei Manaos noch zwei Regenzeiten und 
zwei Trockenzeiten ausgeprägt sind, weiter westlich davon es aber fast 
das ganze Jahr regnet. Erst weiter südlich, ungefähr unter 10** s. Hr., 
ist die Andeutung einer kleinen Regenzeit wieder gegeben,*) die bis 
zu dieser Breite hin durch die mit dem Vorrücken der Sonne nach S. 
intensiver werdende Aspiration des Plateaus unterdrückt wird.') 

C. Hydrographie. 

Auf der brasilianischen Masse und in der grossen 
Amazonasniederung, welche Gebiete wir im Vorhergehendem 

*)Grisebach, S. 399. *) St. Hilaire in Nouv. Annales des 
voyages 1847 S. 50. Jahresb. ') Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. z. Brl 1891 
S. 177. *) Cla u SS, Pet. M. 1886 S. 169. ') C han dl e s s, J ourn.R.G.S. 1870 
S. 430. •) Chandless, R. G. S. Bd. 36 S. 91. ') Schichtel S. 47. 



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- 35 - 

in topographisch-geologischer und in meteorologischer Hin- 
sicht behandelt haben, kommen die sogenannten „Schwarz- 
wasserflüsse mit klarem, dunklen Wasser,* wie sie uns 
Humboldt vom oberen Orinocogebiete zwischen dem 3. und 
4. Grade nördlicher Breite schilderte, in grosser Anzahl vor. 
Namentlich sind diese eigenartigen Gewässer charakteristisch 
ausgeprägt in Britisch-Guayana , im Gebiete des oberen 
Orinoco und Rio Negro, im unteren und oberen Amazonas-, 
thal und auf der Sierra do Mar. 

Bei der nun folgenden Einzel-Betrachtung dieser Flüsse 
haben wir folgende Gruppen aufgestelt: 

I. Die schwarzen Flüsse des Orinocosystems ; 
II. „ „ „ „ Guayanas; 

III „ „ „ „ Amazonassystens ; 

a) rechtsseitige Amazonaszuflüsse; 

b) linksseitige „ 
IV. „ „ „ „ bras. Berglandes. 

V. Zweifelhafte Schwarzwasserflüsse. 

Bevor wir jedoch die Einzelbetrachtung dieser Flüsse beginnen, 
möchten wir noch kurz auf zwei Punkte aufmerksam machen, die, 
sofern wir sie nicht jetzt schon in Erwähnung bringen, später zu Ver- 
wirrungen und Missverständnissen führen könnten. Einmal darf an die 
Worte „gross" und „klein" bei diesen Strömen nicht der Massstab 
unserer deutschen oder auch europäischen Flüsse gelegt werden. „Der 
Pimichin", schreibt Humboldt, „der dort ein Bach (Cano) heisst, ist 
so breit wie die Seine, der Galerie der Tuilerien gegenüber."*) „Was 
man in Frankreich einen grossen Fluss nennt, ist in S.-Amerika", sagt 
C r e V a u X , „ein Creek." ^) 

Ferner darf bei den Ausdrücken und Bezeichnungen „Rio Blanco" 
und „Rio Negro" (oder Rio Preto), wo die Schwarzwasserflüsse auf 
einem bestimmten Gebiete charakteristisch auftreten, nicht an einen 
starken Kontrast bezüglich der Wasserfärbung dieser Flüsse gedacht 
werden, wie er etwa besteht zwischen dem Hz- und Donauwasser. 
Wer schon einmal an der Stelle gestanden, wo sich der „schwarze" 
mit dem „xveissen" Regen vereinigt, wird nur einen ganz geringen 
Unterschied in der Farbe dieser Gewässer bemerkt haben, und unseren 
Gebirgsflüssen auf der bayerischen Hochebene gegenüber wäre der 

*) Humboldt, Reise etc. S. 243. ^) Schichtel S. 57. 

3* 



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- 36 - 

weisse Regen immerhin noch ein ganz dunkler Fluss.* Dieselben Ver- 
hältnisse dürfen wir auch in Britisch-Guayana oder am oberen Orinoco, 
überhaupt, wo die sogenannten Schwarzwasserströme einem weiten 
Gebiete eigen sind, voraussetzen. Namentlich zwischen den Rio Pretos 
und Rio Pardos dürfte nur ein ganz geringer gradueller Unterschied 
in ihrer Färbung bestehen und ihr beiderseitiges häufiges Vorkommen 
auf einem gemeinschaftlich bestimmten Bezirke zur Annahme berechtigen, 
dass die ähnliche Farbenerscheinung ihrer Wasser auf die gleiche 
Ursache zurückzuführen ist. 

I, Die schwarzen Flüsse des Orinocosystems. 

Wir beginnen zuerst mit der Betrachtung und Be- 
schreibung jener schwarzen Flüsse, die zum Flusssysteme 
des Orinoco gehören. 

Es sei uns gestattet, einleitend das anzuführen, was Humboldt 
in seinem vortrefflichen Reisebericht über diese Flüsse sagt:') „Mit der 
Mündung des Rio Zama", so führt er aus, „betraten wir ein Flusssystem, 
das grosse Aufmerksamkeit verdient. Der Zama, der Mataveni, 
der Atabapo, der Tuamini, der Temi, haben schwarzes 
Wasser (aquas negras), das heisst, ihr Wasser, in grossen Massen 
gesehen, erscheint kaffeebraun oder grünlich schwarz, und doch sind 
es die schönsten, klarsten, wohlschmeckendsten Wasser. . . Wenn ein 
gelinder Wind den Spiegel dieser schwarzen Flüsse kräuselt, so er- 
scheinen sie wiesengrün, wie die Schweizer Seen. Im Schatten ist der 
Zama, der Atabapo etc. schwarz wie Kaffeesatz. Diese Erscheinungen 
sind so auffallend, dass die Indianer allerorten die Gewässer in „schwarze 
und weisse" einteilen." 

Vcn den meisten schwarzen Flüssen dieses Gebietes 
ist freilich leider nur der Unterlauf einigermassen bekannt, 
während uns Nachrichten über den Ursprung und den Mittel- 
lauf derselben soviel wie gänzlich fehlen. Nur der Atabapo 
und der Ynirida sind uns in ihrem ganzen Laufe näher 
bekannt geworden. 

Die Erforschung des ersteren verdanken wir namentlich 

*) Ich denke dabei auch an den „Weissen Nil", der trotz seines 
Namens ein „tintenschwarzes" Wasser hat. (Siehe Schwein furth: 
„Im Herzen von Afrika", während der Jahre 1868— 1871, Leipzig 1878 
S. 17.) Humboldt, Reisen etc. S. 192. 



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— 37 - 

Humboldt,^) Montolieu^) und dem Grafen Stradelli.^) 
Seinen Ursprung hat er südlich des Orinoco, wo er als 
Atacavi*) unter 30 n. B. aus mehreren Seen entsteht und unter 
diesem Namen etwa 160 km nach Westen fliesst, um sich 
bei S. Cruz mit dem Temi zu vereinigen. Dieser letztere 
hat seine Wiege südlich des 3. Breitengrades, fliesst zuerst 
nach Südwesten bis Yavita, empfängt hier den ebenfalls 
schwarzen Tuamini und wird darauf durch eine von Norden 
nach Süden streichende Hügelkette nach Norden geworfen. 
Der Temi bildet auf seinem Laufe zahlreiche Stromschnellen 
und empfängt eine Reihe von kleineren schwarzen Tribu- 
tären. Seine Ufer sind äussierst einförmig und von Urwäldern 
begleitet. Er bildet auf seinem ebenen Terrain zahllose 
Schlingen, und der Wald steht meist bis 10 km weit vom 
Ufer entfernt unter Wasser. An seiner Mündung hat der 
Temi eine Breite von 155 bis 175 m, eine Breite, die ihn in 
Europa das Recht gäbe, sich dort bedeutenderen Flüssen an 
die Seite zu stellen. 

Bei Cruz vereinigen sich, wie schon erwähnt, Atacavi 
und Temi zum Atabapo. Verstärkt durch eine Reihe weiterer 
Zuflüsse, von denen nur der bei Baltazar mündende Garza 
omari und der oberhalb Chamucida endende C. Ucaqueni 
genannt sein sollen, eilt nun der Fluss in vorherrschend 
nördlichem Laufe dem Orinoco zu, den er bei S. Fernando 
de Atabapo hart unter dem 4^ n. Breite erreicht.^) 

Da es am Atabapo fast das ganze Jahr hindurch 
regnet, so ist der Fluss beständig hoch. Er hat überall ein 
eigentümlich einförmiges Aussehen und das eigentliche Ufer 
ist nirgends sichtbar, da es beständig überschwenimt ist. 

Ein grosser Kontrast besteht zwischen der Atabapo- 



') Humboldt, A. v., „Reisen in die Äquinoktial-Gegenden." 
^) Siehe: Bulletin de la Soc. de Ggr. de Paris, April 1888. «) Stra" 
delli, E., Note di viaggio nelP Alto Orinoco (con 17 disegni et una 
carta) B. S. Geogr. Ital. Ser. 3 Vol I 1888. *j Sievers: „Amerika" 
S. 192. *) Vergl. „Karte des Bifurcations- Gebietes des Orinoco," Geogr. 
Rundschau III Heft 4. 



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- 38 - 

und Orinocolandschaft. Humboldt gibt davon eine treffliche 
Schilderung. Er sagt: ^Sobald man das Bett des Atabapo 
betritt, ist alles anders, die Beschaffenheit, der Lauf, die 
Farbe des Wassers, die Gestalt der Bäume am Ufer. Bei 
Tage hat man von den Moskiten nicht mehr zu leiden, die 
Schnaken mit langen Füssen (Zancudos) werden bei Nacht 
sehr selten, ja oberhalb der Mission San Fernando ver- 
schwinden diese Nachtinsekten ganz. Das Wasser des 
Orinoco ist trübe, voll erdiger Stoffe, und in den Buchten 
hat es wegen der vielen toten Krokodile und anderer 
faulender Stoffe einen bisamartigen, süsslichen Geruch. Um 
dieses Wasser trinken zu könifen, mussten wir es nicht 
selten durch ein Tuch seichen. Das Wasser des Atabapo 
dagegen ist rein, von angenehmem Geschmack, ohne eine 
Spur von Geruch, bei reflektiertem Lichte bräunlich, bei 
durchgehendem gelblich. Das Volk nennt dasselbe „leicht'', 
im Gegensatze zum trüben, schweren Orinoco wasser. Es 
ist meist um 2^, der Einmündung der Temi zu um 3 ^ kühler 
als der Orinoco. Wenn man ein ganzes Jahr lang Wasser 
von 27 bis 28 trinken muss, hat man schon bei ein paar 
Graden weniger ein äusserst angenehmes Gefühl. Diese 
Temperatur rührt wohl daher, dass der Fluss nicht so breit 
ist, dass er keine sandigen Ufer hat, die sich am Orinoco 
bei Tag auf 50^ erhitzen , und dass der Atabapo , Temi, 
Tuamini und der Rio Negro von dichten Wäldern beschattet 
sind.'' 

Die Länge des Atacavi- Atabapo beträgt 260 km;') die Quellseen 
des Atacavi liegen ungefähr 300 m über dem Meere; Yavita am Temi 
besitzt nach Humboldt eine Meereshöhe von 323 m (nach Montolieu 
300 m), San Fernando de Atabapo 238 (nach Montolieu 237 m). Die 
mittlere Geschwindigkeit des. Atabapo beträgt 650—600 mm in der 
Sekunde. 

Ein anderer Schwarzwasserfluss im Orinokogebiete, der 
fast bis zu seiner Quelle befahren wurde, ist der Ynirida, ein 
Nebenfluss des Guaviare. Der Franzose F. Montolieu 



*j Als Vergleich : „Die Länge der Isar beträgt 270 km, die der 
Aar 280 km." 



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— 39 — 

war es, der ihn näher erforscht hat.i) Man verlegte früher 
seine Wiege auf die Cordillieren; allein das ist nicht richtig. 
Er hat vielmehr seinen Ursprung auf einem Höhenzug, der 
sich westlich des 72 o östl. L. ungefähr 34 km nördlich und 
südlich des 2« n. B. erstreckt, den Namen Yimbi führt und 
den westlichsten Ausläufer der Wasserscheide zwischen 
Orinoco- und Amazonassystem bildet. 

Verstärkt durch mehrere andere Quellflüsschen überschreitet der 
Ynirida den 2* n. Br. und wird dann durch eine herantretende Hügel- 
kette nach Nordosten gedrängt Diese Kette zeigt in ihrem Verlaufe 
eine Reihe von tiefen Einschnitten, und die Annahme Montolieus, 
dass vom Ynirida zum Guainia eine direkte Verbindung bestehe, 
wenigstens zur Hochwasserzeit, wird dadurch fast zur Gewissheit 
erhoben. Auch Humboldts Erkundigungen bei den Indianern decken 
sich mit dieser Annahme.*) 

Er ist in Granit eingebettet und zeigt sehr zahlreiche 
Stromschnellen und Katarakte. Seine Länge beträgt unge- 
fähr 400 km. 

Auf der linken Seite empfängt der Orinoco noch als 
schwarze Zuflüsse den C. Mataveni und den C. Zama, 
von denen aber leider nicht viel mehr bekannt ist, als ihre 
Mündung.3) 

Von rechts strömen ihm zahlreiche Flüsse West- 
guayanas zu, darunter ebenfalls solche mit dunkler Färbung. 
So münden in der Ebene von Esmeralda, am Fusse des be- 
kannten Duidas, zahlreiche Schwarzwasserflüsse 
und -bäche, die durch ihre Reinheit und Klarheit dem 
Guainia- Wasser vollständig ähnlich sind.*) Auch der 
Padamo, den Robert Schomburgk^) und Georg Hüb- 
ner^) uns bekannt gemacht haben, zeigt jene dunkle Farbe. 
Er ist ungefähr 250 km lang und hat seine Quelle auf der 
Sa. Pacaraima. In seinem Oberlaufe ist er 30—40 m breit 

*) Bulletin de la Soc. de Geogr. de Paris; April 1888. ^) Hum- 
boldt, Bd. III S. 264. •) Ebenda Bd. III. S 192. *) Ebenda Bd. IV 
S. 54. *) Schomburgk Robert, „Reisen in Guiana und am Orinoco". 
S. 441, 448, 452, 451, 455, 458, 459. *) Hübner Georg, „Reise im 
Orinocogebiet." (Deutsche Rundschau 1898 S. 19.) 



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— 40 — 

und zeigt eine sehr rasche Strömung. (3. Meilen in der 
Stunde.) In seinem Mittellaufe ist er 80—90 m breit und 
bildet hier unzählige Wasserfälle. Am grossartigsten darunter 
ist der Katarakt bei der Vereinigung des Kundanama mit 
dem Padamo. 

In seinem Unterlaufe breitet sich der Padamo immer 
mehr aus und bildet flachere Ufer. Die Strömung wird hier 
sehr gering, aber das Wasser nimmt nach der Aufnahme des 
Matakuni eine hellere Färbung an. Bei seiner Mündung in 
den Orinoco hat der Padamo eine Breite von 260 m (nach 
Hübner nur 150 m!). Die Indianer nennen den Fluss Parämu. 

Ein anderer Schwarzwasserfluss Guayanas, der zum 
Orinocosystem gehört, ist der Cannaracuna, der dem 
Meröwari von West-Nord- West her zufliesst. „Sein Wasser 
ist schwarz", schreibt Schomburgk, „und bildet einen 
strengen Kontrast gegen die rötlichen Fluten des M€r6wari.*' 
Der Cannaracuna ist ziemlich seicht und windet sich unter 
zahllosen Wasserfällen im Sandsteingebiet dahin. Seine 
Mündung in den Mer^wari erfolgt unter 4 ^ 30 n. Br.i) 

II. Die schwarzen Flüsse Guayanas. 

Neben den bereits behandelten Strömen Guayanas, die 
dem Orinoco tributär sind, fliessen auch manche Schwarz- 
wasserflüsse Guayanas dem Atlantischen Ozean direkt zu. 
Die Entdeckungsgeschichte von einigen derselben reicht bis 
in die Zeit der Conquistadoren und Goldsucher zurück, allein 
die Namen eines Hortsmann aus Hildesheim, eines Don 
Francisco Jose Rodriguez Barata, eines Don 
Antonio Santos, eines Philipp v. Hütten und wie sie 
alle heissen,2) haben mehr historisches, als geographisches 
Interesse. Von wissenschaftlichem Werte für die Erforschung 
Guayanas waren erst die Reisen der Brüder Robert und 
Richard Schomburgk,») die von der „Royal Geogra:phical 

') Schomburgk, Robert, a. a. O. S. 427 und 428. ^) Siehe 
Schomburgk, Richard, „Reisen etc/' II Tl. S. 373; Schomburgk, 
Robert. S XV-XXIV Vorwort. *) a a. O. 



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— 41 — 

Society in London'* dorthin gesandt wurden. Bedeutend sind 
auch die Forschungen F. Appuns,i) der 1849—1868 un- 
ermüdlich in Guayana und Venezuela thätig war, sowie die 
Reisen und geologischen Aufnahmen Guayanas durch Charles 
ßarrington Browns im Jahre 1870.2) 1875 durchforschten 
sodann Sawkins und Galmers Britisch -Guayana ,8) 1878 
weiter gelangte Thurn auf seiner Reise dortselbst den 
Essequibo und Rupununi hinauf nach den Pirara und Quatata 
und auf der Wasserscheide von da nach dem brasilianischen 
Fort Joaquim am Rio Branco>) 1883 bis 1885 endlich reiste 
H. A. Crevaux vom Rio Branco zu den Quellen des Esse- 
quibo, worauf er dann den oberen Trombetas untersuchte.^) 

Betrachten wir nun einzelne dieser Schwarzwasserflüsse 
von Guayana, die ihre Fluten dem Atlantischen Ozean zusenden. 

Hieher gehört der: i. Barima *) Er entsteht auf dem Imataca- 
gebirge und wurde von Richard Schomburgk fast bis zur Quelle 
befahren. Der ganze Oberlauf des Flusses ist in das Urgebirge 
eingebettet (pag. 210) und zeichnet sich durch seine reissende Strömung 
aus. Schon bei seiner Aufnahme des Rocky-River hat der Fluss eine 
Breite von circa 10 m (pag. 210). Zahlreiche Katarakte und zahllose über- 
einander gestürzte Bäume, die den Fluss nach allen Richtungen hin 
durchkreuzen, bilden der Flussfahrt ein unübersteigliches Hindernis. 
Die Strömung betrug nach Schomburgk 6,5—7 km per Stunde. Seine 
■ bedeutendsten Zuflüsse sind auf dieser Strecke der Rocky River, 
Mehokawaina, Wanama, Nakukai. 

Der Fluss, der bis Manari, deren Lage Schomburgk auf 7*35' 
34" n. B. und 6o'o' 36" w. L. bestimmte, östliche Richtung hat, fliesst 
von da ab nordöstlich bis Honobo, immer noch sich im Urgebirge be 
wegend. Bei Manari hat er bereits eine Breite von ungefähr 40 m und 
zeigt noch die gleiche dunkle Farbe wie bei seinem Ursprung Sein 
Zufluss Amissi steht in Verbindung mit dem Kaituma und ist auch des- 
halb noch merkwürdig, weil bis zu seiner Mündung die Einwirkungen 
der Ebbe und Flut deutlich noch erkennbar sind.') 

*) A p p u n , C. F., „Unter den Tropen". Wanderungen durch 
Venezuela, am Orinoco, durch etc etc. 1849— 1868 (Jena 1871). 
^) Proceedings of the R. Geogr. Soc of London, Vol. XV No. 2. 
*) Pet. Mittig. 1900 S. 140. *) Pet. Mittig. 1880 S. 441. *j Pet. Mittig. 
1900 S. 140. •) Die Beschreibung des „Barima" ist zusammengestellt 
aus Rieh. Schomburgjks „Reisen etc." I. Teil. ') Schomburgk, 
a. a. O. S. 190 



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~ 42 — 

Von Honobo an beginnt der Barima seinen Tiellandslauf und wird hier 
zugleich zum Küstenstrome. Seine wichtigsten Tributäre sind auf dieser 
Strecke der Kaituma und der Aruka, von denen der erstere an seiner Mün- 
dung ungefähr 60 m breit ist und schon in seinem Mittellaufe durch zahl- 
reiche Bäche und Flüsschen mit dem mittleren Barima in Verbindung steht. 
Der Aruka, den Schomburgk fast bis zur Quelle verfolgt hat, ist 
dunkelschwarz, aber unklar und läuft mit dem Kaituma parallel. Da 
sich die Wasserscheide zwischen Barima und Amacuru an den Quellen 
des Aruau, einem Seitenflusse des Aruca, bis zu 12—20 m senkt, so 
könnte es nach Schomburgk nichts leichteres geben, als einen Kanal 
hier zwischen Barima und Amacuru herzustellen, der von grossem Vor- 
teil für den Verkehr wäre (pag. 155). Mit dem Waini steht der Barima 
bereits in Verbindung und zwar mehrere Male. Namentlich ist es der 
Mora-Creek (oder der Maro-wan der Indianer), der eine bequeme Wasser- 
strasse zwischen den beiden Flüssen herstellt. Bei seiner Abzweigung 
vom Waini hat dieser Kanal eine Breite von ungefähr 40 m und eine 
Tiefe von 5 m, bei seiner Vereinigung mit dem Barima eine Breite von 
220 m und eine Tiefe von 6—9 m. 

Bei seiner Mündung, die grösstenteils versandet ist, hat der Barima 
eine Breite von etwa 50— 60 m. Die Länge des ganzen Stromes beträgt 
ungefähr 400 km (vgl. die Ems = 400 km). 

Während sein Wasser im Unterlaufe zwar dunkel, aber getrübt 
und salzig erscheint, „sind seine Fluten im Ober- und Mittellaufe ebenso 
klar und schw^arz als die des Takutu und Rupununi" (Bd. II S. 102 bei 
Schomburgk). 

2. Der Essequibo, der grösste FIuss Guayanas, zeigt 
in seinem Quellgebiete bezüglich seiner Färbung die gleiche* 
Erscheinung wie der Barima.^) Sein Name scheint, ebenso 
wie derjenige aller guayanischen Flüsse, einheimischen Ur- 
sprungs zu sein, wenigstens nach der Endung „bo" zu schliessen. 
Gleichwohl, sagt Reclus, berichtet Schomburgk von einer 
Legende, welche die Entstehung dieses Wortes auf einen 
Begleiter Christoph Columbus', aufDon JuanEssequibel 
oder J a i z q u i b e 1 , zurückführt.^) In der Region, wo er sich in 
den Atlantischen Ocean ergiesst, haben ihm die Uferbewohner 
den Namen Aranauma gegeben.^) Er ist etwas weniger lang 
als ihn die Karten von Schomburgk und Brown dar- 
stellen. (Das Quellgebiet des Essequibo rückt nach Coudreau 

') Schomburgk, Robert, S. 121. ^) Reclus, Bd. 19 S 15. 
«) Reclus, Bd. 19 S. 15. 



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— 43 — 

fast um einen Breitengrad weiter nach Norden, als ihn die 
Schomburgk'sche Karte angibt.^) 

Die Wiege des Essequibo liegt auf der Sierra Acarai, einem dicht- 
bewaldeten Granithügelzuge, der von S-W. nach N.-O. streicht. Die 
beiden Quellflüsse sind der Chipwa oder Essequibo und der Jaore.') 
Zur Regenzeit stellen in seinem Ursprungsgebiet zahlreiche Lagunen 
eine Verbindung mit dem Trombetas, einem Amazonastributär, her ") 
Sein Bett ist im Oberlaufe vollständig in Granit und Gneis eingegraben 
und wird durch unzählige Katarakte und Stromschnellen, unter denen 
der „König Wilhelm IV. Katarakt" am bekanntesten ist, unterbrochen. 
Die Breite des Stromes wechselt hier zwischen 30 und 50 m, und die 
Geschwindigkeit beträgt 2 V« Meilen in der Stunde. Zur Zeit der Über- 
schwemmungen, vom Dezember bis März, erhebt sich der Fluss bis 
gegen 10 m über seinen normalen Spiegel/» Da dieser Teil des Flusses 
bis zur Aufnahme des Rupununi schwarze Färbung zeigt, so wollen wir 
ihn als Oberlauf bezeichnen, im Gegensatze zu seinem Mittellauf, den 
wir von der Mündung des Rupununi bis zum Austritt aus dem Berglande 
rechnen, und der gekennzeichnet ist durch die verschiedene Färbung des 
Essequibowassers, bedingt durch die Aufnahme der oft anders gefärbten 
Nebenflüsse. 

Robert Schomburgk schreibt über diese Wasserveränderung 
des Essequibo folgendes: „Bei dem Wilhelmskatarakt ist sein Wasser 
dunkelbraun, das sich abe? erhellt, sobald es den weissen Rupununi 
aufgenommen; weiter nördlich wird er 'durch die roten Wasser des 
Siparuni abermals gefärbt, und noch weiter nach Norden gibt ihm der 
Potara seine frühere Farbe zurück, die er auch nun bis zu sainer Ver- 
einigung mit dem Mazaruni und Cuyuni beibehält, worauf er wieder die 
Farbe annimmt, die er nördlich vom Rupununi hatte.*) 

Von der Mündung des Mazaruni-Cuyuni an beginnt der Unterlauf 
des Essequibo. Der Fluss hat hier bei einer mittleren Breite von 8 See- 
meilen noch 45 Seemeilen bis zu seinem Einfluss in den Ozean. Der 
Essequibo gleicht auf dieser Laufstrecke mehr einem See als einem Fluss 
Die Mündung selbst ist 14 Meilen breit und wird durch drei flache Inseln 
in vier Kanäle geteilt, von denen die grösste Insel, Wakenaam, sieben 
Meilen lang ist.') 

*) Vgl. Schomburgk, Richard, „Reisen in Britisch- Guiana*',. 
Bd. I Karte; femer Coudreau, „La France 6quinoxiale'*, Bd. II Karte. 
^) Sievers, „Amerika", S. 74. *) Coudreau, Bd. II, S. 360. — 
Schomburgk, Rieh., Bd. II S 471. *) Schomburgk, Rob., S. 314, 
315,316,318. *) Schomburgk, Rob., S. 149. *) Schomburgk, Rob ^ 
a. a. O S. 41. 



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- 44 — 

Die Länge des Essequibo beträgt nach Reclus looo km (Rhein 
I220 km\*) seine mittlere Wassermasse in der Sekunde 2000 cbm. 

Der Essequibo hat auch zahlreiche direkte und indirekte Zuflüsse ; 
dieselben sind: 

a) Der Wapuan, der sich mit „seinem schwarzen 
Wasser von S.-Osten her in den Essequibo ergiesst/'^j Er 
entsteht auf der Sierra Acarai und scheint ein kleiner Fluss 
zu sein, b) Der Rupununi.s) Er ist im Oberlaufe ein 
Savannenfluss von Galeriewäldern begleitet und ist in Granit 
eingebettet. Anfangs schlägt er, von seinem Ursprung aus, 
nordwestliche Richtung ein, bis ihn der Gebirgszug Patighetiku, 
der sich auf seinem westlichen Ufer erhebt, diese aufzugeben 
zwingt. Wenige Kilometer darauf bahnt er sich einen Weg 
durch wildaufeinander geschichtete Granitmassen, verzweigt 
sich darauf in eine Menge Kanäle, vereinigt sich dann wieder 
zu einem Strome und stürzt sich nun als mächtiger Wasser- 
fall über den Granitgürtel von Cutatarua, der ungefähr 160 
geogr. Meilen von der Mündung entfernt liegt. 

Der Mittel- und Unterlauf des Rupununi hat lehmige und sandige 
Ufer,*) denen der Fluss seine nun lehmgelbe Farbe zu verdanken hat.**; 
Seine mittlere Breite beträgt 30—40 m. Auffallend ist seine geringe 
Tiefe, die meist i m nicht überschreitet. 

c) Der Mapire, ein Nebenfluss des Rupununi. Schom- 
burgk schreibt über ihn: „Der Fluss Mapiri, der sich um den 
nördlichen Fuss des Berges gleichen Namens herumwendet, 
vereinigt sich beim Eintritt in die Gebirge mit dem Rupu- 
nini von Osten her. Er hat schönes, schwarzes, kühles 
Wasser.*'«) d) Der Siroppafluss. Von ihm sagtSchom- 
burgk:*^) „Am östlichen Ufer des Essequibo erhoben sich 
einige Berge, die ihren Namen von einem Flüsschen erhielten, 
das an ihrem Fusse hinströmt und so schwarz ist, dass es 
die Indianer Siroppabach nannten, weil sein Wasser dem 
Syrup des Zuckers an Farbe, wenn auch nicht an Süssigkeit, 

*) Reclus, Bd. 19 S. 27. ^) Schomburgk, Robert, S. 313. 
*) Sqhomburgk, Richard, Bd. II S. loi und 102. *) Schomburgk, 
Robert, S. 22, 66, 68, 75. 93, 120. *) Schomburgk, Robert, S. 93. 
•; Ebenda, S. 79. ') Ebenda^ S. 139. 



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— 45 — 

gleicht. Der Indianer ist nie über einen passenden Namen 
in Verlegenheit. Wahrscheinlich wurden sie mit dem Flüss- 
chen erst bekannt, als die ersten Ansiedler schon angekommen 
waren und das Zuckerrohr gebaut hatten. Sie sahen den 
Syrup, und indem sie bemerkten, dass die trägen Wasser 
des Baches dieselbe Farbe hatten, hängten sie einen Vocal 
an das fremde Wort und indianisirten es/' e) Der Potaro- 
oder schwarze FIuss. Er wurde von B. Brown im 
April 1870 befahren.!) Seine Wiege hat er auf der Sierra 
Pacaraima und mündet nach einem Laufe von etwa 130 km 
unter 5^ 21' n. B. und 580 54 w. L. v. G. in den Essequibo. 
Nach Browns Berichten bildet er einen Wasserfall ersten 
Ranges, den „Kaieteur'', der einen ununterbrochenen Fall 
von 741 engl. Füss (230 m) hat. Sein Wasser ist klar und 
schwarz.2) f) Der Mazaruni. Er ist grösstenteils ein 
Savannenfluss und hat seine Quelle auf dem Ayancana- 
Gebirge. Seine Länge beträgt ungefähr 400 km (Neckar 
370 km). Für die Schiffahrt ist er beinahe ganz verschlossen. 
Bei den Katarakten von „Cichi" (in der Sprache der Macusi, 
„Sonne" bedeutend), steigt er von 420 m auf 150 m auf einer 
Strecke von 13 km herab.^) Er ist ganz in Sand- und 
Granitsteine eingebettet und wird von Galeriewäldern be- 
gleitet. Sein Wasser ist krystallhell und schwarz.*) g) Der 
Marawar, ein Nebenfluss des in den Cuyuni mündenden 
Wenamu. Seine Vereinigung mit dem Wenamu erfolgt in 
der Nähe des Bergzuges Auran-tipu.^) h) Der Ekruyeku 
ist ebenfalls ein schwarzer Fluss, „der ziemlich die Breite 
des Wenamu und ganz das kaffeebraune Wasser des Rio 
Negro hat/' 6) 

Ein weiterer Schwarzwasserfluss Guayanas, der sich 
in den Atiischen Ocean ergiesst, ist der 

3. Demerara, ein Parallelfluss des Essequibo. Die 

*) Siehe Engl. Wochenschrift „Nature" und Proceedings ot the 
R. Geogr. Sog. of. London; Vol. XV N. IL ^) S ch o m hur gk. Roh., 
S. 52 u. 148. *) Reclus, Bd. 19 S. 20. *) Seh om bürg k, Rob.. S. 43 
U.68. ')Schomburgk, Rieh., Bd. II S. 348. •) Ebenda, Bd. II S. 348. 



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- 46 - 

Entfernung zwischen diesen zwei Flüssen beträgt nirgends 
Icaüm mehr als ib—20 Meilen, und die Wasserscheide 
zwischen beiden liegt näher dem Essequibo als dem Deme- 
rara. Seinen Ursprung hat letzterer Fluss auf dem Maccari- 
<jebirge, das sich unter dem 4® 28' n. Br. dem Essequibo 
nähert. Ebenso, wie sein Parallelbruder, hat sich der 
Demerara in seinem Ober- und Mittellaufe in das Urgebirge 
eingegraben und ist dabei bestrebt, auch die Windungen 
und Stromveränderungen desselben nachzuahmen. In seinem 
Unterlaufe ist er Tieflandsfluss und der Einwirkung der 
Ebbe und Flut so bedeutend unterworfen, dass das Fallen 
und Steigen des Stromes 50 km von Georgetown entfernt 
noch ungefähr 12-16 Fuss (4 — 5 m) beträgt. 

Eine besondere Eigentümlichkeit des Flusses sind die „schwimmen- 
den Grasinseln** an seiner Mündung, die Schomburgk vortreßlich 
geschildert hat. Die Länge des Stromes beträgt 280 km, die ungefähr 
der des Lechs (260 km) oder der der Isar (270 km) gleichkommt. Die 
Breite an der Mündung beläuft sich auf 2—3 km. Auch der Demerara 
ist nur in seinem Unterlaufe (80 - 100 km) von grösseren beladenen 
Schiffen befahrbar, in seinem Mittel- und Oberlaufe bilden dagegen 
zahlreiche Stromschnellen und Fälle dem Verkehr ein fast unüber- 
windbares Hindernis Von seiner Wasserfarbe sagt Robert Schom- 
burgk: „Der Demerara hat in seinem Oberlaufe eine dunkle Färbung 
und ist in seinem Äussern bedeutend von dem schmutzigen Flusse 
verschieden, den er bei Georgetown bildet." *) 

Ein weiterer Schwarzwasserfluss Guayanas, der zugleich 
Hauptstrom ist, ist der 

4) Berbice,2) dessen Länge 560 km (vergl. Inn52okm; 
Main 520 km) beträgt. Seine mittlere Wassermasse in der 
Sekunde beläuft sich auf ungefähr 5CX) cbm. Bei seiner 
Mündung ist er 5 6 km breit und 8—10 m tief 100 km 
aufwärts ist er noch ebenfalls so tief und hat immer noch 
eine mittlere Breite von 2 km. Oft wird er auf dieser 
Strecke sogar „seeartig" und bietet der Schiffahrt günstige 
Verhältnisse. Vom 5^ n. B. an bis zu seinem Ursprünge ist 

^) Siehe Rieh. Schomburgk Bd. II S. 102; Rob. Schomburgk, 
S. 48, 51, 65, 150, 284; Reclus, Bd. 19 S. 27. ^) S ch o m bu r gk, 
Rob., S. 193, 194, 196, 197, 204, 211, 214, 217, 294. 



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— 47 — 

der Berbice dagegen fast unpassirbar. „Die Fahrt auf dem 
Fitwse'', schreibt Rob. Schomburgk, „ist in dieser Gegend, 
wo Stromschnelle auf Stromschnelle und Fall auf Fall folgt, 
so schwierig, dass wir nach zweitägiger, höchst ermüdender 
Arbeit kaum 5 Meilen vom Itabru entfernt waren. Oft 
brauchten wir gegen zwei Stunden, um nur 180 m vorwärts 
zu kommen, wozu die vereinten Kräfte der ganzen Mann- 
schaft erfordert wurden." Landschaftlich bietet aber der 
Fluss auf diesem Laufe herrliche Reize; namentlich der 
„Weihnachts-Katarakt" soll nach Schomburgk seines- 
gleichen in dieser Beziehung suchen. Auch der Berbice 
fliesst in seinem Mittel- und Oberlaufe im Urgebirge dahin. 
Die schwarzen Flüsse des Berbice-Systems sind : 
a) Der Waironi. Ein direkter Nebenfluss des Berbice 
und etwa 120 km lang. Die Strömung in seinem Oberlaufe 
ist so stark, dass Rob. Schomburgk in i Stunde bei 
seiner Thalfahrt 12 km zurücklegen konnte. Bei der Auf- 
nahme des Yawari ist der Waironi 15 m breit und 3 m tief. 
Die Wasserfarbe ist hier bedeutend dunkler als an der 
Mündung; gleichwohl ist sein Wasser auch dort noch 
„ziemlich schwarz und vollkommen klar.** Bei seiner Ver- 
einigung mit dem Berbice hat er bereits eine Breite von 
90 m und eine Tiefe von 7-8 m. Zahlreiche Krümmungen 
sind seinem Laufe eigentümlich. \) 

b"! Der Yawari. Er hat eine nördliche Laufrichtung, 
hellbraunes Wasser und ist ein Zufluss des Waironi von 
Süden her.^) 

c) D e r W a ft o k a , ebenfalls ein Nebenfluss des Waironi ; 
er ist bei seiner Mündung so gross wie der Waironi an 
dieser Stelle und ebenso schwarz.^) 

d) Auf Seite 290 seines Werkes erwähnt Robert 
Schomburgk ebenfalls einen Fluss, der schwarzes Wasser 
hatte, eine sehr bedeutende Strömung besass und wahr- 
scheinlich zum Berbicesystem gehört. 

*) Rob. Schomburgk, S 278, 282, 284,288. ^) Schomburgk, 
Rob., S. 282. "; Ebenda, S. 282. 



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- 48 - 

e) Ferner berichtet Rob. Schomburgk: 

„Während wir den Berbice hinaufstiegen, stiessen 
wir auf einen kleinen Fluss, der bei einer Breite von 
15 Yards (28 m) sein schwarzes Wasser unter 4^21' n. Er. 
in den Berbice ergoss, worauf er von „West bei Süd 
herfloss". (pag. 262 und 264.) 

5. Ein kleinerer Schwarzwasserfluss Guayanas, der in 
den Atlantischen Ocean sich ergiesst ist der 

Canje. Seine Länge beträgt ungefähr 150 km. In 
seinem Oberlaufe ist er „ziemlich dunkel gefärbt und hat 
eine reissende Strömung, etwa 7 km in der Stunde." Zahl- 
reiche Krümmungen sind ihm ebenso eigen wie seinen 
Parallelflüssen. Seine Mündung erfolgt unterhalb New- 
Amsterdam in den Atlantischen Ocean. ^) 

6. Ein mächtiger Atlantic-Tributär ist wieder der 
Corentyn, der ebenfalls ein Parallelfluss des Esse- 

quibo ist. „Der Corentyn", schreibt Reclus, „ist bereits 
ein mächtiger Fluss, wenn er die Felsen passirt, wo sein 
westlicher Begleiter, der Berbice, entspringt." 2) Er entsteht 
auf der Sierra Acarai , welche die Wasserscheide bildet 
zwischen dem Bassin des Amazonas und den zum Atlanti- 
schen Ocean fliessenden Guayana-Strömen. Bis zum 5® n. Br. 
fliesst er im Guayanischen Berglande dahin, für die Schiff- 
fahVt vollständig untauglich. Während der Regenzeit erhebt 
er sich hier 6—8 m über seinen normalen Wasserstand. 
Seine Strömung ist ziemlich stark, und seine Breite beträgt 
bei den Mavari-Monotopo-Fällen bereits 800 m. Die Wasser- 
farbe ist schwärzlich. 

Der Unterlauf des Corentyn, vom 5* n. B. an, bewegt sich im 
lockeren, kieselartigen Konglomeratboden, untermischt mit rotem Sand- 
stein, kleinen Körnern abgerundeten Quarzes, schieferhaltigem blauen 
Thon, lockeren Sandlagern etc. Die Flut ist 70 Meilen von der Mündung 
entfernt noch 30 Zoll hoch. Die Ufer sind meist niedrig; bei 5* 15' n. Br. 
hat der Fluss bereits eine Breite von 1200 m; 40 Meilen von der 
Mündung entfernt eine solche von 2 km im Durchschnitte. Die Mittel- 
höhe der Flut beträgt an der Mündung 2 - 3 m. 



*) Schomburgk, Rob-, S. 291. ^) Reclus, Bd. 19 S. 20. 



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— 49 — 

Die ganze Stromlänge des Corentyn beläuft sich auf 725 km 
(vergl. Weser 650 km) , seine mittlere Wassermasse in der See. auf 
icMX) cbm.') 

Der grösste Nebenfluss des Corentyn ist ebenfalls ein 
Schwarzwasserfluss; nämlich 

der Cabalaba. Dieser ist an seiner Mündung, unge- 
fähr unter dem 5. N. n. Br., 90 n: breit, erweitert sich aber 
6 Meilen weiter oben um ein Beträchtliches. Seine durch- 
schnittliche Tiefe beträgt auf dieser Strecke 2 — 3 m. Der 
Oberlauf ist noch nicht befahren worden. 

Wie sein Hauptfluss, der Corentyn, bildet auch er zahlreiche 
Windimgen und Catarakte. Seine Ufer sind dicht bewaldet und be- 
stehen aus Sandsteinen und Granit. „Der Cabalaba", schreibt Rob. 
Schomburgk, „erinnert mich wegen der Farbe seines Wassers, 
seiner zahlreichen kurzen Biegungen, seiner spitzen Sandbänke und 
der ähnlichen Fische, wozu auch der Stachelroche gehört, lebhaft an 
den oberen Rupununi."^) 

III. Die schwarzen Flüsse des Amazonen-Thaies. 

Herr Friedrich Katzer, früher Landesgeologe in 
Para, jetzt Landesgeologe in Sarajevo, hatte die liebens- 
würdige Güte, dem Verfasser zu schreiben: »Der Typus 
der Schwarzwasserflüsse Süd-Amerikas ist der Rio Negro 
im Staate Amazonas. Der in Südamerika, besonders im 
Amazonasgebiet allgemeine Sprachgebrauch bezeichnet jedoch 
als Schwarzwasserflüsse auch jene, deren Wasser im auf- 
fallenden Lichte dunkelgrün erscheint, wenngleich es viel 
klarer ist als die sog. ,weissen' Flüsse. Vielleicht wollen 
Sie diese auch in den Kreis Ihrer Darstellung ziehen. 
Dann könnten Sie vom Tapajös, als den Typus eines solchen 
,schwarzen' Flusses ausgehen. Schwarzwasserflüsse dieser 
Art sind mehr oder minder alle Zuflüsse des Amazonas; 
dieser selbst aber ist ein ,Hellwasserfluss'." 

Die Ausscheidung zweier verschiedener Typen von Schwarz* 
wasserflüssen, wie sie sich nach der dankenswerten Mitteilung des Herrn 



*) Siehe : a) Rob. Schomburgk: 164, 165, 166, 168, 169, 170, 179, 
180, 183, 203. b) Rieh. Schomburgk: IL Bd. 476, 477, 478, 480, 481, 
482. c) Reclus, Bd. 19 S. 27. *) Rob. Schomburgk, S. 173, 174. 

Rein dl, Schwarze Flüsse. 4 



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— 5° - 

K atz er ergibt, soll uns nun vorerst noch nicht beschäftigen, 
ebensowenig die etwaige verschiedene Ursache der Wasserfärbung, da 
ich diese zwei Punkte in einem späteren Abschnitte speziell einer 
näheren Prüfung unterziehen werde. Ich will in diesem Kapitel, ohne 
Rücksicht auf die Ursache der schvvarzen Färbung, alle jene Flüsse als 
Schwarzwasserflüsse behandeln, die von wissenschaftlich gebildeten 
Reisenden als solche bezeichnet sind, und zwar werde ich nur die- 
jenigen Gewässer näher in den Bereich meiner Abhandlung ziehen, bei 
denen eine schwärzliche Farbe ausser allem Zweifel steht. Freilich 
wäre die Anzahl der Amazonasschwarzwasserflüsse eine sehr erhebliche, 
ja fast alle derselben dürften, wenigstens zur Trockenzeit, wie wir 
später noch erfahren werden, eine Schwarzfärbung ihrer Fluten auf- 
weisen; allein vorerst sind teils viele Flüsse bezüglich ihrer Farbe 
noch nicht näher untersucht, teils liegen so abweichende, ja oft sich 
widersprechende Aussagen darüber vor, dass bei ihrer zweifelhaften 
Kenntnis in dieser Hinsicht eine Behandlung an diesem Platze nicht 
thunlich erscheinen dürfte. 

Betrachten wir nun jene Flüsse des Amazonasgebietes, 
die zweifellos in den Rahmen unserer Abhandlung gehören ! 

a) Die linksseitigen Schwarzwassemebenfilüsse des 
Amazonas. 

I. Der Trombetas. Die wissenschaftliche Erforsch- 
ung dieses Stromes beginnt mit R. Schomburgk,i) der 
auf seiner Reise nach Guayana i. J. 1840—44 auch das 
Quellgebiet des Trombetas erforschte. Schomburgk 
sowohl, wie nach ihm Sprue e und Pena^) und der Missio- 
nar Carmello Mazarino^) haben uns manch wertvolles 
Material über das Trombetasgebiet geliefert. Wichtiger noch 
für unsere Kenntnis sind die Untersuchungen des Stromes 
geworden, die Barboza Rodriguez*) in Gemeinschaft 
mit einer englischen Kommission, bestehend aus C. Barrington 



*) Schomburgk Rieh., II. Tl. S. 471. ^) „Untersuchung einiger 
Nebenflüsse des Amazonas." (Zeitschrft. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. Bd. 17 
S« 389.) *j Ebenda. *) Explora^äo e Estudo do Valle do Amazonas. 
Relatorio apresentado ao 111 mo etc. Ministro e Secretario de Estado 
dos Negocios de Agricultura etc. por J. Barboza Rodriguez — Rio 
Trombetas, '39 S. Rio de Janeiro 1875 S. i Karte. 



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— 51 — 

Brown. Trail und W. Lidstone ^) im Jahre 1874 
vornahm. Rodriguez verdanken wir auch eine karto- 
graphische Aufnahme des Trombetasunterlaufes und eine 
Beschreibung dieses Flusses.^) Freilich, manche Unrichtig-* 
keiten der Rodriguezschen Karte, die auch den Unterlauf 
der Flüsse Nhamundä, Uatuma und Uruba darstellt, musste 
durch die neueren Forschungen korrigiert werden; 8) ver- 
lässiger als sie sind deshalb auch die kartographischen 
Arbeiten von H. A. de Rosa, der eine „Karte des Staates 
Parä"*) zeichnete, sowie jene von Jose Verissimo,^) der 
sein grosses Material, das ihm zur Benützung stand, in der 
„Karte des Grenzgebietes der Staaten Parä und Amazonas" 
niederlegte. Die beste Karte vom Unterlaufe des Trombetas 
stammt von Friedrich Katz er. ^) Katzer hat dieses Gebiet 
selbst gesehen und bereist. Bei Bearbeitung seiner Karte 
stützte er sich aber, wie er selbst angibt, vorzüglich auch 
auf die topographischen Arbeiten des belgischen Ingenieurs 
Haag und der französischen Ingenieure Le Blanc und 
Robert, die gelegentlich der Vorarbeiten zur Errichtung 
einer Telegraphenlinie von Obidos nach Faro (1890— 1892) 
die Landschaft aufnahmen. 

Für die geologische Kenntnis des unteren Trombetasgebietes ist 
die treftliche Arbeit von Orville A. Derby') grundlegend geworden. 
Als weitere Erforscher dieses Stromes reihen sich noch an Fer olles') 
und Crevaux/) sowie Coudreau/*) welch letzterer 1899 ^^^ Frage 
des Mittellaufes endlich löste. 

Gehen wir nun auf die Beschreibung des Flusses selbst ein! 

Der Rio Trombetas entsteht aus den Quellflüssen Caphiwuin oder 
Apiniau und dem Wanamu,*^) die beide reissende Gebirgsbäche mit 



^) C. Barrington and W. Lidstone: Fifteen thousand miles 
on the Amazon and its tributaries, London 1878. ^) Siehe: Zeitschrift 
der Ges. f. Erdk. zu Berlin, Bd. 17 S. 388 (mit Karte). ") Pet. Mittig. 
Bd. 47 Jhrg. 1901 S. 49. *J Mappa do Estado do Parä 1892 (1:500000). 
®) Parä e Amazonas Questäo de Limites 1899; Karte 1:125000. •) Pet. 
Mittig. 1901 ; Tafel 4. ') Orio Trombetas (Boletin do Mus. Parense 1898 
II p. 366 ff. *) und *) Reclus Bd. 19 S. 133. ") Voyage au Trombetas 
7. aout 1899 ■ 25- November 1899. 4^ ill. a 68 vign. et 4 cartes, Paris, 
Lahure 1900. '*) Schomburgk^ Richard, II. Teil S. 471. 

4* 



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— 52 — 

gelben, trübem Wasser und zahlreichen Fällen und Katarakten sind. 
Vom „Wanamu" schreibt Schomburgk: „Seine Strömung betrug un- 
gefähr iV« Knoten in der Stunde, wobei sein Bett von mächtigen Granit- 
felsen durchbrochen wurde. Die Berge, an deren Fuss sich der Fluss hin- 
wand, erreichten nur an einzelnen Stellen eine Höhe von 300 Fuss, desto 
höher aber stieg jeden Mittag die Hitze, da das Thermometer dann 
gewöhnhch 128° F. in der Sonne zeigte, obschon es am Morgen selten 
höher als 68" stand."') 

Über die Fixierung der Vereinigungsstelle beider Quellflüsse gehen 
die Beobachtungen Schomburgks und Coudreaus auseinander. 
Ersterer gibt den Zusammenfluss des Apiniau und des Wanamu unter 
i"2V»' n. B. an,*) letzterer unter o,57'3i" n. B.') Diese Ergebnisse be- 
dürfen noch einer sorgfältigen Nachprüfung. Wahrscheinlich hat sich 
Coudreau durch Barbozas Rodriguezschen Bericht beeinflussen 
lassen, der die Konfluenz annähernd unter den Äquator setzt. 

Eine Aufnahme des Mittellaufes vom Rio Trombetas erfolgte erst, 
wie schon erwähnt, durch Coudreau.*) „In glänzender Weise hat 
jedoch", wie Ehrenreich schreibt, ,,dieser Forscher seine Frage nicht 
gelöst.'* Doch da bis jestzt eine Nachprüfung von Coudreaus Reise- 
angaben an Ort und Stelle noch nicht erfolgte, so sind meine Aus- 
führungen über jene Flusstrecke einzig und allein auf diese angewiesen. 
Darnach fliesst der Trombetas über gewaltiges Sandsteingebiet und hat 
unzählige Stromschnellen zu überwinden. 

Am besten sind wir über den Unterlauf des Rio Trombetas unter- 
richtet, der bei Porteiro beginnt und durch einen ruhigen Lauf aus- 
gezeichnet ist. Der Fluss verlässt hier das Sandsteingebiet und gräbt 
sein Bett in alte Schiefer und Granit ein. Von links mündet in ihn der 
Fluss und See Jacar6 ; an seinem rechten Ufer liegt zwischen hügeliger 
Umgebung der Lago Tagagem. Bis hierher können ziemlich grosse 
Dampfschiffe gelangen, weiter aufwärts ist die Fahrt selbst auf Canoes 
mühsam und gefahrvoll.^) Vom Lago Aguofria bis zum Einflüsse des 
Rio Erepecurü hat der Trombetas östliche Laufrichtung. Seine Ufer 
sind hier bald hügelig, bald flach, und dichte Galeriewälder begleiten 
den Strom. Zahlreiche Seen stehen ferner mit ihm in Verbindung, von 
denen der Lago Juquiry-a^u, der Lago Aripecju, der Lago Mucura und 
der Lago Batata die wichtigsten sind. 

50 Meilen vom Amazonas entfernt mündet in ihn sein grösster 
Nebenfluss, der Erepecurü, welcher als Rio Cun:inia selbst in den besten 
neueren Karten noch angedeutet erscheint, obwohl letztere Bezeichnung 



*) Ebenda, S. 475. *) Ebenda, S. 474. ') Pet. Mittig. 1900 S. 129. 
*) Coudreau, O., Voyage au Trombetas, Paris 1900. ^) Zeitschrift 
d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, Bd. 17 S. 389. 



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— 53 — 

lediglich dem östlichen Mündungsarm des Erepecuru zukommt. Der 
Erepecuru läuft parallel mit dem Trombetas und hat klares, schwarzes 
Wasser. Sein Bett ist gleichfalls in Granit und Sandstein eingegraben 
und von zahlreichen Cachoeiros, von denen nach Rodriguez der 
Cajual, Tremeterra und Inferno die wichtigsten sind, unterbrochen. An 
seiner Mündung bildet er ein Gewirr von Seen, Kanälen und Inseln, 
so dass man glauben möchte, ein Riesenstrom Amerikas habe hier sein 
Delta. Zur Hochwasserzeit steht der Erepecuru in unmittelbarer Commu- 
nication mit dem Amazonas. 

Von der Mündung des letztgenannten Nebenflusses an schlägt der 
Trombetas südHche Richtung ein, die er auch beibehält bis zu seiner 
Vereinigung mit seinem Hauptstrome. Er durchfliesst anfangs immer 
noch das Granit- und Sandsteintafelland, dessen Ränder jetzt oft bis an das 
Flussufer herantreten. „Wo diese aber zurückweichen," sagt K a t z e r , ') 
„breiten sich im Räume zwischen ihnen und dem Fluss Lagos (Seen) 
aus, welche , wie die Karte zeigt , jetzt den ganzen Unterlauf fast un- 
unterbrochen begleiten und eine charakteristische Eigenheit desselben 
vorstellen." Sie sind nichts anderes als Ausweitungen des Flusses, 
hängen vielfach miteinander zusammen und bilden zur Hochwasserzeit 
sehr ausgedehnte Wasserflächen, wie namentlich am Nord- und Ostfusse 
der Serras do Sapucua. Flussaufwärts werden die „Seen" in der Regel 
von langgestreckten, zuweilen nur wenige Meter breiten Varzeastreifen 
begrenzt, welche das eigentliche Fliissbett wie UferwäUe einsäumen und 
kanalartige Durchlässe vom Flusse in die Seen freilassen. Zuweilen 
breiten sich die Varzeastreifen mehr aus und zerteilen sich in Inseln, 
welche bezeichnenderweise immer in einer Reihe hintereinander liegen. 
Viele sind bewachsen und daher in ihrer Gestalt und Lage weniger 
veränderlich als jene, die erst Schlamm- und Sandbänke sind." 

Die Entstehung dieser Uferwälle denkt sich K atz er folgender- 
massen:^) Zur Regenzeit werden grosse Mengen Sandes und Thones 
von dem Tafellande herabgeschwemmt. Vom gleichzeitig anschwellenden 
Strom wälzen sich die Fluten zu den höheren Uferböschungen hin und 
bewirken durch ihren Druck, dass die vom Uferland herabströmenden 
Gewässer ihre SinkstofFe niederschlagen und sich zunächst zu suba- 
quatischen Wällen anhäufen, welche immer höher und höher werden 
und Igapö und Varzealand bilden können. Ist die Hochwasserzeit vor- 
über und sind die Flüsse des Tafellandes dann zurückgetreten, so beginnt 
der Trombetas nun seine Arbeit, die Sinkstoffanhäufungen parallel zum 
Stromstriche zu ordnen. Die Stauwasser werden infolgedessen hinter 
diesen nun gebildeten Stromwällen abgeschlossen, wodurch jene zahllosen 



') Katzer, Pet. Mittig. Bd. 47 S. 50. =) Pet. Mittig. Bd. 47 S. 51. 

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- 54 ~ 

Seen erzeugt werden, die genetisch vollständig verschieden sind von 
jenen anderer Amazonaszuflüsse (wie Araguaya, Purus etc.), welche nur 
abgeschnürte, ehemalige Stromschlingen vorstellen. 

Bei der Aufnahme des Sapucua verlässt der Trombetas das Tafel- 
land, betritt nun junges Anschwemmungsgebiet und bildet zugleich sein 
grosses Delta, das durch seinen sumpfigen Charakter eine wahre Miasmen- 
brutstätte ist, wodurch der Fluss durch seine mörderischen Fieberepidemien 
berüchtigt wurde.*) Hier ist auch die klassische Stelle der bras. Sage, 
wo Orellana 1540 den Kampf mit den kriegerischen Weibern bestanden 
haben will, dem der „Rio das Amazonas" seinen Namen verdankt.^) 

Die Mündung des Trombetas liegt nur 18,4 m über dem Meere;*) 
die Vereinigung seiner beiden Quellflüsse 132 m;*) die Länge des ganzen 
Stromes beträgt ungefähr 570 km/) die Grösse des Stromsystems 
123000 qkm.*) In der Sekunde wirft der Trombetas 1500 cbm Wasser 
in den Amazonas.') 

Die Indianer nennen den Fluss „Oriximia'', ein Name, der oft in 
selbst bedeutenden Kartenwerken für „Trombetas'* gebraucht ist. 

In seinem Oberlaufe ist der Trombetas durch Detritusmassen 
getrübt;®) wie seine Wasserfarbe im Mittellaufe ist, ist unbekannt, da- 
gegen ist er von Porteira an nach Rodriguez ein echter Schwarz- 
wasserfluss mit „klarem, schwarzen Wasser." ^) 

2. Der Rio Negro. 

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, war es Orellana, 
der 1540 als der erste europäische Forscher den Amazonas 
hinauffuhr und an die Mündung des Rio Negro kam. Hundert 
Jahre später, 1639, berichten uns zwei Jesuiten, Christoval 
de A curia und A. Artedia ebenfalls von diesem Strome.^^) 
Genauere Kenntnis des Rio Negro verdanken wir aber erst 
D'Anville. Zwar zeigt seine erste, aus dem Jahre 1750 
stammende Karte von Südamerika den Orinoko noch als 
einen Arm des Caqueta, aus dem der Rio Negro unmittelbar 
entspringt ; aber schon in einer zweiten Ausgabe des Blattes 
zeichnete D ' A n v i 1 1 e den Cassiquiare als Bifurkation 
zwischen Orinoco und Rio Negro, wahrscheinlich auf den 



') Pet. Mittig. Bd. 47 S. 51. ") E h r e n r e i c h , Verhdlg. d. Ges. für 
Erdkunde zu Berlin, Bd. 17 S. 160. ') Pet. Mittig. Jahrg. 1901 S. 51. 
*) Pet Mittig. Jahrg. 1900 S. 130 '') Reclus, Bd. 19 S. 147. *) Ebenda. 
') Ebenda. «) Seh om bürg k. Rieh, 2. T. S. 475. ') Zeitschr. d. Ges. 
für Erdk. zu Berlin, Bd. 17 S. 390. '*) Humboldt, A., Bd. 4 S. 43. 



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— 55 - 

Nachrichten des Jesuitenpaters ManuelRamon fussend, der 
1744 den Oberlauf des Rio Negro kennen lernte und auf dem 
Cassiquiare zum Orinoco vordrang.^) Nun erscheinen in 
kurzen Zwischenräumen mehrere Beschreibungen und Karten 
der Flussystenie Südamerikas, besonders des Amazonas und 
Orinoco.2) Auch sie haben unsere Kenntnis von der Ent- 
wickelung und dem Laufe des Rio Negro in jeder Hinsicht 
gehoben, aber trotzdem gaben sie noch kein zuverlässiges 
Bild von diesem Flusse. 

Da betrat um das Jahr 1799 Alexander v. Humboldt 
den südamerikanischen Boden. Mit ihm begann eine neue 
Epoche in der Erforschung des südamerikanischen Kontinentes: 
an Stelle gelegentlicher Beobachtung trat jetzt eine auf 
wissenschaftlichen Prinzipien ruhende Forschung,^) und damit 
werden auch die Nachrichten über den Rio Negro reichlicher 
und sicherer. Er selbst nahm einen Teil vom Oberlaufe des 
Stromes auf und gab eine meisterhafte Beschreibung von 
demselben. 1819 sodann erforschte der Reisende Spix den 
Fluss aufwärts bis Barcelles;*) 1838 befuhr Rob. Schom- 
b u r g k den Mittellauf desselben.^) Wa 1 1 a c e endlich zeichnete 
nach einer vierjährigen Reise (1848 — 52) den ganzen Lauf 
des Flusses, so, wie wir ihn im allgemeinen auf unseren 
Karten heute noch finden.^) 

Freilich, es blieb noch manches zu berichtigen und manches zu 
ergänzen. Namentlich in der Darstellung der Nebenflüsse des Rio Negro 
waren Wa 1 1 a c e verschiedenerlei Ungenauigkeiten , ja Unrichtigkeiten 
unterlaufen Die neueste Zeit hat das Verdienst, völlige Klarheit ge- 
schaffen zu haben. 1881 erforschte Payer den Rio Branco, den grössten 
linksseitigen Nebenfluss des Rio Negro,') der schon 100 Jahre vorher 
durch Silva da Pontes und Amelda®) befahren worden war. Vor- 



*) Pet. Mittig. 1900 S. 125. ^) Die wichtigsten: i. Die Karte von 
La Cruz Olmedilla und Survilla (1775). 2. Carte generale de la Guayana 
(1798) ") Günther, S., Entdeckungsgeschichte und Fortschritte der 
wissensch. Geogr. im 19. Jahrhundert, Berhn 1902 S. 112. *) Spix und 
Martins: „Reise in Brasilien 1831". ®) Schomburgk, Robert: 
„Reisen in Guiana und am Orinoco 1835—39". *) Wallace, On the 
Rio Negro Journ. R. G. S. Vol. 23, 1853 p. 212. ') Pet. Mittig 1884 S. 395. 
^) Schichtel: „Der Amazonen ström" S. 69. 



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- 56 - 

Zügliche Beiträge zur Geographie des Rio Negro verdanken wir auch 
der brasilianisch -venezuelanischen Grenzkommission. *) Die Arbeiten 
derselben erfolgten unter Leitung des Brasilianers Fr. Lopezde 
Ar au ha. Die Kommisson lehrte uns den Hauptquellfluss des Rio Negro, 
den Rio Guainia, sowie mehrere Zuflüsse desselben kennen. 

Auch Coudreau,^) L. Agassiz/) Barrington. Brown/) Georg 
Hübner,*) Ihre Kgl. Hoheit, Prinzessin T her ese von Bayern') und 
noch zahlreiche andere Reisende und Forscher trugen dazu bei, die 
Kenntnis über diesen Fluss zu erweitern. — 

Nun eine kurze Betrachtung dieses Stromes 1 

In seinem Oberlaufe bis zur Aufnahme des Cassiquiare führt der 
Rio Negro den Namen Guainia. Sein Ursprung liegt nicht, wie man 
früher annahm, auf den Anden Columbiens, sondern auf den Cerros 
Yimli, einer Höhenstufe der Amazonasebene, die vom Äquator bis gegen 
den Guaviare nordwärts zieht. Dort entstehen nahe beieinander noch 
der Isana, der Codiari und der Yaupes.') 

Der Guainia beschreibt einen grossen Bogen nach Norden und ist 
vollständig in Granit eingebettet. „Was den Guainia im Oberteil seines 
Laufes vorzüglich auszeichnet," sagt Humboldt, „ist der Mangel an 
Krümmungen : er stellt sich als ein breiter, in gerader Linie durch eine 
dichte Waldung gezogener Strom dar ; so oft er seine Richtung ändert, 
bietet er dem Auge Aussichten von gleicher Länge dar. Die Ufer sind 
hoch, aber eben und selten felsig. Der von ungemein starken Quarz- 
adern durchzogene Granit geht meist nur in Mitte des Flussbettes zu 
Tage. Die Flussgestade sind öde.®) Der ganze Oberlauf bewegt sich 
auf einer Meereshöhe . von 390—570 m, und die Breite des Stromes 
schwankt zwischen 0,4 und 0,8 km. Bei der Schanze San Agostino er- 
gab Humboldts Messung eine solche von 569 m. 

Der Guainia hat eine Menge von Cascaden und Stromschnellen zu 



^) Eine eingehende Darstellung dieser Arbeiten hat Lopez in 
einem Bericht von 80 grossen Quartseiten an das Ministerium nieder- 
gelegt, welcher in dem „Relatorio apresentado a assemblea general 
legislativa pelo ministro dos negocios estrangeiros Francisco de Carvalho 
Soares Brandao*' (Rio de Janeiro 1884) abgedruckt ist. ^) Coudreau, 
La Franc^e ^quinoctiale, Paris 1887 Bd. 2. ^)Agassiz, A journey m 
Brazil, Boston 1875. *) Barrington Brown, Quart Jour. Geol. Soc. 
London 1879, Vol. 35 pl. 38. *) Hübner, Georg: „Nach dem Rio 
Branco". (Deutsche Rundschau, S. 14—21; 306-313; 20. Jahrg. 1898.) 
*) Kgl. Hoheit Prinzessin Therese von Bayern: „Meine Reise in den 
brasilianischen Tropen". 8°, 544 SS., mit 2 Karten, 4 Tafeln, 18 Voll- 
bildern und 60 Textabbildungen. Berlin, D. Reimer, 1897, S. 82—104; 
121 — 145. ') Sievers: „Amerika", S 82. *) Humboldt, Bd. 3 S. 264. 



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- 57 - 

überwinden, hervorgerufen durch gewaltige Granitblöcke. Sein Wasser 
ist tintenschwarz, klar und durchsichtig und zeigt eine mittlere Tem- 
peratur von 28—29*. 

Oberhalb San Carlos mündet der Cassiquiare in den Guainia. Von 
hier bis zur Mündung des Rio Branco erstreckt sich der Mittellauf des 
Rio Negro. 

Bei San Carlos hat der Guainia bereits eine Breite von iioo m. ^) 
Er erweitert sich immer mehr und verfolgt bis zur Mündung des Yaubes 
eine südliche Richtung. Seine Ufer sind hier wenig bewohnt und 
grösstenteils von Wäldern begleitet. Bei San Joao Baptista de Mabi 
erweitert er sich bis zu 1600 m ^) und wird von da an durch Inseln und 
zahlreiche Felsrippen in eine Menge Kanäle geteilt. Namentlich von 
■der Mündung des Yaubes an, wo er durch die fast 1000 m hohen Berg- 
rücken der So do Cabary, S« do Uanary und Sa Curicuriary gezwungen 
wird, bis zur Mündung des Rio Blanco nach Südosten zu fliessen, zeigt 
er seine grösste Zerrissenheit. Granitinseln. Catarakte und verborgene 
Klippen wechseln hier in unendlicher Kette einander ab. *) In der Nähe 
des Dorfes Wanawacca*) hat er schon eine Breite von 4 km während 
seine Tiefe von. 3 m bis auf einige Zoll wechselt. Weiter nach Osten 
erweitert sich der Fluss immer mehr. Bis zur Mündung des Padaviri 
hat er eine durchschnittliche Breite von 10—12 km, an manchen Stellen 
erreicht er eine solche sogar von 20 km. Seine grösste Breitenausdeh- 
nung besitzt er unterhalb Barcellas, nämlich über 30 km. ^) 

Vom Rio Branco an, dessen weisse Wasser den grössten Kontrast 
beim Zusammenflusse mit dem schwarzen Rio Negro bilden, ®j beginnt der 
Unterlauf des Rio Negro. Die Ufer werden nun flach und sandig und der 
Strom verlässt das Granitgebiet. Zur Hochwasserzeit, vom April bis 
zum August, werden die Inseln, die jetzt nicht mehr, im Gegensatze zu 
den Restinseln des Granitgebietes, aus Felsen bestehen, sondern sämtlich 
zu den Anschwemmungsinseln gehören, unter Wasser gesetzt. ') Der 
Fluss bildet, sagt R e c 1 u s , wie die canadischen Flüsse, mehr die Fort- 
setzung eines Sees, als die eines Flusses. Er hat oft eine Breite von 
25 km und seine Strömung ist ausserordentlich schwach. Mit Recht 
bezeichnen ihn die Indianer, wie uns Reclus ebenfalls berichtet, im 
Gegensatze zu dem reissenden Amazonas als den „toten" Strom. ®) 



') Schomburgk, Rob. S. 477. ^) Schomburgk, Rob. S. 482. 
*) Günther, Geophysik II. Bd. S. 918; Schomburgk, Rob.; S. 489, 
490; 488. *) Schomburgk, Rob. S. 488. ^) Ebenda S. 498. *) Reclus, 
Bd. 19 S. 126; Pet. Mittig. 1884 S. 395; Rob. Schomburgk S. 498. 
') Coudreau Bd. II pag. 121. *) Reclus, Bd. 19 S. 126 



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- 58 - 

Dasselbe berichten auch S p i x , *) A g a s s i z etc ^) Die Annahm e S p i x' , *) 
„dass der Rio Negro hier aus einem System von grossen Binnenseen 
entstanden sei, das erst durch die Beiflüsse die Natur eines selbstän- 
digen Stromes angenommen hat", ist wohl nicht notwendig; denn die 
ganze Flachheit des Gebietes lässt eine solche Ausdehnung des Flusses 
-tu, ohne dass man hier auf die Hypothese von Spix greifen muss. 

Nach Condamine beträgt die Breite des Rio Negro an der 
engsten Stelle bei Manaos 2350 m, *) und der Amazonas fliesst hier in 
den Rio Negro zurück. Beide Flüsse werden hier durch 9—10 m hohe 
Anschwemmungsprodukte auf eine weite Strecke lang an ihrer Ver- 
einigung gehindert. Die Tiefe des Rio Negro schwankt hier zwischen 
30-50 m.') 

Nach Klöden*) beträgt die ganze Rio Negro-Länge 2329km, der 
Quellenabstand 1810,5 km, sein Stromgebiet 721324,3 qkm. (Als Ver- 
gleich diene die Donau, ebenfalls nach K 1 ö d e n s Berechnung : Länge 
2745 km; Quellabstand 1632 km; Stromgebiet 816984 qkm.) Der Ria 
Negro kann 750 km von der Mündung an mit grösseren Dampfern be- 
fahren werden, während Segelschiffe von 100 Tonnen den Verkehr aux 
ihm und seinen Nebenflüssen, Rio Branco, Yaubes, Cassiquiare u. a. 
nicht nur auf bras. Gebiet, sondern auch bis nach Venezuela und Columbia 
hinein vermitteln. Die Statistik zählt jährHch ungefähr 750 Dampfer 
und iioo kleinere Fahrzeuge. ') 

Auf seinem Wege durch das Granitgebiet (Ober- und Mittellaul) 
hat der Rio Negro, wie die Reisenden berichten, klares, schwarzes 
Wasser, auf seinem Unterlaufe dagegen, im sandigen Gebiet des Ama- 
zonas, sind seine Fluten durch Beimengung von Sedimenten getrübt. 
„Die Farbe", schreibt Wall ace, „wechselt an Intensität in verschiedenen 
Teilen seines Laufes. Im unteren Teil ist das Wasser leicht olivfarben 
durch Beimengung von Sedimenten, höher hinauf, in dem felsigen 
Distrikt, ist die Färbung viel reiner und durchsichtiger."®) Ihre Kgl. 
Hoheit PrinzessinTherese schreibt davon : „Die Farbe des Rio Negro 
ist ein schönes Bernsteingelb, scheint jedoch, wo das Wasser tiefer ist, 
undurchsichtig schwarz und hat hiedurch dem Strom seinen Namen 
gegeben." (S. 82.) 

*) Martins, Bd. III S. 1292, 1296. ^) L'Agassiz. A journey 
etc. Boston 1875 p. 185. '» Martins, Bd. III. S. 1296. *) De la Con- 
damine. Relation d'un voyage fait dans Pinterieur de PAmerique 
Meridionale. Maestricht 1878. (pag. 114.) ^) Kgl. Hoheit, Prinzessin 
Therese von Bayern, Reise etc. S. 82. *) Geogr. Jahrb. 20. Bd. S. 401. 
') Reclus, Bd. 19 S. 147. ®) Wall ace, On the Rio Negro. Journ. 
R. G S. Vol. 23. 1853. 



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- 59 - 

Das ganze Rio Negro-System ist, wie die zahlreichen Reiseberichte 
ergaben, reich an „schwarzen" Gewässefn. Wir erwähnen hier nur die 
bekanntesten. Dieselben sind auf der linken Seite: 

a) der Pimichin.i) Er entsteht auf der „Bodensch welle**, 
die sich zwischen dem Amazonas- und Orinocosystem von 
N.-O. nach S.-W. hinzieht. Von seinem Mittellaufe schreibt 
Humboldt: „Der Pimichin ist hier ein Bach (Cafio), der so 
breit wie die Seine, der' Galerie der Tuillerien gegenüber, ist; 
aber kleine, gern im Wasser wachsende Bäume, Corossols 
(Anona) und Achras, engen sein Bett so ein, dass nur ein 
30 bis 40 m breites Fahrwasser offen bleibt. Er gehört mit 
dem Rio Ghagre zu den Gewässern, die in Amerika wegen 
ihrer Krümmungen berüchtigt sind. Man zählt deren 85, 
wodurch die Fahrt bedeutend verlängert wird. Sie bilden 
oft rechte Winkel und liegen auf einer Strecke von 9 bis 
13 km hintereinander.*' Die Strömung des Pimichin beträgt 
hier 664 mm in der Sekunde. Die Ufer sind niedrig, aber 
felsig (Granit). Der Fluss ist das ganze Jahr schiffbar." 

Da die Entfernung von Yavita am Temi bis zum Pimichin nur 
ungefähr 15 km beträgt, so könnte diese Stelle von grösster wirtschaft- 
licher Bedeutung werden, wenn man, wie bereits Humboldt den Vor- 
schlag machte, statt des Trageplatzes einen Kanal vom Atabapo zum 
Pimichin errichten würde. Die Fahrzeuge gingen dann von San Carlos 
nicht mehr über den Cassiquiare, der eine Menge Krümmungen hat und 
wegen der starken Strömung gerne gemieden wird. Die Bergfahrt wäre 
über den Cano Pimichin um die Hälfte kürzer. 

Das Wasser des Pimichin ist klar und schwarz. Auch der grösste 
Teil seiner Zuflüsse zeigt die gleiche Erscheinung. '*) 

b) der Cano Caterico, ein Zufluss des Cassiquiari. 
Er hat ein schwarzes, ungemein durchsichtiges Wasser. 3) 

c) der Pacimoni. Seinen Lauf hat die Venezolanisch- 
Brasil. Grenzkommission einigermassen festgestellt. Er ent- 
steht aus dem Baria und dem an der Vereinigungsstelle mit 
dem Baria 150-300 m breiten Jatua, der aus der Serra 
Imery kommt, und heisst dann Pacimoni. Er mündet unter 

*) Siehe Humboldt, Bd. III S. 231, 230, 243. ^) Humboldt, 
Bd. III S. 231. 3) Humboldt, Bd. IV S. 23. 



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— 6o — 

letzteren Namen bei Buena Vista in den helleren Cassi- 
quiare. ^) Nach Robert Schomburgk hat er dort eine Breite 
von 560 m und eine schwarze Wasserfarbe. 2) 

d) Fast alle Flüsse des linken Rio Negro- 
Systems, vom Cassiquiari an bis zum R io Blanco, 
sind ebenfalls schwarz. Sie wurden, wie der Pacimoni, 
von der Venezuelanischen-Brasilianischen Grenzkommission 
festgestellt. Dieselbe fuhr den Guainia abwärts bis zur 
Mündung des Rio Dimity, dann diesen aufwärts, überschritt 
unter grossen Beschwerden die Wasserscheide zwischen 
diesem und dem Ica-Fluss, und erreichte dessen Mündung 
in den Cauabury unter oOi3'24,9" n. Br. und 66^ i8'52,5'' 
w. G. Von hier zog die Expedition den starkströmenden, 
steile Ufer führenden Cauabury hinauf und erreichte am 
12. März den Maturacä-Kanal, der sich hier am Fusse der 
wahrscheinlich aus Sandstein bestehenden pittoresken Serea 
Onory mit einem heftig strömenden Nebenflusse von schwarzer 
Farbe vereinigt. Der Kanal Maturacä fliesst zwischen Steil- 
ufern zwischen der Serra Onora auf dem rechten, der Serra 
Pirapucu auf dem linken Ufer. Am 27. März erreichte 
man den interessantesten Punkt der Reise, nämlich eine 
Bifurkation. Der Rio Bahiua nämlich , welcher auf der 
Serra Imery zu entspringen scheint, teilt sich in zwei 
Arme, von denen der eine durch den erwähnten Kanal 
Maturacä und den Rio Canabury in den Rio Negro, der 
andere durch den Kanal Ocuene in den Bariafluss, von 
hier in den Pacimoni und so in den Cassiquiare mündet, so 
dass also der Orinoco nicht allein durch den Cassiquiare 
selbst, sondern auch durch den in den Cassiquiare mündenden 
Pacimoni-Baria und den Cauabury mit dem Rio Negro in 
Verbindung steht. Auch scheint ferner noch ein in den 
Maturacä. oberhalb des 6 m hohen Katarakts von Hua ein- 
mündender Arm aus dem Erubichy zu kommen, der seiner- 
seits wieder in den Baria mündet, so dass eine zweite Bifur- 



') Zeitsclirift der Ges. f. Erdk. z. Berl. 1887. S. 2. (Siehe auch 
Karte.) ^) Schomburgk Rob. S. 474. - Humboldt, S. 12. IV. Bd. 



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- 6i - 

kation vorliegt. Endlich sendet der Bahiua schon vor der 
Abzweigung des Maturacä den Mariciu6ni noch den Baria zu. 
Die auf diese Weise zwischen dem Rio Negro, dem Cassiquiare, 
dem Pacimoni-Baria und dem Maturacä-Cauabury befindliche grosse Insel 
haben die Brasilianer Ilha-Pedro II genannt. Ihre Ausdehnung von Süd 
nach Nord beträgt etwa 260 km, ihre Breite im nördl. Teil 50, im süd- 
lichen bis 120 km, hat also etwa die Grösse Hollands. 

• Sämtliche obengenannte Flüsse, mit Ausnahme des 
Cassiquiare, haben klares, schwarzes Wasser und 
sind mit wenigen Ausnahmen langsam strömende Gewässer, i) 

e) DerRioPreto, ein grosser linksseitiger Zufluss des 
Rio Negro, der aber bis jetzt noch nicht befahren wurde und 
von dem nur seine Mündung und sein Nebenfluss Padauiry 
bekannt ist. 2) 

f) Der Mahu. Er ist ein Nebenfluss des Takuta und 
kein bedeutender Fluss. Bei seiner Mündung in den Takuta 
hat er 210 m, weiter oberhalb 170 m Breite. An seinem 
rechten Ufer liegt ein kleiner See, mit dem er in Verbindung 
steht : nahe den Quellen mündet in ihn der Ukiripa, welcher 
zwischen der Serra Urumbaru im Süden und Tipiren und 
Tauairen im Norden fliesst. 3) Nach Richard Schomburgk 
bildet der Mahu herrliche Wasserfälle und durchfliesst 
malerische, aber unfruchtbare Thäler. Während der Regenzeit 
trägt er namentlich zu den Überschwemmungen der Savanen 
bei, was zur Folge hat, dass sich die Gewässer zweier Flüsse, 
die ganz verschiedenen Flussystemen angehören, mit einander 
vermischen.*) (Mit dem Essequibosystem.) Der Mahu hat 
eine ziemlich bedeutende Strömung. Die Macusis nennen 
ihn Ireng. 5) Sein Wasser ist kaffeebraun. 0) 

g) Der Tacutu. Seine Quellen sind noch nicht be- 
kannt. Sie liegen nach Rob. S c h o m b u r g k wahrscheinlich in 
dem Vindiaugebirge, 6 Tagereisen von dem Ursatogebirge 

*) Zeitschrift der Ges. f. Erdk. zu Brl. 1887 S. 2. ^) Ebenda, S. 3. 
') Ebenda, S. 4 u. 5. *) Schomburgk, Rieh.; Reisen etc. II. Tl. S 11. 
*) Schomburgk, Rob.; S. 361. *) Schomburgk, Rieh., S. 11 II. Tl. 
— Humboldt: „Ansichten der Natur** S. 49. 



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— 62 — 

entlernt. 1) Bis zur Aufnahme des Mahu hat er eine fast 
nördhche Richtung. Auf dieser Strecke hat er eine schwarze 
Wasserfarbe. 2) Genaue Aufnahme des Flusses vom Fort 
de S. Joaquim bis zum Mahu erfolgte erst 1882 durch die 
Venezol.-Bras. Grenzkommission. 3) 

h) Der Sawara-auuru, ein Zufluss desTakütü, hat 
ebenfalls schwarzes Wasser. *) Er wurde noch nicht be- 
fahren, sondern nur von Rieh. Schomburgk an ein paar 
Stellen überschritten. *) 

Die bekannten Schwarzwasserflüsse des Rio Negro- 
Systems auf der rechten Seite des Rio Negro sind : 

a) Der Isaila. Robert Schomburgk schreibt über 
ihn : „Er kommt aus Nordwest und West von dem Tunuhui- 
gebirge. An seiner Mündung ist er 250 Yards breit (460 m); 
sein Wasser ist schwarz." 0) Schomburgk hat den FIuss 
nur an seiner Mündung gesehen. Die übrigen Angaben des 
Flusslaufes etc. scheinen auf Erkundigung zu beruhen. Auch 
die Venezol.-Bras. Grenzkommission hat nur einen kleinen 
Teil dieses Flusses festgestellt. ^} 

b) Der Uaupes.*) Er ist der grösste Nebenfluss des 
Rio Negro mit schwarzem Wasser. Man hielt ihn früher für 
den Hauptquellfluss desselben und verlegte seine Wiege an 
den Ostrand der Anden. '^) Sein Ursprung liegt aber unge- 
fähr unter derselben Länge wie der des Guaviare und Yni- 
rida. '^) 1854 wurde der Uaupes vom Jesuiten Cordeira bis 
zu seiner Quelle verfolgt, seitdem haben nur wenig Reisende, 
wie Wallace, Stradelli, Coudreau,^) G. Coppi und 
A. Colini,iö) den Fluss besucht. An seiner Mündungsstelle 
hat er nach Wallace eine Breite von 2 km. Von der 



*) Auch Yaupes und Yaubes 

*) Schomburgk Rob., S. 351. ^) Schomburgk Rieh., II. Tl. 
S. 102. *) Zeitschr. der Ges. f. Erdkunde z. Brl. 1887 S. 4. *) Schom- 
burgk Rieh, IL Tl. S. 103. ^) SchomburgkRob., S. 482. •) Zeitschr. 
der Ges. f. Erdk. z. Brl. 1887. S. 2. ') Wallace, Travels; S. 418. 
*j Montolieu. L'Ynirida. Bull. S. G. Ser. 6. F. 19. S. 289. •) Reclus; 
Bd. 19. S. 127. — Globus 1890. S. 248. ") Boll. della Soc. Geogr. Ital. 
1885 Nr. 3. - Pet. Mittig. Hft. VIII. S. 310. 



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- 63 - 

Mündung des Uaupes schreibt Schomburgk: „Unmittelbar 
unter San Joaquim teilt sich der Uaupes in zwei Arme und 
bildet dadurch eine kleine Insel von 5 Meilen Länge. Die 
Breite des Uaupes beträgt an seiner Mündung in dieser 
Jahreszeit 300 Yards; seine Strömung ist bedeutender als 
die des Rio Negro, 1V2 Meilen in der Stunde; sein Wasser 
ist schwarz. "1) Von seiner Mündung 210 km weit aufwärts 
ist er nach W a 1 1 a c e durch einen ruhigen Lauf ausge- 
zeichnet. In seinem Oberlaufe hat er dagegen, wie der Rio 
Negro, unzählige Cascaden und Stromschnellen über Granit- 
felsen zu überwinden, von denen einige Fälle 2—3 m Höhe 
besitzen. 

c) Nach Wallace und Schi cht el sind alle Neben- 
flüsse des Rio Negro auf seiner S.-Seite, oberhalb seiner 
Mündungsarme, die mit dem Amazonas communiciren, schwarz.^) 

3^ Der Caqueta-Japura. 

Er ist kein Schwarzwasserfluss in seinem ganzen Laufe, 
sondern nur ein kleiner Flussabschnitt von ihm zeigt die 
Farbe des Rio Negro. „Von Arara-Coara bis zu den Fällen 
von Cupati hat er eine schmutzig grüne Farbe," schreibt 
Martins; „bei S. Joäo selbst wird diese fast in das Kaffee- 
braun des Rio Negro verändert, indem eine Menge brauner 
Bäche und Canäle sich mit ihm vermischen.'' Martins^) 
hat den Strom bis zu den Araraquara-(Araracoara) Fällen 
befahren; Creveaux*) verfolgte ihn von den Anden bis zur 
Mündung. Er ist ein echter Niederungsfluss und durchfliesst 
grösstenteils Sandsteingebiet. Von einer ausgedehnten Granit- 
masse, die er ebenfalls nach Martins durchbrechen soll, 
erwähnt Crevaux nichts. Seine Länge beträgt 1400 km 
(Rhein 1320 km). Er entsteht als Rio Capueta in der 
Columbianischen Centralkordillere in der Höhe von 4000 m 
aus zwei Quellflüssen und bildet, obwohl er nur 150 m 
Höhenunterschied zwischen dem Fusse der Anden und der 



•) Schomburgk, Rob , S. 4 3. ^) Schichtel, S. 70. ') Spix 
und Marti US. Bd. II. S. 11Q7— 1290 *) Crevaux, voyages pag. 
353-376. Fleuves de rAm^rique du Sud. 



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- 64 - 

Mündung zu überwinden hat, doch vier grössere und viele 
kleinere Fälle, besonders bei der Überquerung der Aracuara- 
Höhen unter 73 ^ und der äussersten Randstufe unter 69^/2 
w. B. Die Breite des unteren Japura gibt Crevaux mit 
1800—2000 m an; die Tiefe fand Herndon (pag 398) etwa 
I km oberhalb der Mündung zu 17 m. 

Von seinen schwarzen Zuflüssen erwähnt Martins den Vana- 
racu. „Eine halbe Legoa oberhalb Maripi passirten wir an dem 
schwarzen und kühlen Vanaracu, einem Paranamirim, der nach den 
Indianern der Ausfluss des grossen Sees Ayamä ist und sich weit gegen 
Norden hinziehen soll.*) 

4. Der Toriantins. Bis jetzt ist nur seine Mündung 
bekannt. Er mündet beim Orte Tonantins, etwas unterhalb 
der Ica-Mündung in den Amazonas. Er ist von undurch- 
dringlichen Urwäldern begleitet und erstreckt sich nördlich 
und nordwestlich in den Wald hinein, wo er mit einem Arm 
des Rio Japura zusammenhängen soU.^) An der Mündung 
ist er 100 — 200 Schritt breit. Sein Wasser ist schwarz.^) 

5. Der Rio I^a oder Putumayo. Er hat fast in 
seinem ganzen Laufe den Charakter der Niederungsflüsse 
und ist infolgedessen von seiner Quelle bis auf einige Tag- 
reisen oberhalb seiner Mündung mit Detritusmassen ge- 
schwängert. Auf dieser Strecke hat er trübgelbe Farbe. 
Sobald der I^a aber sich seiner Detritussubstanzen entledigt 
hat und in die Thonebene des Maraüon kommt, hat er 
schwärzliche Fluten.*) Reyes^) hat den Fluss zuerst von 
der Quelle bis zur Mündung befahren und die erste Compass- 
Aufnahme seines Laufes gemacht. Simson^) und Cre- 
vaux''^) geben eingehende Schilderungen über die allge- 
meinen Verhältnisse dieses Flusses. Darnach soll er sich 
durch das Fehlen von Stromschnellen und Catarakten und 



*) Martins, S. 1212. ^) Ave-Lallemant: „Reise durch Nord- 
Brasilien;" 11. Tl. S. 218— 219. *) Bates, S. 391. *) Spix u. Martins; 
pag. 1186, pag. 1192. ^) Verh. d. Ges. f. Erdk. Bd. 4. 1877. *) Proc. 
R. G. S. Bd. 21. 1876—77; p. 570 f. '; Crevaux; Les fleuves de 
TAmerique du Sud. Paris 1883. Crevaux; Voyage dans rAmerique 
du Sud. p. 325—349- 



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- 65 - 

durch den Mangel an bedeutenden Nebenflüssen wesentlich 
von den anderen Nebenflüssen des Amazonas unterscheiden. 
Er wird bis nach Cuemby, in gerader Linie etwa looö km 
von seiner Mündung entfernt, mit Dampfern befahren. Seine 
Breite beträgt etwas oberhalb der Mündung 500-700 m. 

b) Die rechtsseitigen Schwarz wasserflüsse des 
Amazonas. 

1. Der Rio Moju. Er ist ein Strom, der nur um 
weniges kleiner ist als die Themse, hängt etwa 20 englische 
Meilen vor seiner Mündung durch einen kurzen künstlichen 
Kanal mit einem kleinern Strome, dem Igarape-mirim, 
zusammen, der in entgegengesetzter Richtung dem Wasser- 
systeme des Tocantins zuströrtit.^) Seine Quellen liegen 
jenseits des vierten Parallelkreises in ausgedehnten Wald- 
ungen. Er mündet in den Rio Para und teilt alle Perioden 
und Bewegungen der Flut, der Ebbe und des Hochwassers 
mit dem Parastrome, und zwar treten nach Martins diese 
Erscheinungen hier ungefähr acht Minuten später ein als in 
der Stadt Para. Sein Wasser ist schwarz.^) 

2. Der Araguaya-Tocantins. Eine ebenso fleissige 
als treffliche Darstellung über die Entdeckungsgeschichte 
dieses Zwillingsstromes von der Zeit der Conquistadoren 
an bis zum Jahre 1817 gibt uns Martius.^) Da während 
dieser Periode jedoch eine reguläre Flussaufnahme niemals 
unternommen wurde, so war das Kartenbild in damaliger 
Zeit vom Araguaya-Tocantins ein erheblich abweichendes 
vom jetzigem. Auch die Castelnausche Expedition vom 
Jahre 1844 hat keine besonders wichtigen Erfolge für die 
Kenntnis dieses Stromes aufzuweisen, im Gegenteil, „sie hat'', 
schreibt Ehrenreich, „mehr dazu beigetragen, die gra- 
phische Darstellung, die Cunha Mattos 1836 vom Strome 
gab, wieder gründlich zu entstellen.'' 



*) Bates, S. 62. ^) Spix u. Martius, Bd. III S. 1042; 927, 
977, 979, 967, 1327. — Kletke, S. 738. ') Martius, Bd. III S. 1043 
u. 1044. 

R e i n d 1 , Schwarze Flüsse« 5 



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- 66 - 

Erst durch die Arbeit Ehrenreichs, der bei seiner 
Thalfahrt auf dem Araguaya Gelegenheit hatte, das ihm zur 
Verfügung stehende brasilianische Kartenmaterial zu prüfen, 
erhielt das Kartenbild des mittleren und unteren Araguaya 
eine wesentlich andere Gestalt. Namentlich der auffallende 
Bogen beijn Einflüsse des Crixas fällt nach Ehrenreich 
weg, ferner erfuhren viele andere Positionen am Hauptflusse, 
wie z. B. die Mündung grösserer Nebenflüsse und die Gestalt 
der Insel Bananal starke Veränderungen.^) 

A1& wichtige Relatorios für die Geographie und Hydrographie 
des Araguaya empfiehlt Ehrenreich: 

u den von Moraes Jardim über seine Fahrt verfassten Bericht: 

„O Rio Araguaya, Relatorio de sua explorapäo" Rio i88o; 
2. die treffliche, sehr eingehende Beschreibung der Kataraktenstrecke 
durch den Ingenieur Antonio Florencio Perreira do Lago, der 
dieselbe im Jahre 1871 im Auftrage der Regierung untersuchte: 
„Relatorio dos estudos da commissäo exploradora dos rios Ara- 
guaya e Tocantins. Rio 1876.^) 

Beschreibung des Stromlaufs. 

Die Wiege des Araguaya hat noch kein wissenschaftlich gebildeter 
Forscher gesehen. Von den drei Quellflüssen Cayapo Grande, Caya- 
posinho oder Rio Bonito und dem Rio dos Barreiros gilt der erstge- 
nannte als der Hauptfluss. Sein südlichster bekannter Punkt ist die 
Übergangsstelle Ehrenreichs unter 16® s. B. und 52° 20' westl. 
Länge Gr. bei Macedina. Hier ist der Fluss bereits 150 m breit. 

Vom Hafenorte S. Leopoldina an, wo der Fluss schon eine Tiefe 
von 4 — 7 m und eine Breite von 525 m hat, ist der Araguaya bereits 
für Dampfschiffe befahrbar. Über 6 Breitengrade lang fliesst er nun 
durch öde Campgegenden. „Unzählige, zur Hochwasserzeit über- 
schwemmte Inseln", schreibt Ehrenreich, „erfüllen auf dieser Strecke 
das Bett. Lagunen, durch schmale „Furos" mit dem Strom kommuni- 
zierend, finden sich an beiden Ufern in Menge. Ihre ausnahmslos halb- 
mondförmige Krümmung charakterisiert sie als Reste zugeschwemmter 
Flussbiegungen. Bis zur Tapirapemündung treten im Flusse selbst nur 
kurz unterhalb des Rio Vermelho und am Ufer bei S. ]os6 Felsmassen 



*) Zeitschrft. der Ges. f. Erdk. z. B. 1892 S. 121 — 123. — Ebenda 
1891 S. 167. ^) Zeitschrft. d. Ges. f. Erdk. z. B. 1892 S. 123 u. 124. 



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^ 67 - 

ZU Tage. Die erstereri bilden zerstreute abgerundete Blöcke aus hartem 
kieseligem Gestein, behindern jedoch selbst bei niedrigstetn Wasser- 
stande nicht die Schiffahrt. Die^ Breite des Stromes schwankt zwischen 
500 und looo m."*) 

Etwas unterhalb def Crixas-Mündüng teilt sich der Strom in einen 
östlichen und westlichen Arhi, die sich unter ungefähr lo* s. B; wieder 
vereinigen. Die so gebildete Insel führt den Namen ,y Insel Banänal" 
oder „Santa Anna" und hat nach Cunha Mattos eine Länge von 
60 Legoas (300 km) und eine Breite von 20 Legoas (100 km).^) Auf 
dem rechten Arme passierte im Jahre 1844 (Juni— Juli) die Castel- 
n a u sehe Expedition. Damals hatte der linke Arm 360 m, der rechte 
276 m.') Der stets schiffbare linke Arm ist jetzt die eigentliche 
Schiff*ahrts-Strasse. In ihn münden die drei grossen Nebenflüsse: 
Cristallino, Rio das Mortes und Tapirapes. 

Etwas südlich vom 10 ® s. B. an vereinigen sich wieder die beiden 
Arme des Araguaya. Der Zusammenfluss derselben soll infolge der 
mächtigen Urwälder, die sich in den Fluten des Wassers spiegeln, einen 
imposanten Anblick gewähren. Der rechte Arm des Stromes ist hier 
230 m, der vereinigte Strom 678 m breity die Schnelligkeit des letzteren 
beträgt 33 Vi m in der Minute.*) 

Bei Santa Maria beginnen bereits die bekannten Stromschnellen 
des Flusses, die nur mit grosser Gefahr passiert werden können. Es 
lassen sich hier namentlich zwei Gruppen grösserer Abstürze des Flusses 
unterscheiden, die Ehrenreich eingehend schildert.') 

Bei San Joäo das duas Barras unter 5° 20' s. B. mündet der 
Tocantins in drei Armen in den Araguaya. Ersterer Strom hat sein 
Quellgebiet im Urgesteinszug der Provinz Goyaz und übertrifft die 
Länge des Rheines um das Doppelte. Etwa unter 12* 10' s. B. taucht 
das Urgestein aus dem Sandstein auf, und der Fluss wird vöUig un- 
fahrbar. , An dieser Stelle verliess ihn die Castel hau sehe Expedition, 
nachdem sie ihn von seiner Mündung an befahren hatte.*) 

Nach der Vereinigung mit dem Araguaya behält der Tocantins 
seinen Namen bei, obwohl der erstere Strom viel länger und wasser- 
reicher ist als der letztere. Der Grund zu dieser Thatsache liegt darin, 
dass nämlich der Tocantins viel früher bekannt und besiedelt wurde 
als sein grösserer Zwillingsbruder. Die Breite nach der unmittelbaren 
Vereinigung dieser Ströme beträgt, von Castelnau trigonometrisch 
gemessen, 1780 m.') 



*) Zeitschr. d. Ges. f Erdk. z. B. 1892 S. 125. ^j Ebenda S. 126. 
•) Pet. Mittig, 1857 S. 164. *) Pet. Mittig. 1857 S. 164. ') Zeitschrft. d. 
Ges. f Erdk. z.B. 1892 S. 129-135. *) Pet. Mittig. 1857 S. 164. "') Pet. 
Mittig. 1857 S. 164. 



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— 68 — 

Der Tocantins behält zunächst die W.-Richtung des untersten 
Aräguaya bei, wendet sich dann nach Norden und tritt unter s'/z^s.B., 
nachdem er sich über gewaltige Catarakte gestürzt, in die Amazonas- 
niederung ein. Bates hat den Fluss von seiner Mündung in den 
Amazonas bis zu den Stromschnellen von Guaribas unter 4° 10' s. B. 
befahren und gibt uns eine herrliche Schilderung von dieser Fluss- 
strecke.') Darnach gleicht dieser Strom hier mehr einem See als einem 
Flusse. An der Mündung beträgt seine Breite nämlich 10 Engl. Meilen, 
(= 16 km), Cameta gegenüber noch 5 Engl. Meilen (= 8 km).^) 

Prinz Ad albert von Preussen ^) und Bates bezeichnen den 
Fluss als auffallend klar und dunkel.*; 

3. Der Xingu. Obwohl der Xingu unter den Ama- 
zonastributären, die ihre Wiege auf dem brasilianischen 
Berglande haben, sich erst am spätesten der Aufmerksamkeit 
gebildeter Forscher zu erfreuen hatte, besitzen wir heutzutage 
dennoch den besten homogenen Bericht über ihn. Man darf 
fast sagen, dass dieser Fluss bis zur ersten grossen Expedition 
Karls von den Steinen und seiner weitbekannten Mannen 
dem grössten Teil seines Laufes nach so gut wie unbekannt 
war. Zwar war schon gegen Ende des achtzehnten Jahr- 
hunderts ein deutscher Jesuilenpater Namens Hundert- 
pfund bis in das Gebiet der Yuruna-Indianer vorgedrungen, 
allein einen wissenschaftlichen Bericht über seine Reise hat 
er uns nicht hinterlassen.*») Auch im Jahre 1842 wurde 
vom verstorbenen Prinzen Adalbert von Preussen eine 
Fahrt Xinguaufwärts unternommen,«) allein diese Expedition 
fand schon unter dem 4 ^ s. B. ihr Ende ; und so dürfen wir 
mit gutem Recht sagen, dass man erst im Jahre 1884 mit 
Erfolg daran ging, den Schleier über ein nicht unbeträcht- 
liches Gebiet unbekannter Erde zu lüften. Wie schon 
erwähnt, war es die erste Xinguexpedition, die mit der Er- 
forschung dieses Stromes mit grossartigen Erfolgen begann. 



*) Bates, Kapitel IV S. 60-99. ') Bates, S. 63. ') Kletke, 
S. 733» 734- *) Bates, S. 62, 63, 73, 75. *) Clauss, „Die Xingu- 
Expedition vom Jahre 1884. Berlin 1885 S. 4. *) Kletke, H., „Reise 
des Prinzen Adalbert von Preussen". Berlin 1857. 



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- 69 - 

Karl von den Steinen,^) Otto Ciauss^) und der 
Vetter des ersteren, der Maler Wilhelm von den Steinen, 
waren es, die zum erstenmal im Jahre 1884 den Xingu von 
seinem Quellflusse, dem Batovy, bis zur Mündung in den 
Amazonas befuhren. Nachdem aber eine nähere Unter- 
suchung der Quellflüsse des Xingu dennoch notwendig war, 
unternahmen 1887 Paul Ehrenreich aus Berlin, Wilhelm 
von den Steinen aus Düsseldorf, Karl von den Steinen 
aus Berlin und Peter Vogel aus München eine zweite 
Xingu-Expedition.^) Hier wurde nun der Lauf des Batovy 
und der des Kulisehü festgestellt, allein die beiden Haupt- 
(Juellflüsse Ronuro und der Kuluene warteten noch immer 
auf ihre Befahrung. Während bis heute nun durch die dritte und 
vierte Xingu-Expedition unter Hermann Mayer 1896/97 
und 1898/99 (die dritte unter Begleitung des Anthropologen 
Karl Ranke aus München) auch der Ronuro erforscht 
wurde,*) ist die Kuluene-Quelle noch immer unserer Kennt- 
nis entzogen. Zur selben Zeit, als Hermann Mayer auf 
seiner ersten Reise im Quellgebiete des Xingu thätig war 
(1896/97), wurde auch der Unter- und Mittellauf des Flusses 
befahren und zwar von dem bekannten Franzosen Cou- 
dreau.ö) Die letzte Forschungstour in das Xingugebiet ging 
endlich im • Oktober 1900 unter Max Schmidt ab, 
wovon jedoch Reiseberichte zur Zeit noch fehlen.^) 

Beschreibung des Xingu. «Das Flussgebiet des oberen 
Xingu gleicht einer Hand", schreibt Hermann Mayer.') „Die einzelnen 
Quellflüsse entspringen in einer verhältnismässig schmalen Zone des 



Karl vondenSteinen, „Durch Central-Brasilien**, Leipzig, 
Brockhaus 1886. *) „Bericht über die Schingü-Expedition im Jahre 1884" 
von Otto Clauss, Pet. Mittig. 1886, Heft V u. VI. (mit 2 Karten) — 
femer: Clauss, „Die Schingu-Expedition von 1884", Berlin 1885. 
•) Zeitschrift der Ges. f Erdk. z. Berlin N. 4 u. 5. 1893. (Hierzu Tafel 
3 u. 4.) *) a) Hermann Mayer, „Bericht über die I. Xingu-Expe- 
dition". (Verh. d. Ges. f. Erdk. 1897 S. 172—199.) b) Hermann 
Mayer, „Bericht über die II. Xingu-Expedition". (Verh. d. Ges. f Erdk. 
z. B. 1900 S. 112— 129) ^) Globus 1898 S. 121. •) Globus 1901 S. 195. 
') Verh. d. Ges. f Erdk. z. Brl. 1900 S. 112. 



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— 70 — 

nördlichen Abfalls des grossen Hochplateaus, welches die Wasser- 
scheide des gewaltigen Stromgebietes des Amazonas und La Platas 
bildet." Die in fünf grösseren Becken entstehenden Quellflüsse sammeln 
sich in zwei HauptflQssen, dem Ronuro und dem Kulu^ne. Der west- 
liche Quellfluss, der Ronuro, ist sowohl der bedeutendste als auch be- 
kannteste. Die Frage nach seiner Herkunft war eine äusserst wichtige 
für die Geographie des Xingu und bildete die Generalidee Hermann. 
Mayers bei seiner zweiten Expedition. Bei seiner ersten Reise hatte 
dieser Forscher bereits den Jatoba, einen ziemlich bedeutenden Zufluss 
des Ronuro und den letzteren selbst von der Mündung des Jatoba an 
abwärts befahren. Erst auf seiner zweiten Reise gelang es Mayer, 
den Schleier von dem Ronuro-Gebiet endgültig zu lüften. Er befuhr 
den Fluss von der Quelle bis zur Mündung und stellte fest, dass der 
Ronuro aus zwei kleinen Quellbächen entsteht» dem Rio Bombas und 
dem Rio Formosa. Der Ronuro hat in seinem Ober- und Mittellaufe 
unzählige Fälle und Schnellen zu überwinden, so dass er dort fast un- 
befahrbar ist.*) Von der Aufnahme des Jatoba an hat er bereits eine 
Breite von 200 m,*) und vor der Mündung des Batovy traf ihn Mayer 
mit einer solchen von 300 m an.') Von links erhält der Ronuro den 
„Steinen-Fluss", von dem aber nicht mehr als seine Mündung bekannt 
ist. Von rechts erhält er den Batovy, den die erste deutsche Xingu- 
Expedition schon befahren hatte. Diese schiffte sich nämlich beim 
Austritt des Batovy aus seinem Quellbecken, also beim Beginne seines 
Erosionsthaies unter 13** 57,2' S. ß., auf ihm ein und begann ihre Thal- 
fahrt. Innerhalb des Erosionsthaies und ausserhalb desselben, bis zu 
13« 4' S. Br., auf einer Strecke von ungefähr 120 km, durchsetzen zahl- 
lose Steinschwellen, die mehrfach die Breite von 500 m erreichen, das 
Flussbett und bilden Wasserfälle, Katarakte und Stromschnellen. Durch 
das Flachland nimmt der Batovy entsprechend seiner geringen Grösse 
in zahllosen engen Windungen seinen Lauf, so dass die Flusslänge das 
doppelte der Entfernung von der Quelle bis zur Mündung beträgt. Er 
mündet unter 12° S. B. in den 300 m breiten Ronuro.*) 

Während der zweite Hauptquellfluss des Xingu, der Kulufine, nur 
in seinem Unterlaufe befahren wurde, ist sein grösster Beifluss, der 
Kulis^hu, wieder eingehender erforscht. Dieser wurde von der 2. Xingu- 
Expedition befahren und ist nur in seinem Oberlaufe der vielen Strom- 
schnellen wegen sehr schwer zu passieren; vom dritten Bakairi-Dorf 
an dagegen hat er einen ziemlich ruhigen, ungefährlichen Lauf®) 



*) Verh. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin 1900 S. 112. ^) Ebenda, Jahr- 
gang 1897 S. 186. •) Ebenda, Jahrg. 1897 S. 187. *) Pet. Mittig. 1886 
S. 132. ®) Vogel, „Reisen in Mato Grosso"; Zeitschr. der Ges. für 
Erdk. zu Berlin 1893 Nr. 4 S. 258 mit 263. 



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— 71 — 

Unter dem ii°5o' S. B. vereinigen sich Ronuro und KuluSne und 
bilden den eigentlichen Xingu der Karten. Dieser hat dort schon die 
ansehnliche Breite von 500 m; seine Ufer sind eben und mit einer 
dichten Wand üppiger tropischer Vegetation gesäumt. An dem steil» 
abfallenden Sandufer findet man Spuren, dass zur Hochwasserzeit die 
Wasserfläche bis zu 5 m höher liegt. Ausgedehnte Sandbänke er- 
schweren degegen zur Trockenzeit selbst für seicht gehende Boote 
die Fahrt') 

Ehe unter dem 10** S.. B. die Ufer des Xingu Gebirgscharakter 
annehmen, empfängt er von beiden Seiten noch je zwei stattliche Neben- 
flüsse, die ihn zu einem Strom von i km Breite vergrössem. Innerhalb 
der Berge , die dem Xingu bis nach seiner Mündung folgen , konnte 
C lau SS keine bedeutenderen Zuflüsse konstatieren, und wenn trotzdem 
der Xingu allmählich unter dem 3* S. B. zu einem 5 km breiten Strom 
herangewachsen ist, so hat er dies allein der reichen Wasserabfuhr der 
Berge zu verdanken, welche in zahllosen Rinnsalen stattfindet.^) 

Innerhalb des Gebirges wird der Xingu zu grossen Biegungen 
gezwungen; er hat meist ein nahezu stagnierendes Wasser, und das 
Gefälle von 160 m, das die erste Xingu-Expedition für die Strecke 
zwischen 10. und 3. Grad feststellte, wird lediglich ausgeglichen durch 
zahllose (gegen 200) mächtige Stromschnellen, welche nur unter der 
kundigen Führung von Indianern mit einiger Sicherheit zu passieren sind. 

Die grössten Katarakte des Xingu finden sich jedoch in jener 
charakteristischen Biegung unter dem 3** S. B. zusammengedrängt, und 
durch sie wird das Xingubett um 90 m tiefer, also direkt nach der 
Basis des Amazonas verlegt. 

Als 9 km breiter Strom ergiesst sich der Xingu unter 1V2® S. B. 
in den Amazonas. Die Wirkung von Ebbe und Flut wird auf seinem 
ganzen unteren Laufe verspürt. Über seine Länge sagt C 1 a u s s : „Um 
sich an der Hand geläufiger Distanzen eine Vorstellung von der un- 
geheuren Länge des Xingu zu bilden, denken wir uns seine Mündung 
nach Hamburg verlegt; dann würden wir seine Quellen an derTafri- 
kanischen Nordküste bei Tunis zu suchen haben"*} 

Über seine Farbe im Unterlaufe lese ich in dem Werke: „Reise 
des Prinzen Adalbert von Preussen" S. 451 : „Der Xingu ist noch dunkler 
als der Tapajoz"; Seite 543: „schwärzliches Bouteillengrün" ; Seite 639: 
„schwarzgrün"; Seite 702: „dunkel und klar"; Seite 539: „schon eine 
ganze Weile vorher hatte der Xingu sich durch sein klares^ bouteillen- 
grünes Wasser angekündigt, dem allmählich die trübe, gelbe Flut des 
Amazonas das Feld hatte räumen müssen." 



') Pet. Mittig. 1886 S. 132. ') Pet. Mittig. 1886 S. 133. ») Ihre 
Königl. Hoheit Prinzessin Therese von Bayern, „Reise etc." S. 160 
*) Clauss, „Die Schingu-Expedition" S. 6. 



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— 72 — 

Herr Clauss hatte die liebenswürdige. Güte, mir brieflich 
mitzuteilen, dass das Wasser des Xingu „entschieden dunkel" sei. 
Ferner hatte Herr Karl von den Steinen aus Berlin mir eben- 
falls die grosse Ehre geschenkt , auf meine Anfrage über die Wasser- 
farbe des Xingu folgendermassen zu antworten: „In meinem Buche 
,Durch Central-Brasilien', Leipzig 1886, finden Sie Seite 198 für den 
Schingu Schon kurz nach der Vereinigung der Hauptquellen : Die Farbe 
des Wassers ist in der Mitte des Flusses dunkelgrün, was die Leute 
,Schwarz* nennen; S. 218: ,flaschengrün*, gegenüber dem schmutzig- 
braunen (oder ,agoa preta' der Leute) Wasser eines rechten Nebenflusses. 
Ich habe das Wasser stets als flaschengrün, mehr oder weniger hell, 
aufgefasst und so in der Erinnerung." 

4. Der Tapajoz. Solange die Wasserstrasse der 
Paraguay-Flüsse, die jetzt bequem zur Hochebene von Mato 
Grosso führt, noch nicht benützt wurde, fuhren die brasiliani- 
schen Händler meistens den Tapajoz hinauf, um ihre Waren 
nach Diamantino und Cuyaba zu bringen. Ihre Mitteilungen 
über diesen Fluss waren indes äusiserst dürftig und von sehr 
wenig wissenschaftlichem Werte. Die Erforschung des Tapajoz 
begann erst mit Chandless^i) dem wir auch die erste 
kartographische Aufnahme des Stromes verdanken. Die 
Reise, welche Orton^) im Jahre 1870 durch das Tapajoz- 
Gebiet antrat, ist von geringer Bedeutung, während uns 
Brown und Lidstone^) 1873 über den Unterlauf des Flusses 
sehr schätzenswerte Mitteilungen machten. Clauss*) kam 
1883 auf der Xingu-Expedition in das Quellgebiet des Arinos 
und Paranatinga, und die Forscher Ehrenreich, Wilhelm 
und Karl von den Steinen, sowie ;iVogel aus 
München überschritten 1887 den San Manuel, wie der zweite 
Hauptquellfluss des Paranatinga genannt wird. 1889/90 wurde 
der Paranatinga von Teiles Pi res, deVelleroy, Miranda 
und Carlos da Silva Teiles von der Quelle bis zur 
Mündung befahren 0) und 1895 besuchte in einem Canoe 



*) Chandless: Notes on the rivers Arinos, Juruena und Tapajoz. 
Joum. R. G. S. 1862 ßd. 31, p. 268—280. ^) Orton, American Journ. 
Ser. II Bd. 47 p. 339. ') Brown and L i d s t o n e , fifteen thousand miles 
on the Amazon and its tributaries; London 1878. *) Pet. Mittig. 1886, 
Heft 5 und 6 mit 2 Karten. ") „Ausland" No. 48 Jahrg. 1890 



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— 73 — 

H. Coudreau den Tapajoz von Itaituba bis zum Salto 
Augusto.^) Wertvolle Beiträge zur Kenntnis dieses Stromes 
verdanken wir auch Bates,^) Katzer,^) Spix und Martins*) 
und Castelnau.5) 

Betrachten wir nun den Tapajoz näher! 

Er entsteht aus den beiden Quellflüssen Arinos und Juruena, deren 
Zusammenfluss etwa unter lo® 20' S. B. erfolgt. Die Wiege des Arinos 
liegt fast genau unter 14* 29' südL Br. und 56 w. L. auf der Serra 
Tombador. Eine friedliche Laufrichtung scheint diesem Flusse zu fehlen, 
denn unter 11® 38' S. B. ist sein Bett schon von zahlreichen Schwellen 
und granitischen Felsinseln unterbrochen. Der Rio Preto und der Rio 
Estivida führen ihm wahrscheinlich ihre Wasser zu Bei Hochwasser 
stehen vermutlich zahlreiche Tributäre des Arinos mit dem Cuyaba in 
Verbindung, so dass zu dieser Zeit eine Wasservermischung mit dem 
Paraguay-System nicht ausgeschlossen ist.*) Der Rio Sumiduru, der 
Rio Parecis und der Rio Peixe sind grössere Zuflüsse des Arinos. 

Der zweite Quellfluss des Tapajoz, der Juruena, entsteht auf der 
Serra dos Parecis.') Er wurde noch nicht befahren und seine Kenntnis 
beruht lediglich auf brasilischen Quellen. Sdne bedeutendsten Tributäre 
sollen der Rio Jubina und der Rio Camarar6 sein. Beim Zusammen- 
flusse des Arinos und Juruena hat der erstere 275 m, der letztere 460 m 
Breite. Der vereinigte Strom führt dann den Namen Tapajoz und ist 
ausgezeichnet durch seinen ruhigen Lauf, der nur zweimal auf der 
ganzen Strecke bis zum Amazonas von grösseren Catarakten unter- 
brochen wird, nämlich zwischen dem 8° und 9» und unter dem 4® 30' 
s. Br. Die kleinen Störungen, die Chan dless angibt, sind der SchifF- 
fahrt nicht hinderlich. Unter den oberen Fällen hat der bedeutendste, 
der Salto Augusto, eine Niveauversetzung von 9 m, Coudreau gibt 
in seiner Höhentafel den Fall oben 475, unten 458 m hoch über dem 
Meere an. Die obere Kataraktengruppe hat ungefähr 18 Schnellen, von 
denen mehrere durch Umladen umgangen werden müssen; namentlich 



*) Voy. au Tapajoz 1895/96 mit Karte i : 600000; Paris 1897. 
■) Bates : Kapitel 9 „Reise den Tapajoz hinauf, S. 228—273. ') a. Katzer: 
F., A. „foz do Tapajos e suas relacöes com a aqua subterranea na regiao 
de Santarem." — BoUetin do Museu Paraense de Hist. Natural e Ethnogr.; 
Para 1897 2 No. i S. 78. b. Katzer: „Zur Geographie des Tapajoz", 
Globus, 1900, S. 281 mit 285 (i Karte). *) Spix und Martins, 3. Bd. 
S. 1050— 1052. ®) Castelnau: „Exped. dans les parties centrales de 
TAmerique du Sud.'* •) Vgl. Vogel: „Reisen in Mato Grosso 1887-88" 
(Zeitschr. der Ges. für Erdk. zu Berlin 1893 No. 4). ') Globus^ 1900 
S. 281. 



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— 74 — 

kann der Salto Augusto während des ganzen Jahres nicht tiberschritten 
werden, weshalb der Tapajoz nicht jene Bedeutung für die Schiffahrt 
erlangtej, die man von ihm zu hoffen wägte. 

Zwischen dem 8 <» und 6 » S. B. empfängt der Tapajoz von rechts 
zwei grosse Zuflüsse, den San Manoel, an der Mündung 460—550 m 
breit und den Rio Tropas, an der Mündung 320 m breit. Während 
letzterer Fluss nur einige Meilen von der Mündung aufwärts bekannt 
ist, wurde der San Manoel durch die von der Geogr. Gesellschaft zu 
Rio de Janeiro ausgesandten Expedition 1889/90 vollständig airf «einem 
ganzen Läufe befahren.^) Dadurch iwar dfc Frage gelöst, dass der 
Paranatinga, der früher als Nebenfluss des Xingu betrachtet wurde, 
gleichbedeutend ist mit dem Mittellaufe des Rio San Manuel, dessen 
Oberlauf die i. und 2. Xinguexpedition schon einigermassen festgestellt 
hatte. Seinen Ursprung hat dieser Fluss nach VogeP) unter 140 38,6 S. B ; 
seine Breite beträgt am Hafen der Bakairi schon 130 m. Für die Schiff- 
fahrt ist der Fluss ohne Wert, denn er besitzt 4 grosse Fälle, einige 
30 Katarakte und unzählige Stromschnellen. Die ganze Länge des 
Stromes beträgt 290 Leguas.') *). 

Unter 4 ** 30' südlicher Breite befinden sich die unteren Katarakte 
des Tapajoz. Der Cach. Diagorao und der Cach. Maranhäo sind hier 
die bekanntesten Fälle. Der Fluss verlässt dort auch die brasilianische 
Masse, wird seeartig und zu einem echten Niederungsfluss. In diesem 
Teile, sagt R e c 1 u s , ") ist der Tapajoz noch mehr tot als der Rio Negro 
und fast ebenso schwarz als er, daher die Volksbezeichnung Rio Preto, 
d. h. schwarzer Fluss 

Bei Santarem mündet der Tapajoz in den Amazonas. Wo sich 
beide Flüsse vereinigen, verringert der Tapajoz sein Volumen zwischen 
der Insel Las Oncas und Santarem plötzlich von 17306 auf 9476 cbm 
Wasser in der Sekunde. Katzer sucht dies dadurch zu erklären, dass 
er eine unterirdische Abzweigung des Tapajozwassers und die Speisung 
der Brunnen von Santarem durch dieses annimmt.®) 

In seinem Oberlaufe ist der Fluss in Sandstein eingegraben, von 
10 S. B. an durchfliesst er nach Chandless Granitgebiet. Mächtige 
Urwälder begleiten den fast unbewohnten Strom. Die ganze Länge des 



') „Die Natur'*, Zeitschrift zur etc. 1891 Bd. 40 S. 46. ^) Zeitschr. 
der Ges. f. Erdk. zu Berlin 1893 No. 4 Tafel 3. ») „Die Natur'', Bd. 40 
S. 46 Jahrg. 1891. *) Nach Claus s war bereits 1819 ein brasilianischer 
Leutnant, namens Peixote, den „Paranatinga" hinabgefahren und in 
den Tapajoz gekommen. („Die Schingu-Expedition von 1884 'V Berlin 1885 
S. 4.) *) Reclus, Bd. 19 S. 134. *) Katzer, A. foz do Tapajos e suas 
relacäes etc. (Bol. do Mus. Parense de Hist. Natural e Ethnogr. Para, 
1897 2 Nd. I S. 78.) 



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— 75 -^ 

Flusslaufes beträgt 1930 km;*) das . Stromgebiet umfasst 430 500 qkm. 
Jährlich wird der Tapajoz von ungefähr 700 Dampfern und iioo kleineren 
Fahrzeugen befahren.*) 

Ober die Wasserfarbe des Tapajoz schreibt Chandless:^) 
„Oberhalb der Mi^idung.des San Manoel verwandelt sich das 
Flusswasser von dem heiten Grün des Arinos und Juruena 
in eine dunkle schwärzliche Färbung; aus diesem Grund ist 
der Fluss von San Manoel abwärts unter dem Tiamon Kiver 
Preto bekannt. Sogar in Santarem spricht man unter keinem 
andern Namen von ihm.** 

Av6-LaUemant sagt darüber:*) ^In schräger Richtung 
setzten wir über den grauen Strom (Amazonas)» der plötzlich 
scharf abgeschnitten schwarz erschien. Beide Wasser- 
schichten liefen ganz unverniischt nebeneinander hin, jede 
ihre Uferseite behauptend, ein höchst auffallendes Phänomen. 

Das ist das sogen, „schwarze Wasser** des mächtigen 
Tapajoz, an dessen rechtem Ufer Santarem liegt. Silberklar 
und vollkommen rein ist das Wasser des Tapajoz, zumal 
neben dem trüben, grauen Wasser des Amazonenstromes . . '* 

K atz er endlich sagt davon :^) „Das Wasser des Tapajoz 
erscheint im reflektierten Licht, wenn sich der reine Himmel 
darin spiegelt, blauschwarz, bei direkter Sonnenbestrahlung 
schwärzlichgrün (wie Alizarintinte) bis hell olivengrün, je 
nach der Tiefe. Es ist dabei äusserst klar, so dass man selbst 
durch eine 3 bis 4 m mächtige Schicht bis auf den Grund 
sieht. Es gilt als sog. „schwarzes** Wasser und der Fluss 
wird daher von den Cearenser Kolonisten bei Santarem auch 
kurz Rio preto (schwarzer Fluss) genannt. Die Analise einer 
bei Itaituba geschöpften Probe ergab einen ausserge wohn- 
lich geringen Gehalt an gelösten Bestandteilen, in welchem 
Sinne der Tapajoz zu den reinsten Flüssen der Welt gehört." 



*) Reclus, Bd. 19 S. 147. ') Ebenda, Bd. 19 S. 147. ») Journal 
of the Royal Geographical Society, London 1862. Chandless: „Notes on 
the river Arinos, Juruena und Tapajoz." *) Ave-Lallemant^ Reise 
durch Nordbrasilien, 2. Tl. S. 89 und 90. **) Katzer: „Zur Geographie 
des Rio Tapajoz'*; Globus 1900 S. 284. 



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- 76 - 

Auch Ehrenreich ,1) Bates, 2) Reclus, 8) Prinzessin 
Therese von Bayern^) bezeichnen das Wasser dieses 
Stromes ebenfalls als „tintenschwarz'^ 

5« Der Mauö-ässu, Abacaxis und Cantuna.^) 

Diese drei Ströme, die uns Chandless kennen lehrte, 
münden in den Paranä-mirim de Canuma, einen etwa 245 
Meilen langen Seitenkanal des Madeira, der als Päranä-mirim 
de Römos bei der Stadt Villa Bella in den Amazonas mündet.^) 
Während aber der Paranä-mirim im allgemeinen ein Weiss-^ 
Wasserstrom ist, haben seine genannten Zuflüsse klares, 
schwarzes Wasser. Auch dadurch sind letztere sich ähnlich, 
dass sie in ihrem Laufe drei verschiedene Phasen zeigen, die 
auf ihre Bildungsgeschichte schliessen lassen : In einer kurzen 
Entfernung von ihren schmalen Mündungen nämlich, welche 
durch das angeschwemmte Land des Madeiradetritus verengt 
worden sind, zeigen sich lange, weite offene Flussreviere mit 
Altwasser, oft mit einem klaren Wasserhorizont und mit nur 
ein paar kleinen Inseln, welche die Aussicht nicht stören. — 
Bei der 2. Phase ist dies anders. Die Breite von Ufer zu 
Ufer ist etwas geringer als bei der ersten; zwischen beiden 
Ufern liegt ein Labyrinth von Inseln ; die Kanäle zwischen 
diesen enden vielfach blind. Bei Niedrigwasser lässt eine 
schwache Strömung den Flusskanal von den blind aus- 
gehenden unterscheiden, bei Hochwasser fehlt auch sie; dann 
ist ein Zurechtfinden in dem Labyrinth unmöglich. — Die 
3. Phase endlich zeigt den Fluss als einen wohldefinierten 
Kanal, der nur hie und da einige Inseln aufweist und eine 
gute Strömung zeigt. Breite und Wassermasse stehen hier 
in richtigem Verhältnis zu einander.''^) Auch ein Nebenfluss 
des Maue-ässu zeigt die gleiche Erscheinung, nur in noch 
drastischer Weise, nämlich der Guar anatuba. Er setzt sich 

^) Verhandig. der Ges. flQr Erdk. zu Berlin 1900 S* 160. ^) Bates, 
S. 126, 205, 209, 198, 270. ') Reclus, S. 134 Bd. 19. *) Prinzessin 
Therese von Bayern, „Meine Reise etc/' S. 157. ^) Chandless: Journ. 
R. G. S. Vol. 40 1870 S. 4.19—427 mit einer Karte. •) Ebenda S. 419. 
') a. a. O. pag. 420. 



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— 77 — 

nach oben fort in den Carauahy, der so klein ist. dass es 
unmöglich war, seine Mündung ohne Führer zu finden^ 
während der Guranatuba eine Breite von 1^2 km und mehr hat* 

Allem Anscheine nach sind die unteren Teile dieser Flüsse nach 
C h an dl es s Ästuarien gewesen, die jetzt von oben, von den sediment- 
armen Flüssen nur sehr langsam zugeschüttet werden.*) 

Besprechen wir nun jeden Fluss einzeln ! 

a) Der Mau^-assu,^) welcher oberhalb der Mündun^g 
des Amaua Parauary genannt wird , hat eine ziemliche An; 
zahl von Stromschnellen, von welchen die niederste fast 
genau auf den Parallelkreis 50 S. trifft. Die ersten zehn 
Stromschnellen kann man stromaufwärts in 2 Tagen in einem 
kleinen Boote passieren, weiter oben liegen dieselben weiter 
auseinander. Vpn sämtlichen derselben ist nur der „Salto 
Grande", der eigentlich kein Wasserfall, sondern nur eine 
sehr reissende Strömung in eingeengtem Bette ist, zu Wasser 
unpassierbar. Die geologischen Verhältnisse an diesem Flusse 
sind sehr einfach: Die Sandsteinformation ist hier wie auf 
dem brasilianischen Plateau ausgebildet. Der Fluss Amaua 
ist ein Tributär des Maue-assu und bildet einen schönen, un- 
gefähr 30 Fuss hohen Fall. Auch er hat sich tief in Sand- 
stein eingegraben und zeichnet sich aus durch seinen „toten" 
Lauf Die ganze Gegend ist wenig bewohnt. 

b) Der nächste Schwarzwasserstrom ist der A b a c a x i s.^) 
Am auffallendsten fand Chandless in seinem Unterlaufe 
die manchmal in kurzen Zwischenräumen auftretende Ab- 
wechselung von einfachen weissen Sandklippen mit den ge- 
wöhnlichen roten Lehmbänken. Auf den ersteren war der 
Baumwuchs aber dünn und niedrig, auf den letzteren zeigte 
er üppige tropische Vegetation. Am mittleren Laufe des 
Abacaxis ist die Sandsteinplatte, ähnlich wie auf „Mato 
Grosso'', mit einer 4 Fuss hohen Schichte von Kieselsteinen 
und Sand bedeckt. Interessant ist die Schilderung, die 
Chandless von der Farbe dieses Stromes gibt. „Das 



*) a. a. O. pag. 420 und 421. ^) a. a. O. pag. 421. *) pag. 422. 
— Siehe auch Martins S. 1061. 



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- 79 - 

Wasser des Abacaxis'', sagt er, „ist, wie das der anderen 
2Wei Flüsse, in dem breiten, tieferen Teil klar und dunkel, 
aber nicht kaffeebraun wie das des Rio Negro. Weiter auf^ 
wärts jedoch, nämlich oberhalb des Lago Grande, fand ich 
es beständig weniger dunkel und mit mehr Satz, bis es 
ziemlich genau dem Wasser des Madeira oder änderer Weiss- 
wasserflüsse zur gleichen Zeit des Jahres, wenn sie niedrig 
sind, glich, und wie dieser zeigte es eine grüne, nicht eine 
braune Färbung. Aber weiterhin, nachdem ich die grosse 
Krümmung des Abacaxis Jiinter mir hatte, fand ich, dass das 
Wasser wieder nach und nach klarer und dunkler wurde, 
bis es so braun war wie das Rio Negrowasser, und so ging 
es fort, soweit ich kam. Es schien mir, dass der Wechsel 
in dem mittleren Teil durch den Ausfluss aus StaüWassern 
verursacht wurde, in welchen Lehmbänke blossgelegt wurden. 
Die Richtung des Flusses begünstigte die Thätigkeit des 
Windes (N.O. oder O.-N.O.), was eine Ausspülung verur- 
sachte und den Gedanken mir aufdrängte, dass der Lehm 
vielleicht die braune Farbe des Wassers absorbiere und ihm 
eine grünliche Färbung gäbe. • Wenn der Fluss hoch ist, 
würde diese Ursache wegfallen, und dies mag der Grund 
davon sein, warum (wie ich so oft bei den Mündungen der 
Zuflüsse des Purus u. s. w. beoabachtet habe) das Wasser 
von solchen Flüssen viel heller ist, wenn sie niedrig sind, 
dagegen dunkle Färbung aufweist zur Zeit der Flut."^) 

Mit unbedeutenden Ausnahmen fand Chändless alle Flüsse, 
welche in den Abacaxis ihre Wasser führten, annähernd von derselben 
schwarzen Farbe wie der Hauptstrom.'') 

c) Der CanumaFluss,3) der letzte von den drei 
Paranamirim-Tributären, ist am wenigsten erforscht. Auf ihm 
kam Chandless nicht so. weit aufwärts, als bei den andern 
beiden Strömen; die 3. Phase erreichte er hier nicht mehr. 
Auf der befahrenen Strecke soll der Canuma viele Strom- 
schnellen haben, von denen einige schwer und gefährlich zu 
passieren sein sollen. 60 bis 70 Meilen oberhalb der Mündung 



*) pag. 423- ^) pag. 423- ") pag. 424- 



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— 79 — 

des Acäry sind vermutlich keine Störungen mehr im Strom- 
lauf des Canuma vorhanden. Der Fluss ist durch die starken 
Fieberepidemien berüchtigt, die während des „Niedrigwassers ** 
auftreten und oft mörderisch wirken, beim ersten Steigen des 
Wassers aber als wie mit einem Schlage vernichtet erscheinen 
sollen, ganz ähnlich als wie in New Orleans der erste Frost 
das gelbe Fieber beendet. Am untern Teil des Flusses wird 
Tabak gebaut; weiter aufwärts herrscht Urwald vor und ist 
der Fluss so gut wie unbewohnt.^) 

6. Die schwarzen Nebenflüsse des Madeira trnd desPurus. 

Die drei Schwarz wasserströme Canuma, Abacaxis und 
Maue-assu, die in den Paranä-mirim de Canuma, einem Seiten- 
arm des Madeira, münden, haben wir bereits kennen gelernt. 
Ob die beiden Rio Negros^ von denen der eine^ ein Neben- 
fluss des Beni, der andere ein Tributär des San Miquel 
(Nebenfluss des Guapore) ist ,2) Schwarzwasserflüsse mit 
klarem Wasser 3ind, wissen wir nicht, dagegen ist der River 
Machado, der rechtsseitig in den Madaira fliesst, ein solcher. 3) 
Chandless sagt von ihm auch, dass er im Februar und 
März steige und dass zu dieser Zeit das Fieber an seinen 
Ufern gewaltig herrsche. Der Madeira selbst soll zur Trocken- 
zeit nach Seilin*) eine sehr braune Farbe haben, während 
er zur Regenperiode, wenn Detritusmassen seine Fluten ver- 
unreinigen, gelblich sei wie der Amazonas. 

Das gleiche soll auch beim Puru$ zutreffen.*) Ausserdem hat 
dieser Strom ebenfalls echt^ Schwarzwasserströme als Nebenflüsse. 
Ehrenreich schreibt: „Verschiedene Puruszuflüsse zeigen in dicker 
Schicht tintenschwarze^ in dünner hellbraune Färbung, die den Ge- 
schmack des Wassers nicht alteriert/' •) Auf eine Anfrage von meiner 
Seite aus bei Herrn Ehren reich über die näheren Ursachen 
dieser eigenartigen Schwarz wasser hatte der sehr verehrte Forscher die 
Güte, mir folgendes zu entgegnen : „In Erwiderung Ihrer Anfrage 



*) Siehe auch: i. Martius, S. 1308, 1306, 1315; 2. Bates, S. 158. 
^) Debes, „Neuer Handatlas" (Mittel- und Südamerika No. 59). ") Journ. 
R. G.S. 1870 S. 423. *) Seil in: ,, Das Kaiserreich Brasilien*', I. T., Leipz. 1885, 
S. 15. *) Ebenda, S. 15. — Ferner: Avd-Lallement, IL Tl.: „Durch 
Nordbrasilien", S. 208 '^) Verhdlg. d* Ges. f. Erdk. zu Berlin 1890 S. 160. 



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— 8o - 

bezüglich der SchwarzwasserflOsse erlaube ich mir Ihnen mitzuteilen, 
dass ich diese Frage nicht genauer verfolgt habe. Der Purus scheint 
mehrere Zuflüsse mit schwarzem Wasser zu haben, von denen ich einen, 
den unterhalb Hyutanaham einmündenden Aciman, selbst befahren habe." 
— Auch nach Chandless haben mehrere Purustributäre schwarze 
Fluten. „Am 7. Juni", so schreibt Chandless, „passierte der Kahn 
die Mündung des Parana-pixuna, dessen schwarzes Wasser über 3 engl. 
Meilen weit unvermischt im Purus zu bemerken war." *) Der Inauynim 
gehört ebenfalls hieher.^) 

7. Der Rio Autaz. Dieser Schwarzwasserfluss ist 
nur an seiner Mündung bekannt Ave-Lallemant schreibt 
von ihni:^) „Am Nachmittag erkannte der Indianer, den mir 
Herr Braulio als einen des Weges kundigen Menschen mit- 
gegeben, in der Ferne die Mündung des Rio das Uautaz oder 
Otas, und wirklich liefen wir bald in einen etwa 1000 Klafter 
breiten Fluss mit klarem, schwarzgrünem Wasser ein, welcher 
sich offenbar noch in einem Zustande von Aufstauung befand, 
denn noch immer war der Amazonenstrom hoch genug, um 
das Ablaufen der Wasser aus seinen Zuflüssen zu verhindern. 
Diese Aufstauung — Represa — schien mir am Rio-das-Otas, 
welcher einige Meilen oberhalb des mächtigen Madeira in 
den Amazonenstrom fällt, doch auffallend gross. Der kleine 
Fluss, der wenigstens als solcher auf den Landkarten steht und 
mir als ein solcher bezeichnet worden war, erschien mir ein 
unabsehbarer Landsee und für einen unbedeutenden Nebenfluss 
ungeheuer gross und br^it^ Das Tachi blühte in prachtvoller 
Menge längs des dunkeln, spiegelglatten Wassers. Ein wun- 
derbarer Abendschatten senkte sich herab auf den schwarzen 
Fluss." 

8. Der Rio Coary. Der Coary ist ein dem Purus 
sehr ähnlicher Fluss, welcher ebenfalls vom Solimöes sich 
in südlicher Richtung bis etwa 10 ^ s. B. erstreckt. „Ein 
Mann, der zu uns kam", schreibt Ave-Lallemant, „war 
T5 Tage den Strom aufwärts gegangen, ohne sein Ende zu 



*) Pet. Mittig. 1867 pag. 257. *) Pet. Mittig. 1867 pag. 260. ') Ave- 
Lallemant: „Reise durch Nord-Bras." II. Tl. S. 259 und 260. 



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— 8i — 

erreichen. Ein ununterbrochener Wald deckte sein Ufer." 
Sein Wasser ist schwarz.^) 

9. Der Rio Teffe.2) Er ist ebenfalls ein Schwarz- 
wasserfluss mit klarem Wasser und führt die Namen Tefe, 
Taife, Taip^, Tapi (d. h. in der Tupisprache : tief). Während 
er bei seinem Einflüsse in den Amazonas sich seeartig er- 
weitert, engt er sich weiter aufwärts sehr bald ein. Seine 
Ufer sind mit dichter, aber niedriger Waldung bedeckt, arm 
an Sasseparilla und Cacao, deshalb wenig besucht. An 
seinem Unterlaufe liegt die Stadt Teffi (Egas). Eine Strö- 
mung des Flusses war nach Bates nicht bemerkbar, „und 
das Wasser hatte eine olivenbraune Farbe ; die unter Wasser 
gesetzten Stämme waren aber bis zu einer grossen Tiefe 
sichtbar." Das „schwarze" Wasser des Teffe braucht lange, 
sagt Avä Lallemant, bis es sich mit den grauen Fluten 
des Amazonas vereinigt. 

IG. Der Jutahy. Dieser Fluss wurde von Brown und 
Lids tone mit einem Amazonasdampfer 725 km weit von der 
Mündung aus aufwärts befahren.^) Er ist nicht zu verwech- 
seln mit dem Jutachy, einem nördlichen Tributär des Ama- 
zonas, der zwischen dem Paru und Rio Curupatuba dahin- 
fliesst. Sein Flussbett liegt in der grossen Amazonasniede- 
rung westlich des Rio Jurua und ist in lockeren Sand und 
in Sandsteine, welch letztere aber selten anstehen, einge- 
graben. Zuerst hat der Jutahy bis etwa über den 5^ S. Br. 
hinaus nordöstliche Richtung, worauf er dann bis zu seiner 
Mündung fast rein nördlich fließst. 

II. Der Samiria-Fluss.^j Er ist ein kleiner Strom, 
welcher wenig oberhalb der Mündung des Ucayale auf dem 



*) I. Av6-Lallemant: „Reise durch Nord-Brasilien*S IL Tl. 
S. 210. 2. Spix und Martius. S. 1153, ') Siehe: Spix und Martius, 
S. 1161 und 1163. — Bates, S. 286, 312, 315. — A v6-Lallemant: 
„Reise durch Nord-Brasilien", II. TL S. 212, 214, 251. ') Brown and 
Lids tone: Fifteen thousand miles on the Amazon and its tributaries 
pag. 502. *) Zeitschr. der Ges. für Erdk. z. Brl. Bd. 32. Jhrg. 1897. 
S. 387. 

Rein. dl, Schwarze Flüsse. 6 



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— 82 — 

rechten Ufer des Maranon einmündet und in ziemlich starken 
Windungen im allgemeinen von Süden nach Norden fliesst. 
Seinen Ursprung hat er wahrscheinlich in dem etwas erhöhten 
Gelände in der Gegend des Yurimaguas. Sein Wasser ist 
im Gegensatz zu dem trüben, weisslichen des Maranon, 
braunschwarz und klar. Im Glase betrachtet erscheint es 
goldbräunlich ; sein Geschmack ist etwas unangenehm. Die 
Wassertemperatur fand Rimbach an der Oberfläche 23^^ C. 



IV. Die schwarzen Ströme des brasilianischen Berglandes. 

Schon die Namen Rio Preto, Rio Negro und Rio Pardo 
auf unseren Karten zeigen, dass auf dem alten Geßirgszuge, 
der sich vom Amazonas bis zum La Plata an der Küste 
dahinzieht, die Schwarzwasserflüsse landschaftsbestimmend 
auftreten. „Unweit Agä", schreibt Wied-Neuwied,i) 
„erreichten wir einen Fluss, dessen Wasser eine dunkel-kaffee- 
braune Farbe hatte wie die meisten Waldbäche und kleinen 
Flüsse dieses Landes" (Bahia). „Der Name der Gewässer 
ist sehr häufig*', sagt Tschudi^) von den Flüssen der Provinz 
„Minas geraes'*, „von ihrer Farbe genommen, daher die un- 
zählige Wiederkehr der Flussbenennungen Rio Negro oder 
Rio Preto (der schwarze Fluss), Rio Pardo (der braune Fluss).*' 
— „Die deutlich sichtbare Vereinigung des grünen Meer- 
wassers mit dem dunkelschwärzlichen der Flüsse der Provinz 
Espirito Santo und der Provinz Minas geraes gab der Aus- 
sicht auf dem Schiffe nach Wie d -Neuwied „einen beson- 
deren Reiz''. 3) — Leider sind uns von den zahlreichen schwarzen 
Strömen der Sa do Mar nur wenige gut bekannt. Teils 
liegt der Grund hiezu darin, dass die Reisen in diesem Ge- 
biete infolge des Gebirgscharakters fast ausnahmslos zu Lande 
ausgeführt werden, teils aber auch in dem Umstände, dass 



') Prinz Wied-Neuwied, I. Tl. S. 174. ^) Pet. Ergänz. Bd. 
1863 und 1864. N. 9. „Die Bras. Prov. Minas Geraes." *) Neuwied, 
I. Tl. S. 301. 



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- 83 - 

verhältnismässig nur kleine Strecken Landes von europäischen 
Reisenden erfoi-scht sind. Die unzähligen Nkmeh: RioNegro, 
Rio Preto etc. sind meist den Flüssen von den Eingeborenen 
gegeben worden, ob aber wirklich alle diese Gewässer ihre 
Bezeichnungen verdienen, entgeht unserer Kenntnis. Wir 
werden im folgenden daher auch nur die Flüsse behandeln, 
von denen wir auf Grund authentischer Berichte mit Sicherheit 
wissen, dass sie wirkliche Schwai-zwasserflüsse sind. 

1. Der Paraguassu. Er entsteht mitten in der Provinz Bahia 
an den Abhängen der Serra da chapa da diamantina. „Hier im Zentrum 
■der Provinz vereint sich ein ganzes Netz von Flüssen", schreibt A v e - 
Lallemant,*) „welche dann zusammen in einejn nicht unbedeutenden 
Ströme und vielfach gebogener Schlangenlinie nach Osten fliessen unter 
■dem Namen des Paraguassu. Doch verhindern 12—15 geogr. Meilen vor 
seiner Mündung einige Stromschnellen und Wasserfälle des so entstan- 
denen Flusses die BeschifFung, welche in der That nur 7 Leguas (5 geogr. 
Meilen) von seiner Verbindung mit dem Meerbusen aufwärts bemerkens- 
wert ist.'* Die ganze Länge des Paraguassu beträgt ungefähr 500 km. 
An seiner Mündung ist der Strom 450 m breit. Seine Fluten haben 
schwärzliche Farbe. *) 

2. D e r R i o I n h u m e r i m . Er ist nur ein kleiner Fluss, der bei 
Rio de Janeiro in den Atlantischen Ozean sich ergiesst. In hundert 
Windungen schlängelt er sich nach Eschwege von der granitischen 
Serra dös Organs herunter in das Meer. Je weiter man den Fluss auf- 
wärts fähi-t, desto schwärzer wird sein Wasser. ') 

3. Der Rio Jacuhy. Er durchfliesst die Provinz Rio Grande 
do Sul von West i^ach Ost. Seine Breitei>dimensionen sollen wundervoll 
sein; „derui", schreibt A ve-Lallemant, „wenn der Fluss auch oft 
verengt erscheint, wenn auch einzelne, pft bedeutende Sandbänke sich 
weit hineinschieben ins Wasser und manche Stromschnellen, Cachoeiras, 
im heftigeren Lauf die oft sehr geringe Tiefe des Wassers verraten, so 
dass das Damptbpot von sehr kundiger Hand geleitet werden muss, 
wenn auch das alles vorkommt, so erscheint der schöne Fluss dennoch 
meistens 5—800 Fuss breit und bildet besonders an Stellen, wo man 
ihn fast eine halbe Meile hinaufschauen kann, herrliche Flusscenerien 



') Ave-Lallemant, L Tl. S. 55, 56, 58 „Reise durch Nord- 
brasilien". ^) Spix und Martins, S. 619,. 620, 621. Bd. IL ') Esch- 
wege: „Brasilien, die neue Welt" etc. I. Tl. S. 3 und 4. 



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- 84 - 

und anmutige Landschaftsprospekte." Er mündet bei Porto Al^gre in 
den Atlantischen Ozean. Sein Wasser ist schwarz und klar.*) 

4. Der Rio Uruguay. „Das ganze Colorit des Flusses ist so", 
schreibt Av6 Lallemant von seinem Oberlauf, „dass ich ihn einen 
schwarzen Fluss nennen möchte, wenn es nicht schon viele Rio-Negros 
gäbe.') Sein Quellgebiet liegt in der Serra Geral, wo die zwei Bäche, 
welche aus seinen bedeutendsten Quellen gebildet werden, die Namen 
Cachorros und Canöas führen. Nach einem Laufe von ungefähr 40 km' 
vereinigen sich beide Bäche und empfangen einige Meilen unterhalb 
ihrer Confluenz unter 27® 30' S. B. den Carreiras/*) Der ganze Oberlauf 
ist im allgemeinen nach Westen gerichtet und ist eigentümlich durch 
sein ungleiches Tiefenverhältnis und seine sehr veränderliche Wasser- 
menge. ,iWährend er bei Itaqui 43,2 m tief war", berichtet Ave 
Lallemant, „und nicht die geringste Strömung zu erkennen gab, fand 
ich ihn auf meiner Fahrt an andern Stellen kaum einige Fuss tief, wo 
er dann schneller dahinschoss, Wirbel und Kreise auf seiner Fläche 
zeigte und selbst zu rauschen anfing."*) Das ganze obere Uruguay- 
Gebiet ist noch von echtem Urwald bedeckt. Zwischen 27® und 28® 
s. ßr. bildet der Fluss grosse Fälle; hier verlässt er seinen Hochlands- 
lauf, ist für grössere Schiffe nun befahrbar und verfolgt immer mehr 
eine südliche Richtung. Er läuft nun ziemlich dem Paranä parallel und 
mündet in das grosse La Plata-Ästuarium. Auf dieser Laufstrecke ist 
der Uruguay ein echter Tietlandsstrom und hat einen mannigfachen 
Wechsel in seiner Wasserfärbung aufzuweisen, daher wohl sein Name : 
Uruguay d. h. „Wasser des bunten Vogels". 

5. D e r Rio M o r t e s ist ein Nebenfluss des in den Parana 
fliessenden Rio Grande. Er hat schwarzes Wasser und seine Wiege 
auf der granitischen Sa Mantiqueira/*) 

6. Der Rio Tiete. Er ist ein Nebenfluss des Rio Parana und 
wurde schon von Martins und Spix bis zu seiner Mündung befahren.*) 
Seine Quellen liegen auf der Sa Paranapiacaba. La Ave-Lallemarit 
schreibt vom Tiet^: '•) „Recht eigentlich mitten durch die Provinz S. Paulo 
fliesst in nordwestlicher Richtung zum Paranä ein herrlicher Strom, der 
schon genannte Tiete, dessen Wichtigkeit für die Provinz S. Paulo nicht 
nur, sondern für Goyaz und Mato-Grasso von jeher in die Augen 
springend war." Auch Eschwege lieferte einen kleinen Beitrag zur 



*) Ave-Lallemant: „Reise durch Süd-Brasilien", L Tl. S. 184, 
186, 185. ^) Ebenda, S. 330. ') Beschoren, „Beiträge zur näheren 
Kenntnis der bras. Provinz Rio Grande do Sul"^ Erg.-Band 21, 1889 — 90. 
N. 96, S. 67. *) a. a. O. S. 354. ^) Spix und Martins, Bd. I S. 316, 
317. •) Ebenda, Bd. I S. 216, 264, 267, 288, 289. 'j Ave-Lallemant, 
„Reise durch Südbrasilien", IL Tl. S. 439. 



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- 85 - 

Kenntnis dieses Stromes.*) Das Wasser des Flusses isj nach Martins 
schwarzbraun. 

V. Zweifelhafte Schwarzwasserflüsse. 

Wir haben nun im vorhergehenden sämtliche Flüsse 
angeführt, von denen wir auf Grund authentischer Berichte tnit 
Sicherheit v^issen, dass sie schwarz und meistens ganz klar 
sind, so ungefähr, wie sie uns Humbold t als auffallend vom 
Atabapogebiet schildert. Wie wir später erfahren werden, 
muss es natürlich noch unzählige solcher Gewässer auf der 
grossen brasilianischen Masse geben, was auch die zahlreichen 
schwarzen Seen und Teiche, die dort auftreten, beweisen, 2) 
und uns ferner hunderte von Namen „Rio Negro, Rio Preto" 
etc. bezeugen. Freilich müssen letztere Bezeichnungen, wie 
ich schon einmal erwähnte, mit Vorsicht aufgefasst werden, 
da sie meistens bloss auf Erkundigungen beruhen; 3) allein 
die Existenz der meisten dieser Flüsse dürfte doch gegeben 
sein in dem Vorhandensein der örtlichen Umstände, die einen 
Schwarzwasserfluss mit klarem Wasser bedingen. ' Ganz 
anders liegen die Verhältnisse aber in Südamerika ausser- 
halb der brasilianischen Masse. Auch dort kommen sog. 
Rio Negros, wie unsere Karten zeigen, nicht selten vor, 
und namentlich Argentinien, speziell die Gran Chaco, ist 
reich an dunklen Gewässern, wie mir Herr Prof. V o g e 1 aus 
München persönlich mitteilte ; doch die Ursache dieser dunklen 
Färbung liegt offen zu Tage: Dadurch, dass diese Ströme 
meistens schlammigen und salzhaltigen Boden haben und mit 
zahllosen Salzmorästen und sumpfigen Lagunen in Verbindung 
stehen, können sie ganz dunkel und oft schwarz erscheinen, 
allein ein auffälliges Rätsel sind sie den Forschern noch nie 
geworden. Ich habe die besten Reiseberichte z. B. über den 



^) Eschwege, „Brasilien, die neue Welt", 2. TL S. 61—64. 
^) Spix und Martins, S. 1351, 1135, 1161, 1183, 1184, 1215. — Deutsche 
Rundschau 1898 S. 91. •) Auch in anderen Erdteilen ist es so; siehe: 
Baikie's Exploring Voyage p. B. „the Natives fancy, there is a difFe- 
rence in the colour of the two streams." London. 



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— So- 
sehr gut erforschten „Rio Negro" Patagoni^ns, durchstudiert 
und fand keine Stelle, nach der er als eigentlicher Schwarz- 
wasserfluss zu betrachten wäre.^"*) Er kann zwar nach dem 
Darwin'schen^) Bericht an seiner Mündung von Schlamm- 
und Grusmassen so durchschwängert sein, dass er, nament- 
lich zur Hpchwasserzeit, grau und dunkel erscheint, allein 
ein eigentlicher Schwarzwasserfluss wie die „schwarzen Flüsse 
Brasiliens" ist er nicht. Ähnliche Beispiele haben wir genug ! 
Der Kara Darya (schwarzer Strom), ein Quellfluss des Sir 
Darya^ hat seinen Namen nur von seinen durch Salz- und 
Grusmassen verunreinigten Fluten;^) das gleiche ist der Fall 
beim Inirida (schwarzer Fluss) Afrikas.^) Freilich, wo die 
Verhältnisse günstig für die Bildung von klaren Schwarz- 
wassern sind, da müssen diese Gewässer vorhanden sein. 
So erzählt uns z. B. Humboldt, dass diese „schwarzen 
Wasser'', wenn auch selten, auf den Hochebenen der Anden 
vorkommen. „Wir fanden die Stadt Cuenca im Königreich 
Quito von drei Bächen umgeben, dem Machangara, dem Rio 
del Matadero und dem Yanuncai. Die zwei ersteren sind 
weiss, letzterer hat schwarzes Wasser. Dasselbe ist, wie das 
des Atabapo, kaffeebraun bei reflektiertem, blassgelb bei 
durchgehendem Licht.'* s) Auch mehrere Seen in Peru fand 
Humboldt bräunlich, ja fast schwarz.^) Leider ist unsere 
Kenntnis über diese Gewässer zur Zeit noch so gering, dass 
wir uns vorerst mit diesen kurzen Angaben begnügen müssen. 



') Descalzi, „Der Rio Negro Patagoniens/' Pet. Mittig 1856. 
S. 32. ^) Zeitschrift d. Ges f. Erdk. 1882. z. B. S. 153. ') Wich mann: „Die 
Pampas des sOdl. Argentinien"; Pet. Mittig. 1881. S. 99. *) „Wissen- 
schaft!. Resultate einer argent. Expedition nach dem Rio Negro** von 
Gustav Niederlein, Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. 1881 S. 61. ^) Charles 
Darwin, Naturalist's Voyage, London 1845 pp. 63 — 65. *) Sven 
Hedin, „Beobachtungen über etc.**, Verhandig. der Ges. f. Erdk. z. 
Berlin. 1894. S. 160. ') Pet. Mittig.: „Brief Walkers an Peter- 
mann"; S. 112. Jahrg. 1875. ') Humboldt, III. Bd. S. 195. •) Ebenda, 
S. 193. 



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~ 87 - 

D. Allgemeines über die Sehwarzwasserflüsse 
Südamerikas. 

I. 

Das Steigen und Fallen der Sehwarzwasserflüsse. 

In unseren Klimaten, in mittleren oder höheren Breiten, 
wo die jährlich aus der Atmosphäre niederfallende Wasser- 
menge sehr nahe durch alle Jahreszeiten gleich verteilt ist, 
ist auch der Wasserstand der Flüsse gleichmässig. Ganz 
anders gestalten sich diese Erscheinungen in den wärmeren 
Klimaten, und namentlich in Gegenden der Erde, welche 
innerhalb der Wendekreise liegen. Dort ist, wie wir aus 
den übereinstimmenden Berichten der Naturforscher wissen 
und wie es auch unmittelbar aus den Verhältnissen des 
Standes der Sonne und der Einwirkung, welche sie auf die 
Erdoberfläche ausübt, hervorgeht, keineswegs die Wasser- 
masse, welche die atmosphärischen Niederschläge geben, 
das ganze Jahr hindurch auch nur annähernd gleich verteilt. 
Die Witterung teilt sich in diesen tropischen Klimaten in 
zwei sehr entschieden gegen einander hervortretende Jahres- 
zeiten, in deren einer es gar nicht oder doch höchst selten, 
in der anderen dagegen häufig und reichlich regnet, und die 
man daher mit einer besonders passenden Bezeichnung die 
Trockenzeit und die Regenzeit zu nennen pflegt. 

Dieses Verhältnis muss natürlich auch in dem Stande der Flüsse 
jener Länder sich wiederspiegeln, und der Wasserstand schwankt daher 
hier in regelmässig wiederkehrendem Verlauf. Angesichts der Be- 
deutung, welche die Vermehrung oder Verminderung des Wassers der 
Flüsse für die Kultur eines Landes hat, wird die Wasserstandsänderung 
ein Gegenstand grosser Beachtung und Wichtigkeit für die Anwohner. 
Eben deshalb wird auch in diesen Teilen der Erde das jährliche Aus- 
treten der Flüsse mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet. Der 
regelmässige Verlauf und die nahezu sich gleich bleibende Höhe 
charakterisieren das regelmässig zu denselben Zeiten wiederkehrende 
Phänomen. 

Selbstverständlich ist diese wichtige Erscheinung, wie wir im 
folgenden hören werden, auch bei den schwarzen Flüssen der bras. 
Masse deutlich bemerkbar; freilich, genaue Werte über die Höhe der 



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— 88 — 

verschiedenen Wasserstände be?i den einzelnen Flüssen fehlen fast voll- 
ständig, da Pegelbeobachtungen in diesem Gebiete so gut wie ganz 
fehlen. Aber dennoch sind wir im Stande , vermittelst zahlreicher 
natürlicher Wasserstandsmarken ungefähre Werte über das Fallen und 
Steigen dieser Gewässer zu geben ; denn die durch die Überschwemm- 
ungen an den Ufern der Flüsse hervorgebrachten Veränderungen sind 
so augenfällig, dass selbst die Indianer mit der Beschreibung der Ufer 
die Höhe des Wasserstandes zu bezeichnen gewohnt sind. „Hoch- 
wasser", sagt Martins, „nennen sie Ygapö-ocu oder Ojepypyc-oae, 
d. i. alles ertrunken; niedrigsten Stand: Cemeyba pirera, d. h. gefallene 
Ufer, weil dann die entblössten Ufer einzustürzen pflegen ; den Zustand 
halber Stromfülle heissen sie Cemeyba pyterpe, d. h. halbe Ufer."*) 
Die vom Wasser zur Periode seines Fallens an den Bäumen zurück- 
gelassenen Schlammspuren sind es auch, welche den Reisenden an 
jene gewaltige Höhe erinnern, die das entfesselte Element zur Zeit der 
Überschwemmungen erreicht. Meist reichen die wildwogenden Fluten 
bis an die Wipfel der Bäume, die dem Drange der Wellen preisgegeben 
sind. „Der Samiria", schreibt z. B. Rimbach,^) „war, wie man an 
den Schlammmarken sah, erst wenig gefallen. Der dichte hohe Wald, 
der die ganze Gegend bedeckt, stand in der Nähe der Flussläufe überall 
unter Wasser." Aber wir haben nicht nur Wasserstandsmarken, die 
das vertikale Steigen dieser Gewässer bezeichnen; auch die Grenzen 
der Überflutungen landeinwärts sind meistens fest markiert durch fixe 
Linien und Flächen. Wir sehen ab von kleineren Erkennungszeichen, 
die die Ausdehnung dieser Überschwemmungen markieren, wie z. B. 
von der Thatsache, dass die Schildkröten nur ihre Eier, wie S p i x und 
Martins berichten, an die äusserste Grenze grössten Wasserstandes 
legen, weshalb die unzähligen zerbrochenen Schalen ziemlich gute 
Merkmale bilden über die Ausbreitung der Gewässer zur Hochwasser- 
zeit;") wir denken namentlich an die Vegetation, die last bei all diesen 
Flüssen, speziell in der Amazonasniederung, ein vortrefflicher Massstab 
für die horizontale Grösse dieser gewaltigen Überschwemmungen ist: 
es sind die drei Typen des Igapö, der Varzea und der Terra firma.*) 
Die erstere Vegetationsform, der Igapo, ist das bis zu 30— 35 km 
breite, an den beiden Flussufern sich hinziehende Überschwemmungs- 
gebiet, welches in der Regenzeit für mehrere Monate so überflutet 
wird, dass selbst die höchsten Bäume nur noch mit den Wipfeln über 
dem Wasser hervorragen. Das nächstfolgende Gebiet nimmt die 



*)Spixu. Martins, Bd. III S. 1359. ^) Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. 
z. Brl. 1897, 32. Bd. S. 387. *) Spix u. Marti us, S. 1138 u. 1139. 
*) Keller-Leuzinger, S. 25 u. 26. — Bates S. 283; — P. M. 1867 
S. 260 — Verh. d. Ges. f E. 1890 S. 169 



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- 89 - 

Varzea ein. Sie wird nicht mit jedem Hochwasser überflutet und 
niemals bis zii bedeutender Tiefe. Bei normalem Wasserstande bildet 
sie fast durchgehends* die Ufer. Die Terra firma endlich wird von 
der Hochflut nicht mehr erreicht. Der Wald hat hier ein ganz anderes 
Aussehen. Die Bäume erreichen oft eine Höhe von 60—70 m, und das 
Unterholz und die Schlingpflanzen, die sich von Baum zu Baum winden, 
stehen oft so dicht beieinander, dass man sich nur mühsam und Schritt 
für Schritt seinen Weg mit dem Waldmesser hindurchzubahnen vermag. 




Dass der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrig- 
wasser bei den einzelnen Schwarzwasserflüssen wieder meist 
sehr verschieden ist, ist erklärlich. Die örtliche Lage des 
Flusses, der betreffende Flussabschnitt und die. Niederschlags- 
mengen müssen hier in erster Linie befücksichtigt werden. 
Bei manchen der von mir betrachteten Schwarzwasserströme 
ist die Differenz zwischen dem höchsten und niedersten 
Wasserstande eii^igermassen bekannt. Sie beträgt z. B. beim : 
Essequibo (im Oberlaufe) .... 8 m *)- 

Rupununi^ .6 m*) 

Corentj^n . . . 6 m') 

Rio Negro (Oberlauf) ... . . . 4 m ^) 

Rio Negro (Unterlauf) . . . , 10 m ') 

Xingu, oberhalb der Volta . . . . 4 m*) 

Xingu, unterhalb der Volta . . . . 3 m ^) 



*) Obige „ideale Darstellung der verschiedenen Altersstufen der 
Ablagerungen" ist nach Franz Keller-Leuzinger gezeichnet. (Siehe: 
„Vom Amazonas u. Madeira", S. 25.) 

*) Rob. Schomburgk S. 318. *) Ebenda S. 325. ") Ebenda 
S. 180. *) Coudreau, Bd. 2 p. 238. *) Prinzessin Therese von 
Bayern S. 82. «) Clauss, P. 1886 S. 171. ') Ebenda S. 171. 



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— 90 — 

Araquaya bei S. Leopoldina . . . 7 m*) 
Araquaya bei S. Maria .... 8—9 m "J 

Unterer Tocantins 10 m ') 

Tapajoz 9 ni*) 

Was die genaue Dauer des St eigens und Fallens der südameri- 
kanischen Schwarzwasserflftsse betrifft, sowie das Maximum und 
Minimum dieser Erscheinungen, so liegen darüber noch wenig Be- 
obachtungen vor. Allerdings kann man im allgemeinen sagen, dass die 
Flüsse zu Beginn der Regenzeit steigen und beim Hereinbrechen der 
Trockenzeit rapid fallen; allein diese allgemeine Regel, die wir am 
Anfange schon erwähnten, wird in einzelnen Fällen durch verschiedene 
Faktoren oft so modifiziert, dass das Bild hierüber eine ganz andere 
Gestalt erhält* Um ein Beispiel zu gebrauchen, sei nur erinnert, dass 
der Rio Negro im Unterlaufe im November gerade den Anfang der 
Regenzeit hat und hier so ziemlich noch den niedrigsten Wasserstand 
haben würde, wenn nicht zu dieser Zeit eben sein grösster Zufluss, 
der Rio Branco, seine Hochwasserperiode hätte. Und was die Maxim a 
und Minima dieser Erscheinung in den einzelnen Monaten betrifft, so 
sind natürlich genaue Beobachtungen darüber noch spärlicher. Um 
eine genaue Flutkurve von einem Gewässer zu erhalten, bedarf es eben 
längerer Zeiträume der Beobachtung und auch dann noch hat eine 
solche Kurve nur Wert für einen bestimmten Flussabschnitt. 



Jan. Febn März.April.Mai. Juni. Juli. Aug.SephOkh Nov. Dez. 

























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Tapajoz 



Regenkurve 
von Cuyaba 



.Die einzige vorhandene graphische Darstellung des Steigens und 
Fallens einzelner südamerikanischer Flüsse ist die von Martins, B. III 
S. 1359. Auf welchem Material seine Skizze beruht, gibt der Forscher 
nicht an, wahrscheinlich aut Erkundigung. Die Kurve für den Tapajoz 



*) Ehrenreich, G. G. E. 1892 S. 142. *) Ebenda, 'j Ebenda. 
*) Martins S. 1358. — Bates S. 204. 



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— 91 — 

entspricht nach Martins ungefähr den Regenverhältnissen auf dem 
brasilianischen Plateau und stimmt so ziemlich mit der Regenkurve 
P. Vogels überein.*) . . 

Die beste Nachricht über den Wasserstand des Tapajoz gibt 
uns aber K atz er. Er schreibt :") „Der Höhenunterschied zwischen 
dem Tief- und Hochwasserstände beträgt am unteren Tapajös durch- 
schnittlich 5 bis 6 m. Die Trockenzeit mit Niederwasser dauert hier 
von Juli bis Dezember; am oberen Tapajoz tritt sie aber schon im 
Mai ein und dauert bis Oktober. Der höchste Wasserstand fällt ober- 
halb der Fälle auf den Dezember, am unteren Tapajoz jedoch auf dea 
Februar, wobei ein Ausgleich der Wasserstände oft gewissermassen 
ruckweise zustande kommt und Eigentümlichkeiten aufweist, die näher 
studiert werden sollten. So soll z. B. im Jahre 1692 (im Februar) der 
höchste Wasserstand bei Cury um 22. cm unter jenem vom Ja;hre 1896 
geblieben sein, wbhingejgen er bei Itaitüba um 1,30 cm höher als jener 
vom Jahre 1896 gemessen wurde. Es war , dies seit dem Jahre 1859 
überhaupt der höchste beobachtete Wasserstand. Diese seltsamen Un- 
regelmässigkeiten dürften wohl von den Stromriegeln und den Aus- 
weitungen des Inudationsgebietes abhängig gefunden werden." 

Die Kurve für den Xingu, die Martins gibt, entspricht eben- 
falls den Regenverhältnissen auf dem brasilianischen Plateau: Beginn 
des Steigens im Oktober. Am untern Tocantins ') sind die Itaboca- 
Katarakte nur von November bis Mai passierbar; der Aragüaya*) hat 
seinen höchsten Stand im Dezember und Januar. Was dann die Curve 
für den Rio Negro betriöt, so ist nicht recht klär, für welchen Fluss- 
abschnitt sie eigentlich gelten soll. Wahrscheinlich hat sie Bezug auf 
den Mittellauf, denn die von mir beigegebene Kurve nach Wall^ce , die 
den Wasserstandsverhältnissen im Fallgebiete des Rio Negro entspricht, 
deckt sich im wesentlichen mit der Kurve Martius'. „Der Fluss", 
schreibt Wallace,^) „der Vom Juli an sehr langsam gefallen war, 
entleert sich, schnell und hat im März gewöhnlich seinen tiefsten Stand. 
Anfangs April beginnt er plötzlich zu steigen und zwar bis Ende Mai 
um 6 m; dann langsam weiter bis zum Maximum im Juli, und beginnt 
dann mit dem Amazonas zu fallen." 

Wie bedeutsam diese Erscheinung auch für die ganze organisch^ 



') Vogel, „Reisen in Mato Grosso 1887/88" (Zeitschr. der Ges. 
f. Erdk. z. Berl. 1893. Tafel 5). Die Regenkurve gilt eigentlich für 
Cuyaba; da das obere Flüssgebiet des Tapajoz aber in unmittelbarer 
Nähe liegt, so benützten wir sie als Vergleichsobjekt. *) Globus 1900 
S. 284. '») u. *) Ehrenreich, Verh. d. Ges. f. E. 1889 p. 439 u. Z. d. 
Ges. f. Erdk. 1892 p. 142. •) Wallace, travels p. 430. 



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— 92 — 

Lebewelt ist, schildert uns A v e - L a 1 lemant in unvergleichlich schönen 
Worten:*) Das Steigen der Flüsse wird niemals eine Überschwemmung 
genannt. Wohnungen, Pflanzungen, Viehhtlrden, --- alles ist auf das 
Steigen der Flüsse eingerichtet. Furchtlos sieht man das unabsehbare 
Element ansch\y eilen und seine volle Höhe erreichen. Die Tiere des 
Waldes ziehen sich weit zurück vom Flusse und machen ebenso, wie 
der Fluss wächst und fällt, ihre typischen Wanderungen. 

„Je mehr nun der Fluss wieder fällt, desto höher treten seine 
Ufer wieder hervor, desto mehr erscheinen in dem Strome von meer- 
artiger Ausdehnung Sandbänke und nackte Schlamminseln. „Die Zeit 
der Ufer" („o tempo das prayas") nennt man diese Zeit. Und jetzt 
entwickelt sich wieder ein volles, reges Tierleben am Ufer. Tapire, 
Capivaris und andere Nager zeigen sich; die Unzen kommen zum 
Fischen an das Ufer ; mit dem Schwänze, den sie in das Wasser hinein- 
hängen lassen, locken sie die Fische an und mit der Tatze schleudern 
sie geschickt ihre Beute auf das Trockene. Mehr und mehr zeigen 
sich Reiher und Strandläufer. Wo die Fische sonst hausten, laufen die 
befiederten Bewohner der Lüfte und des Waldes umher, ein buntes 
Gewimmel und Getümmel."*) 

Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass die zahlreichen 
Schwarzwasserflüsse , die dem Atlantischen Ozean ihre 
Fluten zusenden, auch uiiter dem Einflüsse der Gezeiten 
stehen. Oft 80— iio km landeinwärts ist bei den Strömen 
Guayanas der Flutstrom ersichtlich und die Stauung im 
Unterlaufe des Essequibo beträgt meist 7—8, bei Springflut 
meist 10-12 Fuss Höhe.^) Am Demerara ist die Flutwelle 
nach Schömburgk bei den Normalgezeiten sogar 10 Fuss 
hoch*) und am Waini, iio km von der Mündung entfernt, 
werden jedesmal beim Tidenstrome die Ufer vollständig 
unter Wasser gesetzt.^) Von den Schwarzwasserflüssen 
Brasiliens, die sich in das Meer ergiessen, wissen wir, dass 
auch sie der Einwirkung der Gezeiten nicht entzogen sind: 
.der Mojü teilt sogar mit dem Amazonas die Pororoca,^) und 
vom Rio Peruagua9u schreibt Martins, dass er mit dem 

'j „Reise durch Nord-Brasilien", 11. Tl. S. 104. ") Siehe auch 
Martins-, Bd. III S, 1359; ferner Martins Bd. II S. 535. ') Rieh. 
Schömburgk, Bd. II S. 257. *) Ebenda, Bd. II S. 443 '; Ebenda, Bd. II 
S. 448. *) Martins, Bd. III S. 1042. 



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— 93 ~ 

benachbarten Meere Ebbe und Flut teile und dass die Schiff- 
fahrt auf ihm stromaufwärts erst mit dem Beginn der Flut 
erfolgen kann.^) 

Von welch tiefgreifendem Einflüsse namentlich die Gezeiten in 
Guayana für die Bewohner sind, schildert uns J o e s t in vortrefflicher 
Weise. ,,Man darf nie vergessen", schreil^t er, „dass es hier weder 
Landstrassen noch überhaupt irgend welche Strassen, Reit- oder Fahr- 
wege, Pfade und dergleichen gibt, dass also der ganze Verkehr, wenn 
er auch nur gering ist, ausschliesslich auf den Wasserweg angewiesen 
ist. Und das in einem Lande, wo alle Flüsse täglich zwölf Stunden 
stromaufwärts fliessen, die jeden Tag zu einer anderen Stunde ein- 
setzende Ebbe und Flut , sich auch im Innern dermassen bemerklich 
macht, dass der Unterschied des Wasserstandes der meisten Flüsse 
zwischen niedrigstem Stande bei Ebbe in der trockenen Zeit und höchstem 
Stande bei Flut während der Regenperioden, da wo die Wasser sich 
stauen, 30—40 Meilen von der Mündung stromaufwärts noch bis Ober 
zehn Meter, am Orinoco oft zwanzig Meter beträgt.*'^) 



IL Moor- und Sumpf bildungen an den Ufern der schwarzen 

Flüsse, 

Wohl nirgends fanden die sumpf- und moorbildenden 
Agentien so günstige Verhältnisse zu ihrer Entwickelung, als 
an den Flussufern der schwarzen Flüsse Südamerikas. Das 
Ineinandergreifen urld Zusammentreffen fast aller nur mög- 
lichen Moorbildungsursachen musste naturgemäss jene ge- 
waltigen Phänomene hervorrufen, die, was ihre Dimensionen 
betrifft, unter ähnlichen Erscheinungen der gemässigten Zone 
ihresgleichen suchen. 

Schon im vorausgehenden haben wir erfahren, dass sich der 
grösste Teil der schwarzen Gewässer Südamerikas durch sein geringes 
Gefälle auszeichnet. Durch die grosse Ebenheit der Bodenfläche einer- 
seits und die ganz geringe Strömung der Flüsse andererseits musste 
naturgemäss Infiltration des Wassers eintreten, welchen Vorgang uns 
schon Franz von Paula Schrank') vor einem Jahrhundert in seiner 



*) Martins, Bd. II S. 619. *) Joest, „Guayana im Jahre 1890", 
Verh. d. Ges. f. Erdk. zuBrl. 1891. S. 393. ') Frz. v. Paula Schrank, 
Naturhist. u. ök. Briefe des Donaumooses. 1795. 



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— 94 - 

Theorie von der Entstehung des Donaumooses klar gelegt und Güm- 
bel*) und Soyka^) in überzeugender Weise bestätigt haben. Da nun, 
bedingt durch die Horizontalität des Bodens, die schwarzen Flüsse Süd- 
amerikas, ähnlich unseren Moorbächen, auf viel verschlungenen , ge- 
krümmten Pfaden dahinziehen, in ihrem Verlaufe durch steten Wechsel 
der Breite des Bettes und durch Serpentinbildung gekennzeichnet, so 
begünstigen ausser der dadurch verstärkten Infiltration zahlreiche Über- 
schwenimungen und Stauungen des Wassers die Bildung von Sümpfen 
und Mooren. Es kann uns deshalb nicht wundern, dass auch die Sa- 
vannenflüsse das ganze Jahr hindurch sumpfige Ufer haben können, 
zudem sie ja ausserdem noch meistens von Galeriewäldern begleitet sind. 

Ein weiterer Faktor, der als wichtiger Sümpfbildner hier auftritt, 
ist die überaus grosse atmosphärische Feuchtigkeit. Das Kapitel über 
die Niederschlagsverhältnisse im Gebiete der Schwarzwasserflüsse lässt 
sofort einen Schluss auf das Vorhandensein dieser Sumpf bildungen ziehen. 
Im Gebiete des Rio Negro und oberen Orinoco, auf dem Berglande von 
Guayana, in der Amazonasniederung und im östlichen Teile des Berg- 
landes von Brasilien sind die Niederschlagsmengen geradezu enorm, 
hier finden wir infolgedessen auch ausgedehnte Sumpf- und Moorbil- 
dungen. Im südlichen Brasilien und auf Mato Grosso sind zwar die 
Niederschlagsmengen nicht gerade gering, aber ungünstig auf die Jahres- 
zeiten verteilt, infolgedessen herrscht hier, mit Ausnahme einiger von 
Urwäldern begleiteten Flussvifer, die Campregion vor. 

Dazu kommen die geognostischen Verhältnisse. Die Gesteins- 
arten, deren Verwitterungsprodukte an der Oberfläche die durchlässige 
Schicht bilden, sind die alten Urgesteine : Gneis, Glimmerschiefer, Granit 
und der geologisch jüngere Sandstein. Die chemische Beschaffenheit 
dieser Gesteine ist, wie die Tabelle III sagt, fast gleich. Auch ihre 
Zersetzungsprodukte stimmen in dieser Hinsicht überein: jener Grus 
und Sand, der im Gebiete der schwarzen Flüsse fast überall zu finden 
ist, ist nichts anderes, als was wir in Afrika Laterit nennen.. Nun ist 
bekannt, dass Laterit sehr permeabel ist. Zufolge seiner Wasserkapa- 
zität hält er die Feuchtigkeit zurück, die durch Adhäsion an die Boden - 
teile, sowie durch Capillarität der Hohlräume gebunden wird. Dadurch 
dass nun unterhalb der durchlässigen Verwitterungsprodukte die un- 
durchlässigen Tonsubstanzen und die Urgesteine und Sandsteine dem 
Wasser entgegentreten, sammeln sich allmählig die Wasser hier an, 
verdrängen die Luft aus den Poren der durchlässigen Schicht und füllen 
diese selbst mit ihrer Feuchtigkeit aus. Dass dadurch den sumpfbilden- 



') G ü m b e 1 ; Geologie v. Bayern II. Bd. S. 367 und 368. ^) S o y k a ; 
„Die Schwankungen des Grundwassers" etc. Wien 1888. 



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— 95 — 

den Agenden allein schon ein vorzüglicher Ort zu ihrer Entwickelung 
geboten ist, bedarf keiner näheren Ausführung. 

Doch nicht genug! Hier auf diesem feuchten und fruchtbaren 
Boden konnte sich auch eine Vegetation bilden, die einem Urwalde das 
Leben verlieh. Selten betritt ein menschlicher Fuss diese undurchdring- 
lichen Wälder, keine Axt fällt die meterdicken Baumriesen. Wo der 
Sturm einen Stamm zu Boden wirft, bleibt dieser liegen. Aus den ab- 
gestorbenen Ästen und Zweigen, aus verfaulten Blättern, toten Wald- 
pflänzchen und dichten Streumassen bilden sich am Boden schlammige 
Humus- und Moorschichten, die das Wasser aus der Atmosphäre mit 
Begierde aufsaugen und in dem undurchdringlichen Schatten des Wald- 
dickichtes auch leicht zurückhalten. Diese Moore sind (in Bayern haben 
wir ähnliche Erscheinungen : Die Moore des Böhmer Waldes) ^) echte 
Waldmoore (Holzmoore), im Wald und aus dem Walde entstanden, in 
ihren unteren und oberen Schichten fast völlig aus Waldresten und 
Baumstrünken zusammengesetzt. 

Dass Wälder Ursache von Sumpf- und Moorbildungen sein können, 
ist bereits bewiesen worden durch die zahlreichen Untersuchungen 
Arendts, Andersens u.a. Die Ansicht von Le Quereux — der 
sich noch heutzutage zahlreiche Geographen anschliessen, und die in 
manchen Lehrbüchern irrtümlicher Weise immer noch Eingang findet — , 
dass nämlich die Waldmoorbildung nicht unmittelbar, sondern erst durch 
Sphagna, die sich auf dem modernden Holze einfinden, entstehe, ist 
schon durch Sendtner*) treffend widerlegt und später durch Güm- 
b e 1 s ') klassische Arbeiten als unrichtig nachgewiesen worden. 

Da im Gebiete der schwarzen Flüsse Kalkeinlagerungen so gut 
wie ganz fehlen, und die Thonschiefer, Granite, Glimmerschiefer und 
Sandsteine die Hauptbestandteile der festen Bodenschicht bilden, werden 
sämtliche Moore dort zu den kalklosen Mooren gerechnet werden 
müssen. „Nicht das Mass des Wasservorrats, auch nicht die physi- 
kalischen Eigenschaften des Untergrundes, deren Modifikationen in beiden 
Verhältnissen gleichen Umfang haben, entscheidet die Verschiedenheit, 
sondern allein das chemische Element", sagt Sendtner. Es kommt, 
wie hier betont sei, dabei nur auf die chemische Beschaffenheit des 
Wassers, das das Moor durchtränkt, an, nicht auf die chemische Be- 
schaffenheit des Untergrundes des Moores. Wiesenmöore sind z. B. 
die Moore der Kalkgegenden, soweit sie von kalkhaltigen Flüssen, 
Quellen etc. getränkt werden, Hochmoore (Moosmoore) dagegen sind 



*) Baumann, „Die Waldmoore des Böhmerwaldes" (Forst-natur- 
wissenschaftl. Zeitschrift. München 1896. S. 15). ^) Sendtner, „Die 
Vegetationsverh. Südbayerns"; S. 637. *) Gümbel, Geologie v. Bayern 
Bd. I S. 419. 



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- 96 - 

an weiches Wasser gebunden. Wenn aber ein Wiesenmoor soweit 
emporgewachsen ist, dass seine Oberfläche dem Einfluss der Kalk- 
gewässer sich entzieht, dann kann auf dieser Oberfläche sich ein Hoch- 
moor bilden, das dann aber sein Wasser nur direkt von der Atmosphäre 
als Regen, Tau u. s. w. bezieht, also weiches Wasser. So kommt es, 
dass auch auf. Kalkboden z. B. im Schweizer Jura, Hochmoore oft in 
grosser Ausdehnung auftreten, aber nie direkt auf Kalk, sondern dann 
eben, auf einem emporgewachsenen Wiesenmoor. Mangel an Kalk ist 
z. B. Vorbedingung für die Entstehung ein^s Hochmoores, was wiederum 
in den Gewässern zum Ausdru^e kommt. Welch grosser Unterschied 
zwischen den Kalkmoorgewässern und den Gewässern kalkfreier Moore 
in chemischer Beziehung besteht, be\yeisen folgende Analysen : 
I. Kalkmoorwasser: (Moosachwasser aus Schleisheim):') 

Im Liter Wasser Milligramm: Kalk 102. 
Kieselsäure 1,6. 
II. Hochmoorwasser: (Weisser Regen oberhalb Kötzting):^) 

Im Liter Wasser Milligramm: Kalk — 

Kieselsäure 10,18. 
Inwieweit dieser grosse Unterschied, der in der ehem. Beschaffen- 
heit der Gewässer dieser beiden Moorarten besteht, deren Farbe beein- 
flusst, werden wir später sehen. In diesem Kapitel raöchten wir nur 
noch erwähnen, dass sich die Sumpf- und Mporbildungen der Tropen- 
zone Südamerikas insoferne von denen unserer Gegenden unterscheiden, 
als sie sich nicht z u Torfbildungen umgestalten können 
Senft sagt hierüber in seinem Buche: „Die Humus-, Marsch-, Torf 
und Lim onitbildungeji" folgendes: ,. Ausser den torf bilden den Gewächsen 
zu denen unter günstigen Verhältnissen alle Pflanzenarten tauglich sein 
können, der geeigneter^ Unterlage und dem nötigen Wasservorrate, ge- 
hören nun ganz besonders bestimmte klimatische Verhältnisse zur Um- 
wandlung der abgestorbenen Pflanzen in Torfsubstanz. Es müssen die 
durch des Sommers Wärme zur Verwesung angeregten Pflanzenreste 
durch des Winters Fröste in ihrer Verwesung gehemmt und ihre schon 
erzeugten Humussubstanzen unempfindlich gegen den Sauerstoff" und 
die übrigen Verwesungspotenzen gemacht werden. Dies alles kann 
aber nur in denjenigen Landesgebieten der Erde stattfinden, in denen 
mit verhältnismässig kurzen, häufig feuchten Sommern frostreiche Winter 
wechseln.'* Daraus ergibt sich, dass die Torfbildungen hauptsächlich 
der gemässigten Zone angehören müssen, wie es auch thatsächlich der 
Fall ist. Hier sind die klimatischen Verhältnisse derart, dass sie einer- 
seits zu üppiger Vegetation der Pflanzenwelt anregen, andererseits 

*) Diese Analyse wurde mir von Herrn Wein, zur Zeit 
Professor zu „Weihenstephan" bei Freising gemacht. ") Siehe Tafel IV. 



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— 97 — 

aber auch mit Hilfe des luftabsperrenden Wassers die vollständige Ver- 
wesung der abgestorbenen Vegetabilien hindern, somit die Torfbildung 
ermöglichen. In der kalten Zone sind die Bedingungen für das Ent- 
stehen von Torfmooren weit weniger günstige, weil dort jener üppige 
Pflanzenwuchs fehlt, der eine Anhäufung grosser vegetabilischer Massen 
bedingt. In den Tropen dagegen, wo die Mittel zu einer überaus reichen 
Vegetation in vollstem Masse gegeben sind, wirkt wieder die sich 
während des ganzen Jahres gleichbleibende hohe Temperatur derart 
beschleunigend und fördernd auf den Zersetzungsprozess der ab- 
gestorbenen Pflanzenteile ein, dass es nur zu gewöhnlichen Sumpf- und 
Moorbildungen kommen kann. Dadurch aber, dass dieser Zersetzungs- 
prozess in heissen Gegenden viel rascher vor sich geht, wird ungeheuer 
viel Humussäure an die Gewässer abgegeben, was, wie wir später er- 
fahren werden, von grossem Einfluss auf die Farbe derselben sein kann. 

III. Biologie der schwarzen Flüsse. 

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Erforschung 
der Flüsse auch nach der biologischen Seite hin gewaltige 
Fortschritte gemacht. Zuletzt hat besonders Ule auf die 
Bedeutung dieser Arbeiten hingewiesen.^) Ganz eigenartige 
Verhältnisse liegen allem Anscheine nach in biologischer 
Hinsicht bei den schwarzen Flüssen vor, und es wäre ohne 
Zweifel eine äusserst verdienstvolle Arbeit, die genannten 
Gewässer auch nach dieser Seite hin gründlich und allseitig 
zu erforschen. Schon Humboldt^) hat beobachtet, dass sich 
in den schwarzen Gewässern zwischen dem 5. n. und dem 
20 S. B. sehr wenige Krokodile und noch weniger Fische 
aufhalten, und dass die Moskitos, die sonst in Schwärmen 
von Millionen in den Tropen die Reisenden belästigen, hier 
in auffallend geringer Zahl sich finden. Speziell vom Atabapo 
erzählt Humboldt, dass es im eigentlichen Bette dieses 
Flusses oberhalb von San Fernando k*eine Krokodile und 
keine Seekühe mehr gäbe und dass nur hie und da eine 
Boa oder ei;izelne Süsswasserdelphine zu treffen seien.^) 
Auch zahlreiche andere Forscher bestätigen, dass die 



*) Ule, „Die Gewässerkunde im letzten Jahrzehnt", Gebgr. Zeit- 
schrift von Hettner, 3. Heft, Leipzig 1900 S. 168. ^) Humboldt, 
„Ansichten der Natur" S. 128. ') Humboldt, „Reisen etc.** S. 212. • 

R e i n d 1, Schwarze Flüsse. 7 



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- 98 - 

schwarzen Flüsse ungemein arm an Lebewesen sind. „Im 
Tapajos sind die Fische selten," schreibt B a t e s , ^ und vom 
Jacuhy berichtet Ave- Lallemant, 2) dass das Wasser des^ 
selben arm an Lebenserscheinungen sei. „Kaum einzefne 
Schildkröten sieht man, die auffallend schlecht untertauchen. 
Fast nie zeigt sich ein Fisch. Oft freilich Schemen einzelne 
grössere dicht unter der Oberfläche des Wassers sich zu 
bewegen, kommt man aber hinzu, so entdeckt man den Irrtum: 
ein Baumast unter dem Niveau kräuselt die Fläche, eine 
Untiefe macht einen kleinen Wirbel und mit Mühe nur streift 
das Dampfschiff dahin über den Steinboden des Flusses. 
Vom Rio Negro schreibt Ihre Königliche Hoheit Prinzessin 
Therese von Bayern (S. 82): „Wie alle Schwarzwasser- 
flüsse beherbergt auch der Rio Negro wegen Mangels an 
Wasserpflanzen und Ufergras verhältnismässig wenig Fische 
und ist auch von der entsetzlichen Mückenplage befreit, 
welche den Aufenthalt am Amazonas zu einem so qual- 
vollen macht." Auch der Uruquay ist fast gänzlich bar an 
grösseren Lebewesen. „Er kam mir wie ein Totenfluss vor'', 
schreibt Ave-Lallemant,^) „kein Tierleben am Strandej 
kein Fisch sprang aus der Tiefe auf, kein Vogel flog über 
das averner Wasser im Westen von Rio-Grande.'* 

Diese merkwürdigen Erscheinungen bedürfen, wie schon erwähnt, 
noch der allseitig begründenden Erforschung. Was das Fehlen der 
Krokodile im Atabapo anbelangt, so scheint diese Thatsache nur auf 
beschränkte örtliche Verhältnisse zurückzuführen zu sein; denn die 
übrigen Schwarzwasserflüsse Guayanas und des Amazon enthales zeigen 
keinen Mangel an solchen Tieren. Nach Spix und Martius lieben 
diese Wesen das ruhige, warme Wasser der Flüsse und Seen und 
werden in grossen Mengen in solchen Gewässern gefunden.*) Da nun 
der Atabapo ausnahmsweise unter den dunklen Gewässern eine tiefere 
Temperatur als sein heller Hauptstrom, der Orinoco hat, was seinen 
Grund ohne Zweifel im beständigen Laufe des Atabapo durch uner- 
messliche Urwälder haben wird, so darf mit Recht angerfommen werden. 



') Bates, S. 173. ^) A v6 -Lallemant, „Reise durch Süd- 
brasilien", I. Tl. S. 188. ') Ave-Lallemant, a. a. O. S. 323 {I. Tl.). 
*) Spix und Martius, S. 1161. 



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- 99 — 

dass die KrokQdile. einzig und allein das Orinocowasser deshalb lieber 
aufsuchen, weil es a* — 3** wärmer ist als das Atabapowasser.*) Diese 
Erklärung dürfte ebenso auch auf den Mangel an Seekühen im Atabapo 
zutreffen, denn auch diese Tiere lieben nach den Aussagen der Forscher 
S p i X und Martins die wärmten Gewässer mehr als die kühleren. 
Dass aber ein Temperaturunterschied von 2«— 3« in den Tropengegenden 
von den Organismen schon sehr empfunden- wird, ist von allen Reisenden, 
die diese Gegenden schon besucht haben, bestätigt worden und bedarf 
keiner näheren Erörterung. Dagegen dürfte das geringe Vorhandensein 
von Fischen in den Schwarzwassern besondere Bea^tung verdienen. 
„Während wir auf dem Amazonas und Solimoes schifSten", schreibt 
Martins, „fehlte es niemals an Jagd, und mit jedem Wurfe d^s Netzes 
zog man 50 bis loo Fische von verschiedener Grösse heraus. Das 
Gegenteil findet auf den schwärzlichen Gewässern des Rio Negro statt. 
Weder der Wald noch das Wasser bieten etwas dar, und man kann 
Tage lang fischen, ohne einen Fisch zu erbeuten/^) Dieser Mangel 
an Fischen wurde nicht nur bei den dunklen Gewässern Südamerikas 
konstatiert, sondern er zeigt sich auch sehr bedeutend bei den Schwarz- 
wasserflüssen der bayerischen Oberpfalz. Dass diese Erscheinung im 
engsten Zusammenhang mit der chemischen Beschaffenheit der Gewässer 
gebracht werden muss, ist fast allgemeine Anschauung der Gelehrten. 
B a u m a n n schreibt z. B. über die diesbezüglichen Verhältnisse der 
oberpfälzischen Flüsse: „In der Region des Gneises, Granits, Glimmer- 
schiefers sind die Quellen und Flüsse ausserordentlich arm an gelösten 
Mineralsubstanzen, insbesondere sind Boden und Gewässer so arm an 
Kalk und Magnesia, dass die ganze Tier- und Pflanzenwelt eine eigen- 
artige Ausbildung erfahren musste. " ') Auch Schwager*) und G ü m b e 1 ") 
haben für diese Erscheinung die gleiche Erklärung und bestätigen eine 
auff*ällige Armut an Tieren und eine eigentümliche, an Arten verhältnis- 
mässig sehr arme Flora. Da nun die schwarzen Flüsse Südamerikas 
in ihrer Entstehungsweise eine auffallende Ähnlichkeit mit den obef- 
pfälzischen Gewässern zeigen, so dürfte auch bei ihnen der Mangel an 
zahlreichen Fischen durch die grosse Armut an Mineralsalzen, namentlich 
durch das Fehlen von Kalk und Magnesia, zu erklären sein. Ob auch 
die Flora der südamerikanischen Schwarzwasserflüsse jene eigentümliche 
Ausbildung, wie diejenige der Oberpfalzgewässer, zeigt, entgeht unserer 
Kenntnis, da bis jetzt eingehende Studien darüber nicht vorliegen ; aber 



*) Humboldt, „Reise etc." S. 208. *)Spix u. Martins, S. 1292 
3. Bd. ') Baumann, Forstl. und Naturwissenschftl. Zeitschr. 1896 S. 19. 
*) Schwager, Geognostische Jahreshefte 1894. ^) G ü m b e 1 , Geologie 
von Bayern 1894 ^' ^^' S. 419. 

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— ICX) — 

wahrscheinlich wird sich auch bei ihnen diese Erscheinung bemerkbar 
machen. *) 

Und das Fehlen der Moskitos an den Ufern der schwarzen Ge- 
wässer Südamerikas? Ober diese auffällige Erscheinung, die sämtliche 
Südamerika-Forscher bestätigen,' gibt uns Martins Aufschluss. Nicht 
wie andere Insekten, wie z. B. der Pium,*) folgen die Moskitos dem 
Zuge der Wärme und des Lichtes, sondern sie erheben sich mit Sonnen- 
untergang von dem Schlamme der Ufer und den Gesträuchen in der 
Nähe der Gewässer, und fliegen, bald höher, bald niedriger, je nach dem 
Zuge der Winde, in zahllosen Schwärmen einher. Martins schreibt; 
„Es ist bereits von Herrn von Humboldt bemerkt worden, dass diese 
Schnaken sich nicht in der Nähe solcher Flüsse aufhalten, die, im 
ganzen angesehen, braunes oder schwärzliches Wasser führen. Auch 
wir machten die Bemerkung. . Wahrscheinlich sind die in dem schwarzen 
Wasser aufgelösten Extractivstoffe den Eiern und den Larven verderblichf 
während der Flussschlamm der übrigen Gewässer ihre Entwickelung und 
Vermehrung begünstigt." 



*) Interessant sind in dieser Beziehung die Beobachtungen 
Schwagers bei den oberpfälzischen Flüssen. Er fand, dass zwar eine 
grosse Armut an grösseren Lebewesen in diesen Flüssen bemerkbar sei, 
dagegen konnte er auffallend viel Diatomeen im Vereine mit braun* 
schwarzen Flocken unbestimmter Art nachweisen. Diese Thatsache 
schreibt er dem Umstände zu, dass die Urgebirgsgewässer vornehmlich 
an Kieselsäure reich sind und daher dem Wachstum der Diatomeen- 
Kieselpanzer mit ihrem gelbbraunen Zellplasma und den stets diese 
begleitenden braunen Flocken ein hervorragend günstiges Feld zu deren 
Wachstum bieten. „Manche Quellflüsse", sagt Schwager, „scheinen 
auf diese Weise wie mit manganhaltigen Eisenausscheidungen erfüllt, 
was sich bei näherem Zusehen immer als diese Anhäufung von zweifel- 
haften kleinsten Lebewesen pflanzlicher Natur herausstellt. Dass diese 
Erscheinung in den grösseren Sammelwässern dem Auge entrückt ist,, 
liesse sich durch die grössere Verteilung dieser Masse erklären, eine 
Folge der Bewegung des Wassers. Treten im Verlauf ihres Weges für 
jene Organismen günstige Lebensbedingungen ein, zu denen wir einen 
gewissen Salzgehalt des Wassers und verminderte Bewegung gewiss 
rechnen können, so wird leicht eine bedeutende Vermehrung derselben 
Platz greifen können*' -— Ähnliche Resultate gewannen auch A. Fric 
und V. Vävra bei ihren Untersuchungen der Urgebirgswasser des 
„Schwarzen See'' und des „Teufelssee" im Böhmerwald. (Bd. lo No. 3 
der naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen. — Siehe 
auch Globus 1898 pag 152.) ^) Spix u. Martins S. 1056, 1857, 1058. 



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— lOI 



Ob das geringe Vorhandensein der Insekten an den schwarzen 
Gewässern nicht auch mit der Grund ist für die geringe Zahl an Fischen, 
das dürfte gewiss weiterer Beobachtungen wert sein. 

IV. Langsame Vermischung der Schwarzwasserflüsse 
mit den Weisswasserströmen. 

Bei der Vereinigung der Schwarzwasserflüsse mit den 
Weisswasserströmen kann man durchweg die äusserst inte- 
ressante Erscheinung beobachten, dass eine Vermischung der 
verschiedenfarbigen Wasser nur sehr langsam vor sich geht. 
Das Wasser des Rio Negro ist, wie schon erwähnt, noch 
mehrere Meilen unterhalb der Mündung des Flusses in den 
Amazonas sichtbar; nach Chandless' Mitteilungen kann 
man ferner die schwarzen Wasser des Paranapixuna nach 
seiner Mündung über 5 km unvermischt mit jenen des Purus 
dahinströmen sehen,i) ja während des Novembers, in welchem 
Monat der Rio Branco ausnahmsweise mehr Wasser hat als 
der Rio Negro, kann man noch 30 km unterhalb ihrer Ver- 
einigung die Wasser der beiden Ströme von einander unter- 
scheiden.2) Es ist klar, dass die erkennbare Farbe nur das 
äussere Zeichen ist, das uns sagt, wie weit das getrennte 
Nebeneinanderfliessen der Ströme im gemeinsamen Haupt- 
bette dauert. 

Fragen wir nach den Gründen dieses eigentümlichen 
Phänomens ! 

Die Schwarzwasserflüsse sind mit ganz geringen Ausnahmen 
langsam dahinfliessende Gewässer. Mündet nun so ein träger Strom in 
einen raschen Weisswasserfluss , so werden nach den Gesetzen der 
Druckkraft die Wasser des langsamen Flusses umsomehr auf die Seite 
gedrängt, je grösser das Gefälle und die Wasserfülle des Weisswasser- 
stromes sind; dagegen wird sich die Vermischung desto mehr be- 
schleunigen, je mehr ihre Stromstärke und ihre Geschwindigkeit einander 
gleichkommen. Nirgends können wir diese Thatsache schöner beob- 
achten als bei der bayerischen Stadt Passau. Uz und Inn münden hier 
fast einander gegenüber in die Donau. Während aber der die Hz an 
Grösse zehnmal übertreffende reissende Inn schon 200 m unterhalb der 
Mündung seine Fluten vollständig mit denen der Donau vermischt hat, 

') Pet. Mittig. 1867 S. 259. ^) Reclus, Bd. 19 S. 126. 



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— I02 — 

sind die Wasser der kleinen trägen Hz nahezu 500 m unterhalb ihres 
Einflusses in die Donau erkennbar. 

Die Schwarzwasserflüsse sind sehr arm' an anorganischen Sub- 
stanzen, ihre Wasser sind also spezifisch leichter als jene der oft mit 
Minerallösungen geschwängerten helleren Ströme.') Infolgedessen be- 
wegen sich die Wasser der dunklen Flüsse auf der Oberfläche der 
schwereren Wasser dahin und müssen von oben aus eine Vereinigung 
mit den letzteren bewerkstelligen. Dass dieses viel längere Zeit in An- 
spruch nimmt, bedarf keines weiteren Beweises. 

Endlich spielen auch die verschiedenen Temperaturen sich ver- 
einigender Flüsse eine sehr bedeutende Rolle bei der Vermischung 
verschiedenfarbiger Wasser. Bei meinen zahlreichen Untersuchungen 
habe ich stets beobachtet, dass sich das wärmere dunkle Wasser auf 
dem kälteren helleren Wasser ausbreitet.^) Es sei mir auch gestattet. 



*) NachSpix und Martins beträgt z. B. das spez. Gewicht des: 

a) Rio Negrowassers bei der Barra (schwarz) bei 15^ R. = 1,0568. 

b) Tapajozwassers bei Santarem „ „ „ „ = 1,0511. 

c) Madeirawassers oberh. d. Mündung (weiss) „ „ „ = 1,0645. - 

d) Yapurawassers „ „ „ „ „ „ „ = 1,0607. 

^) Die zahlreichen Messungen an den Mündungen der Hz, des Regen, 
der Wörnitz und mehrerer kleiner Moorflüsse Oberbayerns ergaben fast 
durchaus die Thatsache, dass die dunklen Wasser immer i— 20, oft sogar 
2—3® wärmer waren als die der naheliegenden Hellwasserflüsse. Es 
hängt dies wohl einerseits mit dem langsameren Lauf der schwarzen 
Flüs.se, andererseits mit dei^ Thatsache zusammen, dass die dunkleren 
Farben die Sonnenstrahlen mehr aufsaugen, als die helleren. Interessant 
sind besonders die Ergebnisse meiner Beobachtungen an der Mündung 
der Hz und des Inns in die Donau. Sie sollen hier eine Stelle finden: 
I. Beobachtung ! 2. Beobachtung 
24. Juli 1901, mittags 2 h.: 1 2. September, mittags 2 h.: 
a)Ilz: 30 m oberh. d. Mündg. ip^C ' i6^C» 



16O. 



I3^ 



an der Mündung . . 19^ „ 
50 munterh.d. Mündg. 17^,, 

80 » ff ff ff 16^ n 
h) Donauwasser bei der 

Mündung der Hz . . 16° „ 
c) Inn: 30 m oberh. d. Münd.g 17^ „ 
an der Mündung . • 17^ „ 
80 m unterh. d. Mündg. 16^ „ 
150 m „ „ „ 16° „ 
Ohne Zweifel ist nach meinen Beobachtungen die geringere Be- 
weglichkeit der Schwarzwasserflüsse der Hauptfaktor, der eine höhere 



12" 



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- I03 — 

das Ergebnis einer Untersuchung Sven Hedin anzuführen, die der 
berühmte Forscher in Asien am Zusammenflusse der den Sir Darya 
bildenden Quellflüsse Narin und Kara Darya machte. Er schreibt 
darüber: „Die Verteilung der Temperaturen und Farben des Wassers 
gibt zu einigen ganz interessanten Schlussfolgerungen Veranlassung. Am 
rechten Ufer zeigte das Thermometer +i,i* C; 60 m davon +1,5®; 
60 m vom linken Ufer +2,1® und dichter am linken Ufer +2,3°. Hier 
„rauchte" der Fluss (um 11 Uhr vormitta.gs bei —9,7® Lufttemperatur); 
dichte, aber durchsichtige Wolken von Wasserdampf stiegen in die Luft 
empor. Der Führer des Prahms teilte mir mit, dass dieser Nebel früh 
morgens so dicht gewesen war, dass der Prahm, sobald er den Stand 
verlassen hatte, ausser Sicht kam und ein grosses Feuer auf dem gegen- 
überliegenden Ufer, das als „Leuchtturm" diente, gar nicht zu sehen 
war. Dieses Phänomen sei bei dieser Jahreszeit sehr gewöhnlich. Am 
rechten Ufer rauchte der Fluss jetzt gar nicht. Hier hatte aber ein 
Wasserstreifen von ungefähr 15 m Breite dieselbe klare, hellgrüne Farbe 
wie das Wasser des Narim ; dann wurde die Farbe mit einem Mal grau 
bis zum linken Ufer, genau so wie im Kara Darya (schwarzer Fluss). 
Dies zeigt, dass die Wassermassen der beiden Flüsse 
noch sechs Werft unterhalb deren Vereinigung sich 
nicht gemengt haben, oder vielmehr, dass das warme 
Wasser d es Kara Darya sich auf dem kalten Wasser des 
Narim ausbreitet, das nur am rechten Ufer in einem schmalen 
Wasserfaden noch zu Tage tritt. Dass dieses helle Narim-Wasser sich 



Temperatur gegenüber den raschfliessenden Hell wasserströmen bewirkt. 
Eine Wärmeschichtung, wie sie bei langsamströmenden Gewässern ein- 
treten kann, ist bei schnellfliessenden Flüssen ganz ausgeschlossen; die 
Erwärmung durch die Sonne verteilt sich daher bei den rasch fliessenden 
Flüssen auf eine grössere Wassermenge und macht sich daher überall 
geringer bemerkbar; bei langsam fliessenden Wassern aber bleibt sie 
mehr auf die Oberflächenschichten konzentriert, wozu, wie schon er- 
wähnt, auch noch die die Sonnenstrahlen begierig aufsaugende dunkle 
Färbung jener Flüsse kräftig mitwirkt. 

Dass mit dieser Temperaturerhöhung eine Verminderung des 
spezifischen Gewichtes der betr. dunklen Gewässer Hand in Hand geht, 
mithin dieselben bei steigender Temperatur sich ausdehnen und dadurch 
leichter werden, ist klar. Dieser Umstand, mit Berücksichtigung der 
bereits oben erwähnten grossen Armut dieser Gewässer an anorganischen 
Substanzen, befördert in höherem Grade noch ein Fortbewegen der 
dunklen Wasser auf der Oberfläche der schwereren Hellwasserflüsse, 
bis eine allmählige Vermischung von oben aus sich vollzieht, selbst- 
verständlich zu Gunsten des wasserreichsten Stromes. 



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— I04 — 

aber auf so kurze Strecke um einen ganzen Grad hat erwärmen können, 
ist eigentümlich, beruht jedoch auf der innigen Berührung mit dem 
wärmeren Kara-Darya- Wasser."') 

Interessant ist es, dass auch die beiden Schomburgk eine 
ähnliche Beobachtung beim Essequibo und Rupununi machten, die als 
weiterer Beweis, dass die verschiedenen Temperaturen der sich ver- 
einigenden Flüsse eine wichtige Rolle bei der Vermischung verschieden- 
farbiger Wasser spielen, hier erwähnt werden soll. Richard Schom- 
burgk schreibt: „Am nächsten Morgen erreichten wir nach beinahe 
vierwöchentlichem Kampf mit dem Strom und den Stromschnellen unter 
3* 59' 45" n. B. die Mündung des Rupununi, eines der Hauptnebenflüsse 
des Essequibo, der diesem von S. -W. her zuströmt. Da das Wasser 
des Essequibo hier eine schwärzliche, das des Rupununi aber eine trüb- 
gelbe Färbung hat, so konnte man letzteren Strom noch weit in den 
Essequibo hinein verfolgen, bevor beide Flüsse ganz niiteinander vereint 
dem Ocean zurollten. Merkwürdig war es, dass die Temperatur des 
schwärzlichen Wassers des Essequibo 2® höher war als die des gelblichen 
Rupununi."*) 

Robert Schomburgk schreibt darüber®) (^die Beobachtungen 
wurden 6 Jahre früher gemacht): „Sowohl hier (am Einflüsse des 
Rupununi in den Essequibo), als am Cuyuni untersuchte ich den Unter- 
schied in der Temperatur des schwarzen und weissen Wassers und 
erhielt folgende Resultate: • 

I) 25. Sept. : Temp. der Luft um 7 Uhr vorm. 79^ F. = 26^ C. 

„ „ „ des Mazaruni um 7 Uhr vorm. (schwarz) 84^ „ = 29^ „ 

»> ^f ' n r Cuyuni „ „ „ „ (weiss) 830,,= 2873*',, 

II) 22. Oktober. Temperatur um 6 Uhr vormittags: 

Luft Essequibo Rupununi 

(schwarz) (weiss^ 

750 F. = 24<> C. 82P F. = 27 '/« C. 80,50 F. =: 26,50 C. 

III) 22. Oktober Temperatur um 6 Uhr abends: 

Luft Essequibo Rupununi 

(schwarz) (weiss) 

80O F. = 26^/30 C. 830 F. = 28\'80 C. 810 F. = 277/> C. 
Die Linie der Wasserscheide war ganz deutlich und das Thermo- 
meter wurde 30 Yards (= 55 m) davon entfernt eingesetzt." Auch vom 

*) Sven Hedin: „Beobachtungen über die Wassermenge des 
;Sir Darya im Winter 1893— 1894. Verhandig. d. Ges. f Erdk. zu Berlin 
Bd. 21 No. 2 und 3 S. 161. ^) Schomburgk, Richard, „Reisen in 
Britisch Guiana", Leipzig 1847, I. Tl. S. 341 u. 342. ') Schomburgk, 
Robert, ,,Reisen in Guiana und am Orinoco" 1835—1839^ Leipzig 1841 
'S. 67 und 68 



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— I05 — 

Rio Negro schreibt Martius, dass sein Wasser wärmer ist als die 
„kühleren" Fluten des Solimo^s,') und die Wasser des Rio Branco fand 
er an der Mündung mit einer Temperatur von 26 Vt^ C, diejenigen des 
Rio Negro dagegen mit einer solchen von 27^ C.*) 



E. Analogien. 

Wie wir im Laufe unserer Abhandlung gesehen haben, 
sind die Schwarzwasserflüsse auf der grossen „Brasilianischen 
Masse" eine fast allgemeine Erscheinung. Ihr Vorkommen 
ist jedoch nicht allein auf dieses Gebiet beschränkt, diese 
Gewässer kommen auch, — wenn auch vereinzelt — in 
anderen Teilen des südamerikanischen Kontinentes vor. 
Fragen wir nun: treffen wir auch ähnliche Erscheinungen 
in den übrigen Erdteilen an? Schon Humboldt erwähnt 
aus den alten Erdbeschreibungen die schwarzen Bäder von 
Astyra und Lesbos und macht ferner aufmerksam auf die 
braunen , ja fast schwärzlichen Seen von Savoyen , die er 
mit eigenen Augen gesehen.^) Der damalige Stand der 
Geographie ermöglichte es ihm nicht, auch andere Gebiete 
zum Vergleiche anzuführen, wo dieses Phänomen besonders 
ausgeprägt und ausgedehnt erscheint. Unsere heutigen 
geographischen Kenntnisse, obwohl ebenfalls, namentlich in 
Bezug auf die Erforschung der Flüsse, noch auf sehr 
schwacher Basis ruhend, ermöglichen es jedoch, einen 
grösseren Ausbreitungsbezirk für diese merkwürdige Er- 
scheinung anzugeben. So finden wir die Schwarzwasser- 
flüsse z. B. unter dem nämlichen Tropenhimmel, unter den 
nämlichen Begleiterscheinungen und in fast gleichgrosser. 
Ausdehnung im benachbarten 

Afrika. 

Eine ganze Anzahr von Kongotributären hat z. B. nach 
den Aussagen zahlreicher Afrikaforscher die nämliche klare 



*) Martins, S. 1292. ^) Ebenda S. 1295. *) Humboldt, Bd. III 
S. 193. 



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— ip6 — 

schwarze Farbe wie die Flüsse Brasiliens und Guayanas. 
Lassen wir einzelne Forscher und Gelehrte selbst sprechen: 

In Sievers „Afrika" *) heisst es: „Von Norden erhält der Congo 
den Nkuku oder „Schwarzen Fluss", dessen Wasser wie das aller 
aus dem Waldgebiete kom m ender fast schwarz ist, den 
Itimbiri oder Rubi, den 550 m breiten Magala und mehrere kleinere 
Tributäre. Von links ist zwischen dem Lubilasch-Lomani und i ® n. Br. 
kein einziger nennenswerter Nebenfluss zu bemerken, denn die südlich 
des Kongobogens fliessenden Flüsse machen denselben Bogen Wie der 
Kongo selbst in abgeschwächtem Maasse nach. Zu diesen gehören der 
Lulongo und der Buruki oder Tschuapa, von denen der erste aus zwei 
Flüssen zusammenfliesst, dem Maringa im Süden und dem Lopori im 
Norden, beide müssen zwischen o® und i® n. B. im Süden des Kongo- 
bogens entspringen. Der Maringo ist von Grenfell und Frangois^) 
im September 1885 bis 22® östl. L. verfolgt worden, der Tschuapa von 
demselben Reisenden im Oktober 1885. Sein linker Nebenfluss ist der 
Bussera. Da auch diese Flüsse das gross.e Waldgebiet 
durchfliessen, haben sie ebenfalls scliwarzes Wasser" 

Auch der Lukenje, den Kund und Tappen b eck befahren 
haben, zeigt jene klare, schwarze Farbe. Kund schreibt : ') „Schweigend 
wälzt der Fluss seine schwarzen Fluten im Sonnenglanze zwischen 
dem hohen Urwalde dahin" Tappenbeck sagt, dass unterhalb der 
Mündung des Lukenje oder Mfini, wo sich die gesamte Wassermässe 
des südlichen Kongobeckens zwischen ^° s. Br. und der Wasserscheide 
in eine einzige starke Wasserader zusammendränge, im gelben Grund- 
tone derselben das schwarze Wasser des Lukenje-Mfini noch lange 
Zeit sichtbar wäre.*) „Sämtliche Gewässer überall im Lande zwischen 
Koango und Lukenje'*, sagt ferner Kund,^) „sind in der Farbe sehr 
verschieden, vom schwarz, wie es den ersten moorigen Zuflüssen 
der Donau etwa eigen, durch lichtbraun bis zur klarsten Farbe wie 
unsere Gebirgsbäche abgestuft/* — Vom Luapula schreibt Paul 
Reich ard:®) „Freudig begrüssten wir den Strom, dessen paradisische 
Landschaft jeder Beschreibung spottet. Hunderte von Inseln ragen aus 
dem dunkeln, klaren Wasser des mit hehrem Rauschen dahin- 
gleitenden Stromes hervor etc. . ." Auch der Leopold II -See,') der 



*) Sievers: „Afrika" 1891 S. 95; — Sievers: Afrika 1901 
S. 364. ") Vergl. Verh. der Ges. f. Erdk. z. Brl. Bd. 13, 1886 S. 161. 
') Verhandig. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. Bd. 13 S. 331. *) Verhdlg d. Ges. 
f. E. z. Berl. Bd. 13 S 491- ') Verhdlg. d. Ges f. Erdk. z. Brl. Bd. 13 
S. 319. «) Verhdlg. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. 1886. ') Sievers: Afrika 
1901 S. 364. 



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— loy — 

Kagera-Nil/) ja sogar der „weisse Nil" haben klare, schwarze Fluten. 
Von letzteriem berichtet Schweinfurt:^) „Der Sobat stösst in flachen, 
soweit das Auge reicht von endlosen Steppen umgebenen Ufern zum 
Nil und hat an der Mündungsstelle etwa die halbe Breite des Haupt- 
strom^S. Die den Bergstrom kennzeichnenden, durch schwach milchige 
Trübung gefärbten Wasser stechen noch auf eine weite Strecke von den 
tiefschwarz erscheinenden Fluten des „Weissen Nils" ab, dennoch 
wird das Söbatwasser dem letzteren weit vorgezogen, welches zwar 
durchscheinend klar, nachdem es durch eine Filter von Gras 
gelaufen, aber dem Gaumen wegen seines faden, sumpfigen Nachge- 
schmacks durchaus nicht angenehm erscheint. Der Einfluss der beiden 
Gewässer lässt sich bis Faschoda hinab verfolgen etc. . ." 

Gehen wir nach 

Nord-Amerika, 

so finden wir, abgesehen vom grossen Qüellfluss des 
Mackenzie, dem grossen „Black-River", namentlich im 
Mississippi-System die sogenannten ,,black waters" auffallend 
ausgeprägt. Manche Ströme davon, wie der „Black-River", 
der durch seine Fälle weltbekannt ist und unter ungefähr 
920 30' w. L. und 44<^ n. B. in den Mississippi mündet^ ferner 
Ströme wie der „Black-River", der in den White River, und 
der „Black River", der in den Washita sich ergiesst, haben 
meist die ansehnliche Grösse von einem ziemlich grossen 
Hauptstrome Deutschlands. Ob nun diese genannten „black- 
waters" der grossen Apalachischen-Ebene aber auch „sämt- 
lich*' die klare, schwarze Färbung zeigen^ wie ihre süd- 
amerikanischen Kollegen, ist nicht festzustellen, da sich trotz 
allen Suchens in der Literatur hierüber keine Angaben finden. 
Dagegen ist von den Flüssen der Nordarnerikanischen Südstaaten^ 
die ihren Ursprung auf den Alleghanys haben, bekannt, dass. sie 
namentlich in ihrem Unterlaufe jene Farbenerscheinung zeigen, wie der 
Rio Negro Brasiliens oder wie der Atabapo Venezuelas. Deckert 
schreibt darüber in seiner grossen Abhandlung:* „.Land und Leute in 
*den Nordamerikanischen Südstaaten" : ^) „in ihrem Oberläufe sind die 



. *) B a u m a n n , Oskar : „Reise , 4^^eh , Deutech t. N(a^sailand und 
zur Quelle des Kagera Nil'* ; Verh. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. ^) Schwein- 
furth: „Im Herzen von Afrika." Leipzig 1878 pag. 17. ^) Deckert: 
„Land u. Leute in den ,nordam. SüdstaatenV Zeitschr. der Ges. für 
Erdk. z Berlin 1887. 



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— io8 — 

Ströme der Südstaaten fast allenthalben rasch und reissend, und infolge 
ihres ausserordentlichen Reichtums an SinkstofFen stellen sie daselbst 
fast ohne Ausnahme trübe Schmutzfluten dar, die je nach ihrem Gehalt 
an Eisenoxyden bald gelblich weiss, bald gelb-rot gefärbt sind. In 
ihrem Unterlaufe dagegen fliessen sie langsam und ruhig dahin, und 
vielfach könnte man fast von einem Schleichen oder Stagnieren bei 
ihnen reden, ihr Wasser aber erscheint durch die reducierende Wirkung 
der darin modernden PflanzenstofFe schwärzlich gefärbt und bis auf 
den Grund hinab durchsichtig." 

Asien. 

Auch Asien hat seine Schwarzwasserflüsse mit klarem, 
dunklem Wasser. Die sämtlichen Urgebirgsw asser um den 
Baikalsee scheinen schwarze Fluten zu haben. Der „Baikal- 
See'' selbst zeigt jene schwärzliche Färbung;^) ferner wissen 
wir auch vom „schwarzen Irkut"?) und vom Amur, 8) dass 
ihnen die Bezeichnung „Schwarzwasser" vollständig gebührt. 
Von letzterem Fluss schreibt z. B. Perry: „Nach der Ver- 
einigung der beiden Quellflüsse hat das Wasser des Amur, 
vom Ufer aus gesehen, eine schwärzliche Farbe, in einem 
Glase betrachtet zeigt es eine helle Schattierung von Thee- 
farbe. Die Tartaren nennen deshalb den Fluss Sachalin oder 
Karamuran, d. i. Schwarzfluss."*) Aus Maximowicz's 
Reise entnehme ich: 5) „Weiter unten im Tiefland wird das 
Wasser des Amur sehr trübe. Der Dsungari trägt die 
Schuld daran; dieser ist so trübe und trägt einen so grossen 
lehmigen Niederschlag mit sich, dass das Amur-wasser 
ebenfalls getrübt und braun erscheint.*' In seinem Unterlaufe 
scheint der Amur also Icein klarer Schwarzwasserfluss mehr 
zu sein. 

Europa« 

In Europa scheinen die Schwärzwasserflüsse ebenfalls 
den alten Gebirgsarten eigen zu sein. In Süd- und Nord- 
Irland, in Schottland und in Schweden treten diese Gewässer 



*) Pet. Mittig. 1860 S. 262. ') Pet. Mittig. 1857 S. 144. *) Pet. 
Mittig. 1861 S. 262. *) Pet. Mittig. 1859. S. 24. *) Pet. Mittig. 1862 S. 168. 



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— I09 — 

nämlich in grosser Anzahl auf. Die sogenannten „black- 
waters" Irlands vergleicht schon Reclus^) mit den 
„schwarzen Flüssen Südamerikas", und von den Gewässern 
„Schottlands" berichtet uns Ruith, dass sie ebenfalls schwarz 
sein: „Schwarz sind die Berge gefärbt, schwarz die Ge- 
wässer." 2) 

Von den Seen von Vester- un^ Norbotten in Skandinavien sagt 
ferner Hoppe:*) „Die Seen, die hier aufeinander folgen, sind echte 
Lappmarksseen, d. h. düstere, von Granitbergen umgebene, tiefef, dunkle 
Gewässer." Vom „Vindaldf bemerkt derselbe Autor: „Der Vindalelf, 
ein grosser Nebenfluss des Umpelf, ist sehr reissend und seip Wasser 
ist dunkler, so dass man auch nach ihrer Vereinigung das ,schwarze' 
Wasser des Vindalelf von dem helleren des Umeelf unterscheiden 
kann." Wie im „Kaledonischen Gebirge'* von Suess, so sind die 
schwarzen Gewässer nun auch im variscischen Gebirgszuge zu finden. 
Schon aus den alten Quellen lesen wir : „nach dem Rhein geend in 
das gross deutsch Meer Vidrus, ein schwartzwasser in hessen ent- 
springende aus den Bergen Chattorum" *) oder „vidrus hodie unda nigra 
in chattorum montibus oriens." *) (Kiepert denkt bei Vidrus an die 
Vechte, doch dürfte dieser Fluss nicht gemeint sein.) Namentlich im 
Schwarzwald haben die kleinen Flüsse und Bäche, wie ich selbst 
beobachtet, klare und schwärzliche Wellen, und auch die Bezeichnung 
„dunkler** Mummelsee ist keine leere dichterische Phrase. Am auf- 
fälligsten schwarz sind jedoch die Ströme der alten „böhmischen Masse*'. 
Schon „Hans Sachs** schreibt in seinem Gedicht: „die hundert vnd 
zehen wasserflues des deutschen landes:** 

„Die Ylcz für Pasaw trüb v,nd schwarcz.***), 
Schwager sagt davon: „In scharfem Gegensatz stehen. zu den 
südlichen Zuflüssen und der Donau selbst, welche meistens bald eine 
bläulich grüne, bald wieder eine grünliche Färbung aufweist, dje nördr 
liehen Flüsse des Urgebirges. .Diese zeigen meist die braune Farbe^ di^ 
bei einigen bis zum tiefen 'Schwarz übergeht Auch die Flüsse des 



*) Reclus, Bd. 19 S. 128. ^) Ruith: „Land- u. Seefahrten in 
Schottland.** Jahresbericht der Geogr. Ges. in München 1872 S. 118. 
') Hoppe Otto: „Schweden in Wort u. Bild. Breslau i8gi S. 40. 
*) Seb. Frank: Weltbuch „ein kurtze aussoerterung der geschwell, 
Grentz, berg, waeld, flüss, voelcker uund statt Germanie etc., Jahres- 
bericht d. Geogr. Ges. z. München^ 14. Hft. 1896 S. 36. •) Wilib. Pirck- 
heimer, „Germania**, Jahresber. d. Geogr. Gesellsch. zu München, 
1896 S. 36. •) Jahresber. d. Geogr. Ges. z. München, 14. Hft. 1896 S. 28. 



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— HO 



Fichtelgebir^es stellen sich in dieser Beziehung zur Seite. Nach der 
Farbenabstufung ergibt sich folgende Reihe: Naab, Regen, Erl au, Saale, 
Hz und als. das dunkelste jenes des Rachelsees." *) 



F. Farbe. 

a) Urteile über die Färbung der Schwarzwasserflüsse 
von Seite mehrerer Forschen 

Über die Ursache der schwarzen Färbung . unserer be- 
trachteten Flüsse haben sich schon die verschiedensten 
Forscher geäussert. Lassen wir hier zunächst die Meinungen 
derselben folgen: 

1. Eine etwas nähere Betrachtung schenkte schon Franzisco 
Xavier Ribeiro de S. Payo (1743) dem Rio Negro- Wasser. 
„Obgleich die wahre Farbe des Wassers", schreibt er, „wenn man es in 
ein Glas thut, weingelb ist, so erscheint es doch bei der grossen Tiefe 
des Flusses wie schwarze Tinte. Ob nun diese Farbe durch aufgelöste 
mineralische oder vegetabilische Substanzen entstehe, dies lasse man 
dahingestellt sein."^) 

2. Humboldt (1800) schreibt : ') „Das Wasser des Lagartero sah 
bei durchgehendem Lichte golc^elb, bei reflektiertem kaffeebraun aus. 
Die Farbe rührt ohne Zweifel von gekofftfem Wasserstoff her. Man 
sieht etwas Ähnliches am Düngerwasser, das unsere Gärtner bereiten, 
und am Wasser, das aus Torfgruben abfliesst. Lässt sich demnach 
nicht annahmen, dass auch die schwarzen Flüsse, der Atabapo, der 
Zama, der Mataveni, der Guainia, von einer Kohlen- und Wasserstoff- 
verbindung, von einem Pflanzenextraktivstoff gefärbt werden? Der 
starke Regen unter dem Äquator trägt ohne Zweifel zur Färbung bei, 
indem das Wasser durch einen dichten Grasfilz sickert. Ich gebe 
diesen Gedanken nur als Vermutung. Die färbende Substanz scheint 
in sehr geringer Menge im Wasser enthalten; denn wenn man das 
Wasser aus dem Guainia oder Rio Negro sieden lässt, sah ich es nicht 
braun werden wie andere Flüssigkeiten, welche viel Kohlenwasserstoff 
enthalten." .... „Die meisten der gleichen Farbenerscheinungen 
kommen bei Gewässern vor, welche für die reinsten gelten, und man 
wird sich vielmehr an auf Analogien gegründete Schlüsse als an die 



*) Schwager, Hydrochem« Untersuchg. im Bereiche des unteren 
Donaugebietes. Geognostische Jahreshefte VI S. 67 ff. ^) Eschwege: 
Brasilien, die „Neue Welt." II. Tl. S. 143. ») Humboldt, III. Bd. 
S. I9.S- 



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— III — 

unmittelbare Analyse halten müssei.. um über diesen noch sehr dunklen 
Punkt einiges Licht zu verbreiten." (Humboldt Bd. III S. 193) 

3. Martins (1817) sagt:^) „Dass die Entstehung der dunklen 
Gewässer durch ganz örtliche Verhältiiisse bedingt sei, wird vorzüglich 
durch die Verschiedenheit der Färbung mehrerer Wasseranhäufungen 
im Umkreise weniger Stunden dargethan. Überall konnte ich die Be- 
,merkung machen, däss die schwarzen Wasser das Licht stärker zer- 
streuten, als die weissen, was der Meinung Raum geben möchte, dass 
sie irgend einen brennbaren Stoff (Bitumen, Torf oder andere vege- 
tabilische Extractivstoffe ?) aufgelöst enthalten" 

4. Nach Bat es (1847) ^) rührt die olivenbraune Farbe des Rio Negro 
daher, dass die Wasser dieses Flusses während der jährlichen Über- 
schwemmungen mit grünem Laube gesättigt werden. 

5. W a 1 1 a c e (1848) *) schreibt die dunkle Färbung der Schwarz- 
wasser vegetabilischen Substanzen zu. Er sagt: „Die Thatsache, 
dass die reinsten Schwarzwasserflüsse durch Distrikte mit dichtem 
Wald fliessen und Granit-Betten haben, scheint zu zeigen, dass es die 
Filtration des Wassers durch zerfallende vegetabilische Substanz ist, die 
ihm seine besondere Farbe gibt. Fliesst ein Fluss aber durch Distrikte, 
in denen er hellgefärbtes Sediment aufnehmen kann, so wird er ein 

' ,Weisswasserfluss*." 

6. Keller- Leu zinger (1874) berichtet : *) „Obgleich das Rio- 
Negrowasser an und für sich von kristall heller Durchsichtigkeit, scheint 
es, an Stellen grösserer Tiiefe gesehen, ganz dunkelbraun, beinahe 
schwarz. Es teilt übrigens diese Farbe, welche von verfaulten Pflanzen- 
stoffen, hauptsächhch von einer Art schwimmenden Grases, welches 
in den Lagos (Seen) zu beiden Seiten des 'Flusses in unglaublicher 
Menge wächst, mit vielen anderen Flüssen des Landes." 

7. Chandless (1862) sagt:®) „Warum die eine Art der Flüsse 
klares, dunkles Wasser und die andern trübes Wasser zeigen, ist eine 
Frage, die nicht leicht anders als hypothetisch zu beantworten ist; gerade 
wie beim Photographieren : wir wissen, was den Niederschlag verur- 
sachen wird, aber (gewöhnlich) nicht, was ihn verursacht hat ... . 
Dass die dunkle Färbung des Wassers vegetabilischen Substanzen zu- 
zuschreiben ist, ist sehr wahrscheinlich; aber diese Annahme ist oft 
mit einer anderen zweifelhafteren verbunden worden, nämlich der, dass 
die Flüsse mit dunklem Wasser von Seen kommen. Dass die Seen 



*) Spix u. Martins, III. Bd. S. 1351 ^)Bates, S. 185. ») Siehe 
Schichtel S. 70. *) Keller-Leuzinger S. 25. ®) Chandless, 
Journ. R. G. S. 1870 S. 421 u. 423. 



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— 112 — 

des Amazonenthals fast allgemein dunkles Wasser haben, ist wahr; 
aber das scheint daher zu kommen, dass die Ströme, welche sie speisen, 
dunkel sind, nicht daher, dass das Wasser dort dunkler wird, obgleich 
es natürlich frei von Satz werden würde." 

8. Ehrenreich (1889) schreibt:*) „Die eigentliche Ursache (der 
Schwarzwasserflüsse Süd*Amerikas) ist noch ziemlich dunkel. Nur so 
viel steht fest, dass das Wasser dieser Flüsse fast gar keine anorganische, 
aber sehr viel organische Substanz (Huminsäure) enthält/' 

9. Sievers (1891)*) vergleicht die schwarzen Ströme Süd- Ame- 
rikas mit den schwarzen Flüssen Afrikas; „Viele der schwarz gefärbten 
Gewässer kommen aus den offenen Savannen, nicht aus dem Urwald, 
und entstehen wahrscheinlich im moorigen, eisenhaltigem Boden, so 
dass die Analogie mit den äquatorialen schwarzen Zuflüssen des Congo 
unleugbar ist." 

IG. Eingehender bespricht Schichtel (1891) *) dieses eigenartige 
Phänomen. Er sagt: „Dass die schwarze Farbe nicht vom Granit- 
Untergrund abhängt, zeigt die Angabe bei Chan dies, nach der eine 
ganze Reihe von kleinen Zuflüssen des Purus im lockeren Alluvialland 
schwarzes Wasser führen. Dasselbe wird sich überall da finden, wo 
die Quellwasser des Flusses durch die Humusdecke des Urwaldbodens 
durchsickern und entweder über harten Fels fliessen oder nicht Arbeits- 
kraft genug besitzen, um ihren weichen Untergrund zu erodieren. Die 
Richtigkeit der von W a 1 1 a c e gegebenen Erklärung für die Farbe der 
„Schwarzwasserflüsse" bestätigt das mir von Herrn Pfaff gütigst 
zur Verfügung gestellte Resultat seiner in Manaos angestellten Analysen. 
Er fand in 100 000 Teilen Wasser des Rio Negro den enormen Betrag 
von 30 Teilen organischer Substanz (pro 30 Liter mg). Bereits 
Martins (p. 1351) hatte von dem von ihm beobachteten stärkeren 
Dispersions- Vermögen der Schwarzwasserflüsse für das Licht auf ihren 
Gehalt an brennbaren Stoffen geschlossen. Dieses physikalische Ver- 
halten deutet auf gelöste organische Bestandteile hin; der grössere 
Teil derselben scheint indes nach den Angaben des Herrn Pfaff 
suspendiert zu sein; auch nach der Filtration waren unter dem Mikro- 
skop noch pflanzliche Elemente zu erkennen." 

Schichtel stellt auch eine vergleichende Betrachtung zwischen 
den gelösten Bestandteilen des Amazonas- und Rio Negro- Wassers auf 
Grund von Analysen von Mellard-Reade und Pfaff. an.*) Diese 
Analysen ergaben: 

*) Verhdlg. d. Ges. f. Erdk. z. Brl. 1890 S. 160 u. 161. ') Sievers, 
„Amerika" S. 77. ") Schichtel S. 70 u. 71. *) Schichtel S. 96. 



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— 113 — 

looooo Gewichtsteile Wasser enthalten gelöste Bestandteile: 

Amazona$:. ,. Rio Negro: 

(nach Reade von eineir;;zy. San- (nach Pf äff von einer aus dem 

tarem in der Mitte des Amazonas im Rio Negro bei Manaos entnomme- 

Juni 1878 entnommenen Probe). nen Probe). 

SiO« 0,98 Si02 0,67 

Al(OH)a-fFe(OH)8 . . . 0,38 Al(OH)8-|-Fe(OHj8 ... 0,34 

CaCOs ........ 2,75 CaO 0,06 

MgCOs 0,22 SOs 0,04 

KCl 0,23 K 4- Na (als Cloride) .... 0,29 

NaCl 0,15 CO2 0,04 

Na2S04 . 0,13 Org. Bestandtt. ... . 28,90 

Organische Bestandtt. . . . 0,71 inkl. d. ungel. Bes. 
(exkl. der ungelösten B.) 

Sa. 5,92 

Die Analyse des Rio Negro- Wassers zeigt hier augenscheinlich 
neben dem enormen Gehalt an organischen Bestandteilen eine ver- 
schwindend kleine Menge von Ca, was den Gedanken erzeugen muss, 
dass hier analytisch das Granitgebiet des Rio Negro zum Ausdrucke 
kommt. 

II. Ebenfalls auf chemischem Wege suchten Müntz und Mar- 
c a n o (1888) *) die Ursache der schwarzen Färbung dieser Flüsse zu 
finden. Sie schreiben: „Die Ursache der Farbe dieser Wasser ist un- 
aufgeklärt. Der eine von uns, Herr Marcano, ist in der Lage 
gewesen, die schwarzen Flüsse zu beobachten und in einer ausführlichen 
Beschreibung des oberen Orinoco, die peinliche Genauigkeit der von 
Alex. V. Humboldt angeführten Thatsachen zu konstatieren. Wir 
haben in der chemischen Zusammensetzung die Erklärung für diese 
Eigenart gesucht. 

„Die Regionen, in welchen man diese Wasser antrifft, ist die 
Granitformation, bedeckt mit üppiger tropischer Vegetation. Das 
untersuchte Muster ist im Laboratorium angekommen, 2 Monate nachdem 
es dem Flusse entnommen : es, hatte seine Farbe bewahrt, einen frischen 
und angenehmen Geschmack und eine vollkorpmene Klarheit. 

„Die Analyse dieses Wassers hat ergeben, dass es per Liter 
0,028 gr organische Substanz enthält^ die beinahe ganz aus jenen braunen, 
noch schlecht definierten Säuren besteht, wie sie sich in Torfmooren 
bilden. Dieses Wasser reagiert sauer, die Reaktion verstärkt sich mit 
zunehmender Konzentration, bis sie dem Geschmacke sehr fühlbar wird. 

*) Comptes Rendus Hebdomadaires des Seances de TAcademie 
des Sciences, Paris 1888 S. 908 Bd. 107. 

R e i n d 1 , Schwarze Flüsse. ° 



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— 114 — 

Man findet darin wenig Kalk (weniger als o,ooi gr per Liter); die Humus-" 
Substanz befindet sich also in ungebundenem Zustande. Nitrate fehlen 
ganz. Andere mineralische Substanzen sind spärlich vorhanden; ihre 
Summe überschreitet nicht o,oi6 gr per Liter; sie besteheft aus Kiesel- 
säure, Eisen- und Manganoxyden, Aluminium und Kali mit Spuren von 
Ammoniak. 

„Die Herkunft dieser Gewässer und ihre Zusammensetzung er- 
möglichen uns, eine Erklärung ihrer Farbe und ihrer Eigenschaften zu 
geben. Diese Wasser haben sich durch die Lösung der freien Humus- 
Säuren gefärbt, welche sich durch die Zersetzung vegetabilischer Sub- 
stanzen auf Granitboden, niemals auf Kalkboden gebildet haben. Sie 
gleichen in dieser Hinsicht den Wassern, welche aus Torfmooren ab- 
laufen. Sie behalten ihre Farbe dauernd, weil bei Abwesenheit von 
Kalk und trotz des Luftzutritts der Nitrifikationsprozess und daher die 
Verbrennung der organischen Substanzen nicht vor sich gehen kann, 
wie dies das vollständige Fehlen der Nitrate beweist" 

12. HerrDr. Katzer, lange Zeit als Geologe in Brasilien thätig, 
hatte die grosse Liebenswürdigkeit, dem Autor zu schreiben : „Der Typus 
der Schwarzwasserflüsse Südamerikas ist der Rio Negro im Staate 
Amazonas. Sein Wasser ist auch im Glase bräunlich und unklar und 
behält einen bräunlichen Stich auch nach wiederholter Filtrierung, durch 
welche alles Suspendierte entfernt wird. Die Analyse lehrt, dass die 
Färbung wesentlich auf g e 1 ö s t e organische Substanzen zur ück- 
zuführen ist. 

. „Der in Südamerika, besonders im Amazonasgebiet allgemeine 
Sprachgebrauch bezeichnet jedoch als Schwarzwasserflüsse noch jene, 
deren Wasser im auffallenden Lichte dunkelgrün erscheint, wenngleich 
es viel klarer ist, als die sog. „weissen Flüsse." 

So die wichtigsten Ansichten einer Reihe von Gelehrten, 
die dem Problem näher getreten sind. Eine neue, eingehende 
Bearbeitung der Frage wird durch die bisher aufgestellten 
Hypothesen immer noch nicht überflüssig gemacht, 

b) Versuch zur Lösung des Problems. 

Die Frage nach den Ursachen der wechselreichen, das 
Auge so sehr bestechenden Farbenerscheinungen des Wassers 
ist so alt wie die Naturbetrachtung überhaupt. Freilich eine 
Theorie der Farben, wie sie die moderne Physik ausgebildet 
hat, darf bei den Alten niemand erwarten; ihr Standpunkt 
in dieser Sache war von vornherein ein von dem heutigen 



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— 115 — 

durchaus verschiedener. Schon von den Anfängen im Mythus 
bis zur Farbenlehre des Aristoteles zieht sich der Dualismus 
von Licht und Finsternis fort, deren Gegensatz sich in den 
zwei Hauptfarben „Weiss" und „Schwarz" kennzeichnet. 
Aristoteles^) bringt die Farben in direkte Verbindung mit 
den vier Elementen, indem nach seiner Auffassung dem Prin- 
zipe des Lichts; Feuer und Luft, dem dunklen Chaotischen: 
Wasser und Erde entspreche. Das Wasser entbehre des 
Warmen, weil es aus dem Nassen und Kalten bestehe, und 
müsse deshalb auch notwendig die dunkle Farbe besitzen. 
Zahlreiche Übergangsstufen, die durch Mischung erzeugt 
würden, vermitteln jedoch die äussersten Gegensätze, wodurch 
dann die Entstehung der übrigen Farben bedingt sei, und 
zwar in der Weise, dass vom Weissen gegen das Schwarze 
hin lichtgelb, rot, violett, grün und blau als Mittelstufen an- 
gesehen werden. 

S t r a b o ^) schreibt die verschiedenen Farbenabstufungen der Ge- 
Xvässer dem Reflex der umgebenden Landschaft zu, Plinius berührt 
diese Frage überhaupt nicht. Auch das Mittelalter dachte über diese 
Sache wenig nach und betete einfach, wie in anderen naturwissenschaft- 
lichen Fragen, die Traditionen des Altertums gläubig nach. 

Erst mit dem Aufschwünge der mathematischen und 
physikalischen Wissenschaften in der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts wendete man den Erscheinungen der Licht- 
brechung vorzügliche Aufmerksamkeit zu. Seit Newtons 
Entdeckung der Zerlegbarkeit des Sonnenlichtes in die pris- 
matischen Farben wird die Thatsache, dass dunkle Körper 
unter Beleuchtung des weissen Tageslichtes in den ver- 
schiedensten Farben auftreten, dahin ausgedrückt, dass die 
Körper je nach ihrer Beschaffenheit nur bestimmte Farben- 
strahlen des Lichtes zurücksenden, während die übrigen im 
weissen Lichte enthaltenen Farben entweder absorbiert oder 
durchgelassen werden. Newton bezeichnet die violetten, 
blauen und grünen Strahlen als jene, welche das Wasser 



*) Prantl, „Aristoteles über die Farben." 1849. S. i09ff. 
^) Geogr. libr. XII. 

8* 



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— ii6 — 

reflektiert, und hält nach einer von Ha Hey in einer Taucher- 
glocke gemachten Beobachtung die roten Strahlen für die 
durchgelassenen, während Arago^) die reflektierten Strahlen 
als blau und die durchgelassenen als grün bezeichnet. Beide 
Vermutungen zeigten sich indes bei direkter Prüfung nicht 
begründet. 

In neuerer Zeit hat man dieses Thema mit grosser 
Vorliebe wieder aufgenommen und so das Problem seiner 
Lösung näher gerückt. Die Lösung des alten Rätsels war 
aber nur an der Hapd eingehender physikalischer und 
chemischer Untersuchungen denkbar. 

In geradezu klassischer Weise stellt F. A. Forel die 
Frage der Wasserfärbung in seinem „Handbuch der Seen- 
kunde" dar. Er unterscheidet dabei zwischen der „Eigen- 
farbe" des Wassers und der „scheinbai^en" Farbe desselben. 
Letztere Farbe nimmt ein Beobachter wahr, wenn er ein 
Gewässer unter einem schiefen Winkel beobachtet. „Vom 
Ufer aus gesehen", schreibt Forel, „erscheint die Ober- 
fläche eines Sees gefärbt, doch nicht in den Tönen des See- 
wassers, sondern in denjenigen der jenseits des Sees ge- 
legenen Landschaft." Ist der See ruhig, führt dieser Forscher 
weiter aus, so ist die Reflexion an seiner Oberfläche sehr 
vollkommen, sobald sich aber die Oberfläche des Gewässers 
unter dem Einfluss des Windes oder irgend eines mechanischen 
Impulses auch nur im geringsten kräuselt, vollzieht sich die 
Spiegelung unter ganz anderen Bedingungen. Jede Welle 
stellt nämlich einen cylindrischen, im Wellenkamm konvexen, 
im Wellenthal konkaven Spiegel dar, der bei grösserem Ein- 
fallswinkel verzerrte, in ihrer Höhe verkleinerte virtuelle 
Bilder der gespiegelten Gegenstände gibt. Der konkave 
Teil der Welle erzeugt verkehrte, der konvexe Teil aufrechte 
Bilder. Es entsteht so durch Spiegelung eine gewisse Fär- 
bung der Oberfläche des Gewässers, die die Resultante aller 
gefärbten sich spiegelnden Gegenstände und ihrer selektiven 



Sämtliche Werke, übersetzt von Hanke 1, IX. S. 446. 



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— 117 — 

Zurückstrahlung ist. Diese scheinbare, durch Spiegelung 
an der Oberfläche entstandene Färbung ist allerdings nur 
bei ganz glattem Wasserspiegel und gewisser Entfernung 
des Beobachters von der Wasserfläche mehr oder minder 
allein sichtbar ; meist aber kombiniert sie sich mit der Eigen- 
farbe des Wassers, die von jener wohl unterschieden werden 
muss." . 

Auch bei unseren Schwarzwasserflüssen lässt sich die 
scheinbare Farbe beobachten. Auf sie führen sich die mannig- 
faltigen Nuancierungen zurück, die eine Folge der wechseln- 
den Beleuchtung im Laufe der Stunden und Tage, der Be- 
schattung durch Wälder, durch Wolken u. s. w. sind. Allein 
diese kleinen, zarten Abstufungen der Farbentöne haben mit 
der eigentlichen schwarzen Farbe der betreffenden Gewässer 
nichts zu thun; diese ist immer und unter allen Umständen 
vorhanden, wenn sie auch je nach dem Wasserstand in ihrer 
Intensität sich ändern kann. Gehen wir auf diese „Eigen- 
farbe" der Gewässer näher ein! 

Wenn man einen See, dessen Tiefe so gross ist, dass 
der Boden des Beckens nicht mehr durchschimmert, senkrecht 
von oben betrachtet, so dass eine Spiegelung der Gegen- 
stände ringsum ausgeschlossen ist, so erscheint dessen Wasser 
blau oder grün, seltener gelblich, grau, braun, schwarz, 
rötlich oder violett, je nach der Jahreszeit und je nach seinen 
Eigenheiten. Diese Farbe, die nicht durch Oberflächen- 
spiegelung entstanden sein kann, ist die Eigenfarbe des be- 
treffenden Gewässers. Wie kommt diese zustande? Wie 
kommt es überhaupt, dass wir eine Farbe des Wassers wahr- 
nehmen und uns dieses nicht einfach schwarz erscheint? 

Wäre das Wasser absolut rein, so würden die Licht- 
strahlen in der ihnen durch die Brechung gegebenen Rich- 
tung weiterdringen, sie würden allmählich durch Absorption 
des Wassers ausg'elöscht werden; die Intensität des Lichtes 
würde daher beim Eindringen in tiefere Schichten allmählich 
abnehmen. In einer bestimmten Tiefe würde praktisch alles 
Licht ausgelöscht sein. Solches Wasser müsste, da alles 



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— ii8 — 

Licht absorbiert und nichts reflektiert wird, bei Betrachtung 
von oben ganz schwarz erscheinen. 

Das Wasser enthält jedoch zahllose mineralische und 
lebende oder abgestorbene organische Partikel, die ebenso 
zahlreiche Lichtschirme bilden, an denen das ins Wasser ein- 
dringende Licht zurückgeworfen wird, ehe es ganz absorbiert 
ist. Dieses von den Lichtschirmen reflektierte Licht gelangt 
durch das Wasser zurück und in unser Auge ; auf ihm beruht 
die Eigenfarbe der betreffenden Gewässer. Diese Eigenfarbe 
des Wassers, wie wir sie bei auffallendem Lichte sehen, ist 
also durchaus abhängig von der Eigenfarbe des Wassers, 
wie sie sich hei durchfallendem Licht zeigt. 

Welches sind nun die Faktoren, die diese Eigenfarbe 
des Wassers bestimmen? 

Nach den Untersuchungen von Bunsen^) ist das 
destillirte chemisch reine Wasser nicht farblos, wie man ge- 
wöhnlich annimmt, sondern hat von Natur aus eine reine 
blaue Färbung, d. h. es absorbiert alle anderen Strahlen des 
weissen Lichtes stärker als die blauen. Die blaue Farbe 
bemerkte er, wenn er durch eine zwei Meter lange Wasser- 
säule Porzellanstücke betrachtete. Das bestätigten durch 
weitere Experimente auch Beetz 2) und Spring.^) 

Diese dem chemisch reinen Wasser zukommende rein blaue 
Farbe kann ^un durch mancherlei modifiziert werden, nämlich 

1. durch Beimengung schwebender Partikel, 

2. durch Autlösung von färbenden Substanzen. 

I. Von Einfluss sind vor allem die suspendierten 
Teilchen. Die mit gelbem Löss geschwängerten Flüsse 
Chinas haben ein gelbliches Aussehen; der Rio Negro Pa- 
tagoniens führt soviel schwarzen Schlamm mit sich, dass er 
eine ganz dunkle Farbe zeigt, der grosse Red River Nord- 
amerikas soll endlich seinen Namen dem Reichtum an Kupfer- 



*) L i e b i g und Wo h 1 e r, „Annalen der Chemie und Pharmacie^'. 
LXII S. 44. ^) Über die Farbe des Wassers. Annalen der Physik und 
Chemie. 1862 191. Bd. S. 137. *) Bulletin de l'academie royal belgique, 
S^r. 3. Tom. V. 1883. S. 55. 



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~ 119 — 

Verbindungen zu verdanken haben, den seine Fluten suspen- 
diert mit sich führen, ebenso wie der Rio Tinto in Spanien. 
Durch die im Wasser freischwebenden festen Partikelchen 
wird nämlich eine Hemmung des eindringenden Lichtes be- 
wirkt und dasselbe diffus nach allen Seiten hin zurück- 
geworfen, wie wir oben sahen. Sind diese Partikelchen 
zahlreich, so bilden sie gleichsam einen Nebel, dessen Dichte 
und Mächtigkeit derart sein kann, dass er schon in wenig 
dicken Lagen für Lichtstrahlen absolut undurchdringlich ist. 
Je nach der Farbe und Menge dieser suspendierten Teilchen 
wird auch die Farbe des Flusses eine andere sein. Sind die 
Partikelchen so zahlreich, dass dieselben schon in einer Tiefe 
von wenigen Centimetern bedeutende Quantitäten Licht re- 
flektieren, so hat dieses Licht nur wenig von seinen nicht- 
blauen Lichtstrahlen durch Absorption im Wasser verloren, 
es kommt also als ziemlich weisses Licht zu den Partikeln. 
Haben diese eine bestimmte Farbe, so wird von dem sie 
treffenden fast weissen Licht nur diese Farbe reflektiert. 
Wenn auch beim Durchgang des Lichtes nach oben wieder 
etwas von den nichtblauen Strahlen absorbiert wird , so 
kommen doch die Farben der suspendierten Teilchen nur 
wenig verändert ins Auge: das Wasser erscheint in der 
Farbe der suspendierten Teilchen. Je geringer die Zahl der 
Partikel ist, aus desto tieferen Schichten erst gelangt dann 
Licht durch Reflexion von den Partikeln ins Auge, desto 
mehr also werden sowohl beim Eindringen als auch beim 
Zurückkehren die nichtblauen Strahlen absorbiert, desto mehr 
dominieren die blauen. Die Partikel erscheinen also nicht mehr 
in ihrer Farbe, sondern in ihrer Farbe mit einem Stich ins 
blaue, z. B. gelbe Teilchen grün. Je blauer das Wasser, 
desto mehr herrschen unter den in das Auge gelangenden 
Strahlen die blauen vor. Freilich werden auch sie immer 
schwächer, da ja auch sie eine Absorption erfahren, wenn 
auch eine geringere als die anderen Lichtstrahlen. Je mehr 
die Trübung vermindert ist, desto tiefer dringen die Licht- 
strahlen ein ohne reflektiert zu werden, ein desto kleinerer 



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— I20 — 



Teil derselben gelangt aber in das Auge zfüf ück, d. h. desto 
dunkler erscheint das Wasser. Ein Wasser ohne jede Spur 
suspendierter Teile, wie es ja freilich in der Natur nicht 
existiert, würde wegen Fehlen jeglicher reflektierender Licht- 
schirme ein Maximum von Durchsichtigkeit besitzen, so dass 
bei flachen Flüssen der Untergrund noch durchschimmert. An 
tiefen Stellen aber muss solches Wasser völlig schwarz erschei- 
nen. So können durch Suspension von Partikeln verschiedener 
Farbe in verschiedener Menge die allerverschiedensten Farben- 
töne hervorgerufen werden : von hellgelb zum grün, zum blau- 
grün und schwarz, vom rot zum violett und schwarz, vom weiss 
zum hellblau, zum dunkelblau und zum schwarz. Erfahrungs- 
gemäss bedingen höhere Wasserstände bei Flüssen infolge 
der reichlich zugeführten suspendierten Kalkteilchen lichtere 
Farbentöne. Ferner erscheint das Wasser durch die bei 
einem anhaltenden Sturme vom Grunde aufgewühlten grösseren 
Massen weissen Schlammes weit heller als sonst. Nament- 
lich erkennt man in ausgezeichneter Weise an der Isar, in 
welch enger Beziehung die Menge der suspendierten Teile 
zur Abtönung der Wasserfarbe steht. Im Winter, zur Zeit 
des niedrigsten Pegelstandes ist das Isarwasser in München 
sehr rein und daher von tief dunkelgrüner Farbe. Bei stei- 
genden Wasserspiegel, im Frühjahre aber, erbleicht infolge 
von Schneeschmelze oder Regen, wobei eine Menge suspen- 
dierter Teile in den Fluss gelangt, der Farbenton imd geht 
allmählich in trübes Gelbgrün und schliesslich sogar in Gelb 
über. Im Herbst, wenn das Wasser sinkt und sich dabei 
klärt, kehrt die frühere dunkelgrüne Färbung wieder zurück. 
Die Intensität des Anteils blauen Lidites am Farbenton der 
Gewässer und die Menge ihrer Sedimentführung stehen also 
im umgekehrten Verhältnis^ zu einander. 

Aber auch suspendberte organische Mass en selbst von 
solcher Kleinheit, dass sie dem Auge nicht sichtbar sind, 
bewirken eine Färbung des Wassers. Springt) beobachtete 



*) Spring, „Sicr la cause de L'Absence d,e Coloration etc. 
Brüssel 18985 



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— 121 — 



nämlich, dass das frisch destillierte Wasser eine ziemlich 
reine, himmelblaue Farbe gab, während das seit längerer Zeit 
für Laboratoriumszwecke hergestellte eine hellgrüne Farbe 
zeigte^ wie eine verdünnte LOsung von Eisensulfat, nicht die 
gehoffte blaue. Hieraus konnte nun Spring schliessen, dass 
das destillierte Wasser der Laboratorien keineswegs rein ist, 
sondern Substanzen enthält, welche mit der Zeit Verände- 
rungen erleiden. Dass diese Substanzen lebende Organismen 
sind, wurde durch folgenden Versuch geprüft: 

Eine Röhre wurde mit gewöhnlichem destillierten Wasser gefüllt, 
das hindurchgehende Licht war blau ; die andere Röhre wurde mit dem- 
selben Wasser gefüllt, dem ein zehn tausendstel Quecksilberchlorid zu- 
gesetzt war; die Farbe dieses Wassers war ganz gleich dem Blau des 
ersten. Nach sechs Tagen nun war das Wasser der ersten Röhre grün 
geworden, das Wasser mit Quecksilberchlorid hingegen hatte seine blaue 
Farbe unverändert beibehalten. Da nun Quecksilberchlorid für vOrga- 
nismen ein heftiges Gift ist, so kam Spring zu der Ansicht, dass auch 
im destillierten Wasser der Laboratorien kleinste Lebewesen vorkommen 
und mithin Nahrungsmittel zur Entwicklung derselben in ihm vor- 
handen sind. 

Interessant und sehr wichtig ist, dass unsere behandelten 
Schwarzwasserflüsse ausserordentlich rein an suspendierten 
Substanzen sind. Da nun das Wasser desto dunkler erscheint, 
je reiner es an suspendierten Teilchen ist, so trägt diese 
Reinheit bei zahlreichen Flüssen, die eine sehr grosse Tiefe 
besitzen (Tapajos, Trombetas etc.), sicher dazu bei, sie 
schwarz erscheinen zu lassen. 

2. Eine Färbung des Wassers kann auch dadurch er- 
folgen, dass demselben gelöste färbende Substanzen zu- 
geführt werden. Haben die gelösten Substanzen auch die 
Eigenschaft, die roten oder überhaupt die nichtblauen Strahlen 
stärker zu absorbieren als die blauen, ist also ihre Eigenfarbe 
in dicken Lagen auch blau, wie beim Kochsalz, so verstärkt 
ihre Auflösung im Wasser dessen blaue Farbe. Weicht da- 
gegen ihre Eigenfarbe von der des Wassers ab, so modifiziert 
ihre Auflösung das Blau des Wassers und zwar um so mehr, 
in je grösseren Mengen sie dem Wasser beigemengt werden. 

Da unsere schwarzen Flüsse, wie wir oben geschildert 



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— 122 — 

haben, fast alle ganz klare, d. h. schlammfreie Wasser führen, 
so leuchtet ein, dass die schwarze Färbung durch gelöste 
Farbstoffe hervorgerufen sein muss. Dass dieselbe nicht 
einfach durch die Tiefe bedingt ist, geht schon daraus her- 
vor, dass sie auch bei flachen Flüssen auftritt. 

Fragen wir nach den im Wasser gelösten Substanzen, 
so ist da zunächst zu betonen, dass dieselben überaus gering 
sind. Es hängt das mit der Beschaffenheit des Einzugs- 
gebietes der schwarzen Flüsse zusammen. Der petrogra- 
phische Charakter in allen Bezirken der schwarzen Flüsse ist 
immer der gleiche: Urgestein, Sandsteine, Thone und Laterit, 
di e bezüglich ihrer chemischen Zusammensetzung einander nahe- 
zu ganz gleich sind, Silikate (siehe Tafel II), deren wichtigster 
Bestandteil die Kieselsäure ist, die zwischen 40—80% der 
Gesamtmasse ausmacht, dann Thonerde, Eisenoxyd und Eisen- 
oxydul, Magnesia, Kali, Natron und Wasser. Wie ver- 
schieden z. B. der Gehalt der Urgebirgsgewässer an gelösten 
Substanzen, verglichen mit dem der Flüsse anderer Forma- 
tionen, ist, zeigen uns Späth s^) Und Metzgers 2) Unter- 
suchungen. Dazu diene als Beweis untenstehende Tabelle. 
Die Zahlen in derselben stellen die Mittelwerte des in 100 
Teilen Rückstand gefundenen Prozentgehaltes dar, und zwar 
einerseits aus neun Wasserproben des Keupers und Muschel- 
kalkes nach Späth und andererseits aus den gleichen Werten 
von 13 Wasserproben aus dem Urgebirge nach Metzger: 



Vergleichende Tabelle 
der 7o -Zusammensetzungen von 100 Teilen Rückstand in 


den Wassern: 




NazO 


R2O 


CaO 


MgO 


Cl 


SiOa 


SOs 


Rest 


Der Triasformat. 

("Keuper 
und Muschelkalk.) 

Der Urgebirgsf. 


3>24 
11,50 


4,29 
9,70 


29,34 
9,00 


9,0 

5;I 


4,15 
12^00 


7,09 
28,90 


16,27 
8,67 


26,62 
1S13 



Das Mittel im Trockenrückstand eines Liters ist in den Wassern aus 
der Triasformation 248 mgr, in den Wassern aus dem Urgebirge 87 mgr. 
(Siehe auch Tafel III.) 



*) Späth, Beiträge zur Kenntnis der hydrogr. Verhältnisse v Ofr.; 
Mittig. aus dem pharm. Institut etc., 2. Heft, München 1892. ^j Metzger, 
Beiträge zur Kenntnis der hydrogr. Verhältnisse des bayr. Waldes. 
Erlangen 1892. 



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— 123 — 

Auch die Wasser des Sandsteingebietes gleichen den 
Urgebirgsgewässern an Armut der gelösten Mineralstoffe, 
und ihre Reinheit kommt vielfach der des destillierten Wassers 
nahezu gleich. Da die chemische Beschaffenheit der Sand- 
steine ohne Rücksicht auf ihr geologisches Alter (siehe Tafel II) 
fast gleich ist, so genügen hier folgende Wasseranalysen : Nach 
Gümbel^) enthalten die Gewässer des Sandsteingebietes des 
Vorspessarts ausser kleinen Mengen von atmosphärischer Luft 
und Spuren von Kohlensäure durchschnitthch nur 36, einzelne 
selbst nur 20 mgr Trockenrückstände in i Liter und zwar 
hauptsächlich Kochsalz und Kieselerde. In dem Wasser des 
Herrnbrunnens bei Lohr betragen beispielsweise die Ge- 
samttrockenrückstände in I Liter Wasser 78 mgr, bestehend 
nach Prozenten aus Kieselsäure 12, Chlor 18, Natron 12, 
Kalk 5, Schwefelsäure 2, Thonerde, Bittererde und Eisen - 
oxyd 5, gebundener Kohlensäure 4, sonstigen Mineralstoffen 2, 
Organischem 18, ^dazu kommt freie Kohlensäure 22. — Die 
Analyse des Breitenruhquell wassers im Bibergrund ergab: 
Chlornatrium 3,07, Calciumsulphat 2,00, Natriumcarbonat 2,03, 
Calciumcarbonat 0,01 und Kieselsäure 6,00 mgr im Liter. 

Dass auch die schwarzen Flüsse Südamerikas ausserordentlich 
arm an gelösten Bestandteilen sind, berichtet uns z. B. Katzer. Er 
schreibt : Das Tapajoswasser ist äusserst klar, so dass man selbst durch 
eine 3 bis 4 m mächtige Schicht bis auf den Grund sieht. Die Analyse 
einer bei Itaituba geschöpften Probe ergab einen aussergewöhnlich 
geringen Gehalt an gelösten Bestandteilen, in welchem Sinne der Tapajos 
zu den reinsten Flüssen der Welt gehört. Ich kann darauf hinweisen, 
dass alle Fluss- und Bachwässer des Amazonasgebietes, die ich unter- 
sucht habe, ohne Ausnahme durch eine auffallende Armut an gelösten 
Bestandteilen ausgezeichnet sind.') 

Dagegen zeigen diese Flüsse einen ausserordentlichen 
Reichtum an Hurainsäure, resp. Verbindungen derselben. 
Das Vorhandensein enormer Massen an organischen Bestand- 
teilen haben uns die Analysen durch Pf äff und Müntz und 
Marcano beim Rio Negrowasser ergeben.^) Dass diese 



*) G um bei, Bd. II S 641. ^) K atz er, Zur „Geographie des 
Tapajos*'; Globus 1900 S. 284. ') Siehe Seite 193, 194 und 195. 



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124 — 

färbenden Humussäure- Verbindungen den verwesenden Pflan- 
zenmassen der Einzugsgebiete der Schwarzwasserflüsse ent- 
stammen, ist von vornherein klar. In der That hat F. A. 
Forel ebenso wie Wittstein durch Beimengung von Torf- 
mooren zu Wasser des Genf ersees die verschiedensten Fär- 
bungen bis zu braun und schwarz hervorbringen können. 
Allein rätselhaft bleibt es, warum Torfwasser, resp. Wässer 
aus , verwesenden Pflanzenmassen nur im Urgebirge eine 
Schwarzfärbung hervorbringen, im Kalkgebiet aber nicht. 

Hierüber gibt folgejicjes Experiment Aufschluss, das wir nach 
Rücksprache mit Herrn Dr. Wein, Professor der Chemie an der Aka- 
demie Weihenstephan und mit Herrn Apotheker Dr. Heiss in des 
letzteren Laboratorium angestellt haben. Man nahm drei mit destilliertem 
Wasser gefüllte Gefässe und legte in jedes derselben Humus (Torf oder 
Waldhumus); während das erste Gefäss ohne anderen Zusatz gelassen 
wurde, brachte man in daß zweite Gefäss kohlensaures Natron> und in das 
dritte kohlensaures Kali. In ganz kurzer Zeit nahm das Wasser im 2. 
und im 3. Glase eine dunkle Färbung an, während das Wasser m ersten 
Glase sich nicht änderte, sondern weiss blieb. Hieraus geht hervor, 
dass die Humussäure nicht etwa in reinem Wasser einfach aus dem 
Torf in Lösung geht und dasselbe färbt, sondern dass im Wasser Alkalien 
gelöst sein müssen, damit eine Färbung eintritt, wie schon Wittstein 
betonte. *) Wenn auch , wie Schwager^) behauptet, Humussäure durch 
freie Lösung ins Wasser gelangen kann, so sind die Mengen jedenfalls 
gering und nicht imstande, eine merkliche Färbung des Wassers zu be- 
wirken; die Anwesenheit von Alkali im Wasser ist notwendig. Auch 
W o 1 1 n y *) hat dies betont, wenn er auch eine freie Lösung für möglich 
hielt.") 

Ein Versuch mit hartem, d. h. kalkreichem Wasser ohne Alkalien 
ergab indes keine Färbung. Ja, die|Beimengung von Wasser, iö dem grössere 
Quantitäten doppelkohlensaures Kalkes gelöst waren, zu Wasser, das 
vorher unter Mitwirkung von Alkali durch Humussäure schwarz gefärbt 
worden war, ergab eine fast vollständige Entfärbung der letzteren. 

Der letztere Versuch wurde in zweierlei Weise vorgenommen. 
In der Apothekß des Herrn Dr. Heiss wurde eine starke Lösung von 
doppelkohlensaurem Kalk benützt, die durch Durchleiten von Kohlen- 



') Sitzungsberichte d. k. b. Akademie der Wissenschaften in 
München. 1860. S. 603. ^) Schwager, Geognostische Jahreshefte 1894 
und 1897. *) Geogr. Zeitschr. v. Hettner, 1897, S. 288. — Wollny, 
E., „Die Zersetzung organischer Stoife etc/* Heidelberg 1897. 



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- 125 - 

säure durch einen Brei von präzipitiertem kohlensaurem Kalk und la 
Teilen Wasser gewonnen worden war. Die Entfär|;)ung erfolgte bei 
Zusatz dieser Lösung zu schwarzem Wasser, das nachher durch Auf- 
lösung von Humussäure in älkalihaltigem Gewässer heller worden war, 
wenn auch ein Stich ins Weingelb^ zurückblieb. Im geographischen 
Institut der Universität Bern wiederholten wir den Versuch mit einer 
schwachen Lösung, die durch Schütteln von präzipitiertem kohlensauren 
Kalk mit dem Wasser einer Sodorflasche*) hergestellt war. Die Ent- 
färbung erfolgte hier allmählich und erreichte erst nach einigen Tagen 
den Grad, wie beim ersten Experiment sofort. Bräunlicher Schlamm 
setzte sich in beiden Fällen zu Boden. Wie sich diese Vorgänge chemisch 
erklären lassen, können wir nicht sagen, da die Humussäure, Geihsäure 
etc. und die entsprechenden Verbindungen leider noch wenig untersucht 
sind. Nur als Vermutung möchte ich hier folgendes anführen. Humus- 
säure, Geinsäure etc., wie sie im Torf, überhaupt in allen verwesenden 
Pflanzenmassen vorhanden sind, sind in reinem Wasser nur minimal 
frei löslich. Enthält das Wasser Alkalien, so gehen diese mit der Humus- 
säure Verbindungen ein, die- leicht löslich sind, und nun das Wasser 
färben. Wird eine Lösung von doppelkohlensaurem Kalk beigefügt, so 
verdrängt das Calcium die Alkalien und es entstehen humussaure Cal- 
ciumverbindungen. Diese sind schwer löslich und fallen daher als 
schwarzer Niederschlag aus, so eine Entfärbung des Wassers hervor- 
bringend. Verstärkt wurde diese Entfärbung noch durch Zulegung von 
Magnesia. 

Was ergibt sich nun aus diesem Experimente für die 
Frage der schwarzen Flüsse? 

Zunächst erklärt sich sofort, warum wir schwarze Flüsse 
nur auf Urgebirgen, Sandsteinen, Thongesteinen etc., aber nie 
auf Kalkboden treffen. Urgebirgswasser, überhaupt Silikat- 
gesteine, enthalten nämlich Alkalien gelöst. Das lehren direkt, 
die Analysen von Gürabel, Wittstein und Metzger. Gelangen 
nun verwesende Pflanzenmassen mit diesem Wasser in Be- 
rührung, so färbt sich das letztere schwarz, da sich die lös- 

*) Flasche, um Wasser mit Kohlensäure anzureichern. Auf den 
Flaschenhals wird eine kleine, etwa V2 cbcm fassende Kohlpatrone, die 
mit flüssiger Kohlensäure gefüllt ist, gesteckt, die Flasche hermetisch 
geschlossen und gleichzeitig durch einen Dorn die Kohlpatrone ange- 
bohrt, aus der nun die Kohlensäure in die Flasche übertritt. Durch 
Schütteln wird die Kohlensäure in Wasser gelöst. Der präzipitierte 
kohlensaure Kalk war vorher in die Flasdie gebracht worden. 



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— 126 — 

liehen humussauren Alkaliverbindungen bilden. Bei der 
Lösung der Alkalien des Urgesteins bleibt die Kieselsäure 
der Feldspäte zurück; diese ist weiss, — so ist auch das 
Bett der schwarzen Flüsse weiss. 

Anders bei Flüssen auf Kalkboden ; dieselben enthalten 
doppelkohlensauren Kalk und Magnesia in grossen Mengen. 
Diese gehen mit der Humussäure der verwesenden Pflanzen- 
substanzen Verbindungen ein, aber diese sind nicht löslich 
und scheiden sich daher am Boden aus. Der Boden der 
Flüsse des Kalkgebietes ist deshalb schwarz, das Wasser 
aber weiss. Also genau, wie wir das eben geschildert haben. 

Aber auch die Entfärbung der Schwarzwasser nach 
Betreten von Kalkboden erklärt sich: Das Calcium des als 
doppelkohlensaurer Kalk in Lösung gehenden kohlensauren 
Kalkes, sowie das Magnesium verdrängen die Alkalien in den 
humussauren Verbindungen , es bilden sich so humussaure 
Calcium- und Magnesiaverbindungen, die als schwer löslich 
ausfallen. Das in Lösung bleibende Alkali bleibt infolge- 
dessen ohne Wirkung für die Färbung des Flusses, und 
dieser wird aus einem schwarzen ein weisser Fluss. 

Das genügt völlig, um das Auftreten der Schwarzwasser- 
flüsse zu erklären. Wir brauchen nichts weiter, und brauchen 
vor allem nichts voraussetzen, was nicht durch Beobachtungen 
belegt ist. Damit soll aber nicht gesagt sein, dassnicht 
vielleicht auch noch andere Faktoren bei der 
Färbung der Schwarzwasserflüsse mitsprechen können. So 
glaubte Schwager jüngst eine andere Ursache für die 
Dunkelfärbung des Silikatwasser gefunden zu haben. Er 
nimmt die zahlreichen Diatomeen, die sich infolge des grossen 
Kieselsäuregehaltes in jenen Gewässern bilden, als Färbungs- 
substanz an. „Manche Flüsse'', schreibt er, „scheinen durch 
die zahlreichen Diatomeen im Vereine mit braunschwarzen 
Flocken unbestimmter Art auf diese Weise wie mit mangan- 
haltigen Eisenausscheidungen erfüllt, was sich bei näherem 
Zusehen als diese Anhäufung von zweifelhaften kleinsten 
Lebewesen pflanzlicher Natur herausstellt. Und wir werden 



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— 127 — 

nicht fehl gehen, wenn wir jegliche Färbung der Gewässer, 
wie zur Zeit schon vielerorts nachgewiesen wurde, mit der 
zuständigen Flora und Fauna, zumal mit den niederen Lebe- 
wesen in Zusammenhang setzen/' In der That! In fliessenden 
Silikatgewässern, wo die Kieselsäure zwischen 40— 80^/0 der 
Gesamtmasse der gelösten Bestandteile ausmacht (s. Tafel III), 
ist jenen niederen Organismen unzweifelhaft zu ihrer Existenz 
ein so günstiges Feld gegeben^ dass ihr Dasein in grossen 
Massen möglich erscheint. Da auch bei verschiedenen Meeren, 
so z. ß. im Grönländischen Meere bereits nachgewiesen wurde, 
dass zahllose Kieselpflanzen eine , Schwarzfärbung' des \y assers 
verursachen, so ist die Schwager sehe Anschauung nicht 
direkt von der Hand zu weisen. Allein sie erklärt uns doch 
vieles nicht. Warum kommen die Schwarzwasserflüsse auf 
Silikatgesteinen stark ausgeprägt nur im Urwald und Moor- 
gebiet vor und fast gar nicht im Steppen- und Wüstengebiet ? 
Das vegetationsarme Mato Grosso ist, wie wir gesehen haben, 
fast bar an solchen Gewässern, während die dichtbewaldete, 
moorige Sierra do Maar . überaus reich an solchen Flüssen ist. 
Ähnliche Beispiele giebt es in solcher Zahl, dass eine An- 
führung derselben unnötig ist. 

Freilich weiss Schwager für diesen Vorhalt eine Ant- 
wort. „Treten," schreibt er, „im Verlauf ihres Weges für 
jene Organismen günstige Lebensbedingungen ein, zu denen 
wir einen gewissen Salzgehalt des Wassers und ver- 
minderte Bewegung gewiss rechnen können; so wird leicht 
eine bedeutende Vermehrung derselben Platz greifen können." 
Wir zweifeln nicht, dass im einen oder andern Fall jene 
Lebewesen etwas dazu beitragen können, einen dunklen 
Ton bei den Gewässern zu verursachen, allein diese Er- 
klärung auf alle schwarzen Flüsse und speziell auf diejenigen 
Südamerikas anzuwenden, geht eben deswegen nicht, weil 
für diese die Existenz von massenhaften Diatomeen über- 
haupt noch nicht nachgewiesen ist. 

Dass sie aber Alkali enthalten, ist sicher, da sie im 
Urgebirge fliessen. Dass ihnen ferner Verwesungsprodukte 



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— 128 — 

von Pflanzen in Menge zukommen, steht ebenfalls fest. Das 
aber genügt völlig zur Erklärung ihrer schwarzen Farbe. 

Anders dürfte es mit der von Spring besonders be- 
tonten Rolle des kohlensauren Eisenoxyduls bei der Dunkel- 
färbung der Gewässer sein. Gerade die Silikatgesteine sind 
reich an Eisenoxyd, das bei Anwesenheit chemischer Ver- 
bindungen leicht in Eisenoxydul reduziert werden kann und 
als kohlensaures Eisenoxydul in Lösung bleibt. Da nun, 
wie Springt) durch Experimente nachgewiesen hat, das 
Eisenoxydul etwa in einer Verdünnung von ^/looooooo ^^^^ 
Gelb- oder Braunfärbung der Gewässer verursacht, so darf 
fast sicher angenommen werden, dass das kohlensaure Eisen- 
oxydul auch beteiligt ist bfei der Schwarzfärbung mancher 
unserer betrachteten Flüsse. 

Sehluss. 

Wir können unsere Resultate in folgenden Thesen zu- 
sammenfassen : 

1. Schwarzwasserflüsse finden sich nur in Gegenden, 
wo grosse verwesende Pflanzenmassen vorkommen. 

2. Sie treten in Südamerika und auch anderwärts nur 
auf Gesteinen auf, die Alkalien enthalten, auf Granit, Gneis, 
Sandstein, Laterit, Thon, kurz auf Silikatgesteinen. 

3. Sie fehlen durchaus auf Kalkboden. 

4. Tritt ein Schwarzwasserfluss auf Kalkboden über, so 
verliert er nach kurzem Lauf seine schwarze Farbe und wird 
ein Weisswasserfluss. 

5. Das Bett der Schwarzwasserflüsse ist weiss, das der 
Weisswasserflüsse, die Moorwasser aufnehmen, schwarz. 

6. Die Schwarzfärbung führt sich darauf zurück, dass 
bei Anwesenheit von Alkalien im Wasser, wie sie stets auf 
Silikatgesteinen eintritt, die Humussäure mit diesen leicht- 
lösliche, das Wasser braunfärbenden Verbindungen zum Teil 
saufe Verbindungen eingeht. 

') Spring, Sur la cause de L'Absence de coloration etc., 
Brüssel 1898 S. 5 und 6. 



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— 129 — 

7- In gleicher Richtung dürfte auch im Wasser gelöstes 
kohlensaures Eisenoxydul wirken. 

8. Verstärkt mag die Schwarzfärbung für das Auge 
bei auffallendem Licht durch das Fehlen suspendierter Partikel 
und die dadurch bedingte ausserordentliche Klarheit der Ge- 
wässer werden, die tiefe Wasser stets dunkel erscheinen lässt. 

9. Andere Momente, wie z. B. Beimengung von schwarzem 
suspendierten Schlamm, Auftreten von Diatomeen (Schwager) 
mögen lokal mitspielen, sind aber unwesentlich. 

10. Das Fehlen von Schwarzwasserflüssen auf Kalk- 
boden , sowie die Entfärbung derselben beim Betreten von 
Kalkboden führt sich auf den Ersatz der Alkalien in den 
humussauren Verbindungen durch Calcium und Magnesia 
zurück; diese humussauren Calcium- und Magnesia Verbin- 
dungen fallen als schwerlöslich aus. 

11. Die weisse Farbe des Bettes der Schwarzwasser- 
flüsse erklärt sich daraus, dass die Verbindungen der Lösungs- 
produkte der Silikatgesteine mit Humussäure überaus leicht 
löslich sind, daher in Lösung bleiben und das kohlensäure- 
haltige Wasser die Silikatgesteine resp. deren zersetzbare 
Mineralien immer weiter löst; es bleibt weissliche Kiesel- 
säure zurück. 

12. Die schwarze Farbe des Bettes der Moorwasser 

enthaltenden Weisswasserflüsse dagegen führt sich auf die 

Ausfüllung der schwerlöslichen humussauren Calcium- und 

Magnesiaverbindungen zurück. 
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Autor : 


I. Ynirida : 








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Bull S.G. 1880.290. 
Humboldt B.IIIp. 225. 

Rieh. Schomburgk. 

I. Tl. pag. 303. 
Sievers ..Amerika 


II. Atabapo : 
III. Essequibo : 
I. Oberlauf: 


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IV.Moju: 

V.Tapajoz: 

1. Oberlauf: 

2. Unterlauf' 


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S. 172. 
Grisebach, S. 379. 
Verhältn. v. Unter- 
lauf d. Amazonas. 

Katzer, Globus 1900. 

284. 
Katzer, Globus 1900. 

284. 

Chandless. J. G. S. 

1870 S. 419- 
Verhältnisse v. Villa 






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VI.Abacaxis: 
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2. Mündung: 

VII.RioNegro: 
I.Ober. RN 


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Humboldt,BIIIS.269. 
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3. Mündung : 
VIILYapura: 

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Bd. 30. S. 71. 
Chandless, J. G. S. 
Vol. 40. S. 431. 

Bull. S. G. 1882. 707. 
Bates, 309. 

Bates p. 309. 

Hann, 372. 

Verh. des Ucayali 

(Galt bei Orton 380. 
Martius S. 783. 
Hann, S. 351. 

Martius, 771. 

T^jchudi die Prov. 












2.Mündg. b. 
Egas. 
IX.RioTeffe: 

X Rio Samirifl • 


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XV. Sao Paulo: 

XVI.Küstengeb.v. 

15° s B bisz. 

Wendekr. 
XVII. Brasilien: s. 

V. Wendekr. 

a) Küste: 

b) Inneres: 










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Minas Geraes". 

Gotha 1862. 
Martins^ S. 232. 
Hann, 351. 

1 Siehe Kapitel: 
J Niederschläge. 


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III. Hornblende- 
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IV. Glimmer- 
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V. Talkschiefer 

VI. Viol. Sericit- 
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S.W.- Afrika von 
Dr. Buchner. 
Jahreshefte 1894 
7. Jahrg. S. 85. 


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BOcher: 

1 Apun, C. F., „Unter den Tropen". Wanderungen durch Venezuela, 
am Orinoco, durch Britisch- Guayana und am oberen Amazonenstrom 
in den Jahren 1849— 1868. Costenoble 187 1. 

2 Av6-Lallemant» Robert, „Reise durch Nordbrasilien im Jahre 1859**, 
2 Tl. Leipzig 1860. 

3 Derselbe, „Reise durch Südbrasilien im Jahre 1858". 2 Tl. Leipzig 1859. 

4 Bated, H. W., „Der Naturforscher am Amazonenstrom". Leipzig 1866. 

5 Bayern, Therese, Prinzessin von, KgL Hoheit, „Meine Reise in 
den brasilianischen Tropen". 8^. 544 S., mit 2 Karten, 4 Tafeln, 
i8 Vollbildern und 60 Textabbildungen. Berlin, D. Reimer, 1897. 

6 Boas, „Beiträge zur Erkenntnis der Farbe des Wassers". Kiel 1881. 

7 Brown and Lidstone, iifteen thousand miles on the Amazon and 
its tributaries. London 1878. 

8 Coudreau, H., „Voyage au Tapajoz". Paris 1897. 

9 Condamine, De la, „Relation d'un voyage fait dans Tinterieur de 
l'Amerique M^ridionale". Maastricht 1778. 

10 Clauss, Otto, „Die Xingu-Expedition von 1884". Berlin 1885. 

11 Darwin, Ch., „Naturalist*s Voyage". London 1845. 

12 Eschwege, W. v., „Brasilien, die neue Welt, in topographischer, 
geognostischer, bergmännischer u. s. w. Hinsicht". Braunschweig 1830. 

13 Derselbe, „Beiträge zur Gebirgskunde Brasiliens". Berlin 1832. 

14 Derselbe, „Pluto Brasiliens". Berlin 1833. 

15 Forel, F. A-, „Handbuch der Seenkunde". Stuttgart 1901. 

16 Grisebach, A., „Die Vegetation der Erde". Leipzig 1872. 

17 Grümbel, C. W., „Geognostische Beschreibung des ostbayr. Grenz- 
gebirges". Gotha 1868. 

18 Derselbe, „Geologie von Bayern". Cassel 1894. 

19 Günther, Sigmund, „Handbuch der Geophysik". II. Bd. Stuttgart 1897. 

20 Derselbe, „Lehrbuch der physischen Geographie". Stuttgart 189 1. 

21 Derselbe, „Geschichte der Entdeckungen im neunzehnten Jahrhundert". 
Berlin 1902. 

22 Gibbon, Exploration of the Valley of Amazon. Washington 1853. 

23 Humboldt, A., „Ansichten der Natur". Deutsche Bearbeitung von 
Hermann Hauff. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart. 



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— 136 - 

24 Humboldt, A., „Reise in die Äquinoktial-Gegenden". 3. u. 4. Band 
von Humboldts „gesammelten Werken". Deutsche Bearbeitung 
von Hermann Hauff. Stuttgart. 

25 Hann, J., „Handbuch der Klimatologie". Stuttgart, Verlag von 
Engelhom, 1897. II. Bd. (IL Auflage.) 

26 Hömeyer, „Beschreibung der» Provinz 'Rio Grande do Sul". Coblenz 
1854. 

27 Hoppe, Otto, „Schweden in Wort und Bild". Breslau 1891. 

28 Hartt, C. F., Geol. and Phys. Geogr. of Brazil. 8^. Boston 187a 

29 Henidon, Exploration of the Valley of the Amazon. Washington 

1853—54- 

30 Keller-Leutzinger, „Vom Amazonas und Madeira". Stuttgart 1874. 
Karte. 

31 Kletke, „Reise Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Ad albert von 
Preussen nach Brasilien". Berlin 1857. 

32 Kloeden, „Handbuch der physischen Geographie". 3. Aufl.. Berlin 1873. 

33 Koppen, W.,, „Versuch einer Klassifikation der Klimate". Leipzig 1901. 

34 Lange, Henry, „Südbrasilien". 2. Auflg. Leipz. 1888. 

35 Martin, „Niederländ. Westindien". Leiden 1888. 

36 Metzger, „Beiträge zur Kenntnis der hydrogr. Verhältnisse des 
bayr. Waldes". Inaug. -Dissertation. Erlangen 1892. 

. 37 Neumayr, Melchior, „Erdgeschichte". Leipzig 1887. 

38 Ortor, Jam., „The Andes and the Amazon; or Across the CoBtinent 
of South- America. 3 d Edition. Revised and enlarged, containing 
notes of second journey etc.". New-York .1876. 

39 Pohl, J. E., „Reise im Innern von Brasilien". 2. Tl. Wien 1832 
u. 1837. 

40 Pöppig, „Reise in Chile, Peru und auf dem Amazonas-Strom"^ 
Leipzig 1836. 

41 Reclus, „Nouvelle Geographie universelle la terre et les Hommes". 
Paris 1895. 

42 Ratzel, Friedr., „Die Erde und das Leben"» Leipzig u. Wien 1901. 

43 Rüge, S., „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen". Berlin i88i. 

44 Sellin, A. W., „Das Kaiserreich Brasilien". Leipzg. 1885.. 

45 Segelhandbuch für den Atl. Ozean, herausgegeben von der See- 
warte. Hamburg. 

46 Sendtner, Otto, „Die Vegetations- Verhältnisse Südbayerns". München 
1854. 

47 Sievers, Wilh., „Amerika". Leipzig u. Wien 1891. 

48 Sievers, Wilh., „Afrika". Leipzig u. Wien 1891, 1901. 

49 Sievers, W., „Die Cordillere von Merida" nebst Bemerkg. über das 
Karib. Gebirge. Mit i geolog. Karte. Wien 1889. 

50 Soyka, „Die Schwankungen des Grundwassers". Wien 1888. 



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- 137 — 

51 Supan, „Gruodz^e der phys. Erdkunde". Leipz. 1896. 

52 Suess, Eduard, „Das Antlitz der Erde". Prag 1885. 

53 Schichte], „Der Amazonenstrom". Strassburg 1893. 

54 Schomburgk, Richard, ,>,Reisen in Britisch-Guiana in den Jahren 
1840— 1844". 2. Bd. Leipzig 1847. 

55 Schoml^.urgk, Robert Hjermann, .,^eisen in Guiana u. am Orinoco 
während der Jahre 1835— 1839". Mit i Karte. Leipzig 1841. 

56 Spix u. Martius, „Reise in Brasilien in den Jahren 1817 — 1820". 3 Tl. 
München 1823, 1828, 1831. 

57 Spiing, „Sur La Cause de L'Absence de Coloration De Certaines 
Eaux Limpides Naturelles". Brtixelles 1898. 

58 Späth, „Beiträge zur Kenntnis der hydrog. Verhältnisse von Ofr." 
Mittig. aus d. pharm. Institut u. Lab. für. angew. Chemie der Univ. 
Erlangen von A. Hilger. II. Heft München. 

59 Steinen, von den, „Durch Central-Brasilien". Leipzig, Brockhaus 1886. 

60 Schweinfurth, Georg, „Im Herzen von Afrika". Reisen u. Ent- 
deckungen im Centralen Äquatorial-Afrika während der Jahre 1868 
bis 3d8!7i. Leipzig 1878. 

61 Tschudi, „Reisen durch Brasilien". Leipzig, II. Bd. 1889. 

62 Ule, W., „Der Würmsee". Leipzig ^900. 

63 Wagner, Hermann, „Lehrbuch der Geographie". Stuttgart 1891. 

64 Wied-Neuwied, Maximilian Prinz zu, „Reise nach Brasilien" in den 
Jahren 1815— 1817. Frankfurt 1820 u. 1821. 2. Bd. 

65 Wissmann, Hermann, „Unter deutscher Flagge" quer durch Afrika 
von West nach Ost. Berlin 1889. 



Zeitschriften: 

1 Annalen der Physik und Chemie. 

2 Annalen der Chemie und Pharmacie. 

3 Das Ausland. Stuttgart. 

4 Bulletin de la Society de Geographie. Paris. 

(Abkürz.: Bull. S. G.) 

5 Bulletin de Tacademie royal belgique. Brüssel. 

^Abkürz.: Bull, de l'acad. r. belgique.) 

6 Bibliothek der Länderkunde Berlin. 

7 Comptes-rendus de la Societe de Geographie. Paris. 

(Abkürz. : Compt rend. S. G.) 

8 Deutsche Rundschau fiir Geographie und Statistik. Wien. 

9 Deutsche geographische Blätter. 

(Abkürz.: D. geogr. Bl.) 

IG Forstlich-naturwissenschaftliche Zeitschrift. München. 

(Abkürz. : Forstl. Nat. Z.) 



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- 138 - 

1 1 Geographische Zeitschrift. Herausgegeben von Alfred Hettner. Leipzig. 

12 Geognostische Jahreshefte. München. 

13 Geographisches Jahrbuch. (Gotha.) 

14 Geographische Abhandlung. Wien u. Olmütz. 

15 Globus. Braunschweig. 

16 Jahresberichte der geogr. Gesellschaft in München. München. 

17 Jahrbuch der Astronomie u. Geophysik. Leipzig. 

18 „Journal of the Royal Geographica! Society". London. 

(Abkürz.: R. G. S.) 

19 Mitteilungen der geogr. Gesellschaft zu Hamburg. Hamburg. 

20 Natur, die; Zeitschrift zur Verbreitung naturwissenschaftl. Kenntnisse. 
Halle. 

21 Proceedings of the Royal Geographica! Society. London. 

(Abkürz. : R. G. S.) 

22 Petermann's Mitteilungen. Ergänzungsband. 

(Abkürz. : P. E.) 

23 Petermann's Mitteilungen. 

(Abkürz. ; P. M.) 

24 Sitzungsberichte der Kgl. bayr. Alcademie der Wissenschaften, 
math.-phys. Klasse. 

25 Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde. Berlin. 

26 Zeitschrift der Gesellschaft ftir Erdkunde. Berlin. 

27 Zeitschrift des „österr. Alpenvereins". Berlin. , 

28 Zeitschrift ftir allgemeine Erdkunde. Berlin. 



60tige ITlitteilungen 

von den Südamerika-Forschern: 

I. Dr. Karl von den Steinen, a. Dr. Paul Ehrenreich, 3. Dr. Otto 
Clauss, 4. Dr. Peter Vogel, 5. Dr. Katzer. 



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